Kultur | 23.03.2009

Wie aus Silberstaub entstanden

Text von Daniela Dambach | Bilder von Martin Sigrist
Wieder einmal fand am 15. März in der Reithalle Basel die "Modeschau Diplom 08" der Abschlussklasse des Institut Mode-Design statt. Ganze dreizehn Kollektionen wurden dem Publikum dabei geboten.
Die Elfen von Stéphanie Lafargue. Fotos: Alexander Palacios, Boris Marberg Da kann der Regen kommen: Ein Entwurf von Stefanie Biggel. Raphaela Hutter verpasst Männern Anzüge, die weder ins Büro noch in die Werkstatt passen.
Bild: Martin Sigrist

Anders als in den vergangenen Jahrgängen, wurden an der Modeschau dieses Jahr nahezu die Hälfte der Kollektionen für Männer kreiert. In Zeiten der wirtschaftlichen Krise dehnte wohl manch eine Designerin oder ein Designer die Zielgruppe auf beide Geschlechter aus. Die gesamthaft dominierenden Farben Grau, Schwarz, Weiss und Brau wirkten in diesem Jahr allerdings nicht unbedingt fröhlich und unbeschwert, sondern eher bodenständig, unspektakulär und wenig wagemutig. Umso ausgefeilter waren dafür die Schnitte und Linien der Nachwuchsdesign-Werke. 


Business-Typ oder Handwerker?

Offensichtlich wird der moderne Mann gerade neu erfunden. Er muss sich als starkes Geschlecht beweisen, cool sein aber ohne mit Machoallüren zu polarisieren. Inspiriert von der erotischen Ausstrahlung eines Mannes im griechischen Gewand, hüllte zum Beispiel Ilona Scheidegger ihre Models in eine Mischung aus Wüsten- und Business-Kleidung und machte sie damit zu kosmopolitischen Beduinen. Die Vermischung von typischen modischen Frauen- und Männerattributen hat Janine Wirth als Kern ihrer Studie gewählt. Sie präsentierte selbstbewusste harte Kerle in femininen Leggings. Was heute auf dem Laufsteg taugt, wird morgen womöglich dort enden, wo der Männerrock heute ist: als verbanntes Schreckgespenst, von Männern belächelt, für Frauen ein Dorn im Auge – und schlecht an den Mann zu bringen.

Konzeptionell überraschend war Raphaela Hutters Herrenkollektion „Put your suit on an say hi“. Sie brachte die ganze Bandbreite der Männlichkeit in einer Mischung aus feinem Herrn und schmutzigem Handwerker auf den Punkt. Als hätte sich der schicke Geschäftsmann nach einem harten Börsentag die Hände in der Schmiedewerkstatt schmutzig gemacht, präsentiert Hutter Blaumänner aus edlem Anzugstoff, Suits mit Worker-Schürze, die von hinten als feine Hose, von vorne aber als Handwerkerschurz wirken.

Durchblick ohne Durchsicht
Selbstbewusst, emanzipiert und sich zugleich ihrer erotischen Reize bewusst – so gibt Frau sich heute und drückt dies auch mit ihrer Bekleidung aus. Fliessende Stoffe, feminine Schnitte sowie leichter Glanz sind die aktuellen Themen. Vielleicht wären Adam und Eva nie aus dem Paradies vertrieben worden, wenn Eva nach dem Motto von Stefanie Biggels Kollektion forsch gesagt hätte: „I don-˜t need any apples, thank you!“ Plastik harmoniert bei Biggel mit Leder und Tüll, zart und hart zeigen sich in verschiedensten Farbnuancen. Die Models von Stéphanie Lafargue schleichen dagegen auf leisen Sohlen durch den Raum, als wären sie aus Silberstaub entstanden, der „Elfentang“ umspielt ihre Beine. Die femininen Kreationen in den Farben Grau und Weiss wirken unschuldig, die Transparenz der Stoffe lässt die Kleider dennoch etwas verrucht wirken.

Gegensätze ziehen sich an
Was an der diesjährigen Show auffiel, waren die Spielereien mit Gegensätzen: Durchsichtig war zugleich blickdicht, Mann war auch Frau, offenherzig war gleichzeitig zugeknöpft. Die Grenzen werden offen, verschmelzen ineinander, was das Unmögliche möglich macht. Etwas darf allerdings bei aller Kreativität und Spinnerei nicht vergessen werden: wer es im Modezirkus auf das Trapez schaffen will, darf nie den Boden aus den Augen verlieren. Denn unten sitzt das Publikum, die wahren Trägerinnen und Träger der Mode. Wer sich hingegen auf die Artisten in der Manege beschränkt, richtet sich an einen zu engen Interessenkreis.

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