Kultur | 09.03.2009

„Wenn du willst, weine ich jetzt gleich“

Text von Jill Zimmerli
Es gibt kaum eine Musikzeitschrift, die aktuell nicht über sie berichtet: The Script. Doch wer sind die drei Iren wirklich? Tink.ch traf sie für ein persönliches Gespräch.
The Script in Fleisch und Blut (vlnr): Mark Sheehan (Gitarre), Daniel O'Donoghue (Gesang/Keyboard) und Glen Power (Schlagzeug). Fotos: www.thescriptmusic.com Danny O`Donoghue: "Alles was mit der Familie zu tun hat, bringt mich zum weinen. Verbrachten einen grossen Teil ihres Lebens in Amerika - The Script.

Vorletzten Samstag brachten die irischen Shootingstars „The Script“ das Volkshaus zum Beben – nach jedem Song wurde das Gekreische der weiblichen Fans lauter. Dabei sind die drei Iren keine Boygroup-Mitglieder, sondern ernstzunehmende Musiker.  Am Konzert konnte man einzig bemängeln, dass es ein wenig kurz war: Nach einer Stunde verliessen Danny, Mark und Glen schon wieder die Bühne. Dennoch wurden die Fans mit den bekannten Hits bedient: „We cry“ , „The man who can’t be moved“ oder „Breakeven“. Alle wurden gespielt und das Publikum sang lautstark mit. Tink.ch sprach vor dem Konzert mit den sympathischen jungen Männern über weinende Männer, Heimat und ihre Tee-Obsession .

Ist es wichtig für euch, dass ihr eure Texte selber schreibt?

Mark: Auf jeden Fall. Das ist der Grund, warum wir Musik machen: Um uns selber auszudrücken. Jede Person hat einen ganz unterschiedlichen Blick auf die Welt. Den wollen wir mit unserer Musik ausdrücken. Jeder kann ein Liebeslied schreiben. Aber es kommt darauf an, wie du es mit deinen eigenen Worten beschreibst.

Habt ihr alles, was in euren Songs vorkommt, schon einmal selber erlebt?

Mark: Einige sind autobiografisch. Aber es ist schwer, nur solche Lieder zu schreiben, da wir drei ja nicht alle das Gleiche erlebt haben. Zum Beispiel bei „The man who can’t be moved“; da hatten wir alle ein gleiches Gefühl, aber die Geschichte ist über eine vierte unbekannte Person.

Könnt ihr eure Gefühle am besten mit Musik ausdrücken?

Danny: Ja, und alles was mit Kunst zu tun hat. Das kann auch Malen sein. Es ist so eine Art Befreiung, wenn wir unsere Musik spielen. So ähnlich, wie wenn du deine Aggressionen an einem Boxsack auslässt. Zudem ist es schön zu sehen, wenn die Songs auch eine Befreiung für andere Leute sind.

Habt ihr jemals einen Song geschrieben, der zu persönlich war und ihr dachtet: Den können wir nicht vor Publikum spielen.

Danny: Nie! Es ist eher, das ist zu persönlich, nehmen wir es als nächste Single (alle lachen).

Im Song „We Cry“ singt ihr, dass wir alle zusammen weinen können. Was bringt euch zum Weinen?

Danny: Alles was mit der Familie zu tun hat.

Glen: Ich war immer schon ein Alpha-Mann was das angeht. Ich hatte nie Mühe, vor anderen zu weinen.

Mark: Wenn du willst weine ich gleich jetzt (fängt an ein weinerliches Gesicht zu machen).

Glen: Gib ihm schnell zwei Minuten (lacht).

Euer Video „Breakeven“ habt ihr in Dublin gedreht. Wie war es, eure Familien und Freunde um euch zu haben?

Glen: Grossartig. Dies war auch der Zeitpunkt, an dem ich realisierte, dass ich  Musik nicht nur für mich mache. Wir mussten viel in unsere Karriere investieren. Obwohl wir eine irische Band sind und bei einem UK-Label unter Vertrag stehen, kostet es eine Stange Geld, um ein Video in einem anderen Land zu drehen. Wir mussten unser Label also ein wenig dazu überreden. Doch es war schön, dass unsere Freunde und Familien uns einmal bei der Arbeit beobachten konnten. Als das Video fertig war und sie das Endprodukt sahen, wollten alle nur noch wissen, in welchem Teil des Clips sie vorkommen.

Mark: Meine Schwester war so aufgeregt, ob sie es überhaupt ins Video geschafft hat. Als sie es dann sah, wollte  sie nur wissen, wann sie auftaucht. Am Ende schrie sie dann: „Oh mein Gott, ich bin in einem The Script Video!“

Mögt ihr es, wenn ihr von Freunden und Familien bei der Arbeit beobachtet werdet, oder macht euch das nervös?

Danny: Nein, eigentlich nicht. Meine Familie hört unsere Songs meistens als Erste.

Glen: Ich glaube, ich weiss, was du meinst. Wenn du deine Familie um dich hast, bist einem gewissen Druck ausgesetzt. Du willst ja schliesslich gut sein.

Glen: Definitiv, vor allem bei Konzerten willst du sie besonders beeindrucken.

Der Titel „If you see kay“ ist eine Zeile aus dem Buch von James Joyce „Ulysses“. Vieles in euren Song bezieht sich auf Irland und Dublin. Inspiriert euch euer Heimatland?

Mark: Sagen wir es so, es hilft (grinst).

Danny: Darf ich noch kurz was sagen: Du bist die erste die das herausgefunden hat. Wir hören sonst immer nur: „If you see Kay“, dies ist der Song in welchem ihr „Fuck“ singt. (Anm.: Im Song hört sich „If you see Kay“ wie F.U.C.K. an)

Mark: Songschreiber im Allgemeinen texten über ihre Erfahrungen. Da wir in Dublin aufgewachsen sind, neigen wir dazu, unsere Erinnerungen aufzuschreiben. Wir verbrachten aber auch eine grosse Zeit unseres Lebens in Amerika und es kann gut sein, dass auch Eindrücke von dort in unsere Songs eingeflossen sind.

Zudem ist dieser Song der einzige, der nicht so ernst ist.

Danny: Stimmt, aber das wussten wir am Anfang noch nicht so wirklich. Uns war bewusst, dass es ein guter Song ist, doch als wir ihn immer wieder spielten, merkten wir, wie gut er beim Publikum ankommt. Alle sangen mit und hatten eine gute Zeit. Es ist eine gute Möglichkeit, einfach mal Pause zu machen während dem Konzert, weil jeder für dich den Text singt.

Was denkt ihr, wäre mit euch passiert, wenn ihr nicht Musiker geworden wärt?

Mark: Ich wäre wahrscheinlich ein schlauer Krimineller.

Danny: Ich würde im Business meines Vaters arbeiten.

Glen: Ich würde immer noch versuchen, mit Musik mein Geld zu verdienen.

Ich gebe euch nun die Stichworte. Sagt mir bitte was euch spontan dazu einfällt: Guiness-Bier?

Mark: Ich bin der Botschafter von Guiness-Bier. Ich wuchs gerade neben der Fabrik auf. Um dieses Bier zu probieren, musst du in Dublin sein und die Brauerei sehen. Das beste Bier in der ganzen Welt!

Übrigens ist die Strasse neben der Brauerei die James-Street, die Strasse welche im Song „We cry“ vorkommt.

Yorkshire Tea?

Mark: Der beste Tee auf der ganzen Welt.

Danny: Wir sind besessen von Tee. Wir haben etwa 1000 Teebeutel in unserem Tourbus. Vorhin habe ich kurz Nachschub geholt, etwa zwanzig Beutel. Das sollte reichen für die nächsten paar Minuten.

Mytown?

Mark: Fantastische Band mit unglaublichen Songs. Danny und ich waren Teil davon als Jugendliche. Aber wir waren in so vielen verschiedenen Bands. Und es ist komisch, dass nur ein Teil von all diesen grossartigen Bands den Sprung ins Rampenlicht geschafft hat. Mytown ist eine davon.

Seid ihr auf der Bühne andere Personen als im „normalen Leben“?

Danny: Ich glaube, du wirst einen Schock haben heute Abend. Ich bin eine sehr ruhige Person und ich denke, das sind wir alle. Und jetzt muss ich nicht Hunderte von Leuten begeistern.

Glen: Du gehst einfach auf die Bühne und hoffst, dass dich die Emotionen packen und du dein bestes geben kannst. Wenn du vor dem Konzert alle schreien hörst, denkst du einfach: Ich hoffe alles kommt gut.

Was muss man über „The Script“ noch wissen?

Mark: Wie wir aussehen!

Danny: Jeder kennt unseren Namen und die Songs, aber wenn du sie fragst „Wer ist das?“, bekommst du nur „Keine Ahnung“ zu hören.

Mark: Wir wollen eine Kampagne starten, um jedem zu zeigen, wie wir aussehen.

Wettbewerb


Tink.ch verlost zwei signierte Exemplare des aktuellen Script-Albums. Für die Wettberbsteilnahme sende eine Mail unter Angabe Deiner Postadresse an: tatjana.rueegsegger@tink.ch

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