Kultur | 09.03.2009

Von guten und bösen Mädchen und einer Leiche

Zum 1459.Geburtstag des Heiligen Gallus widmet ihm das Gymnasium Friedberg in Gossau ein eigenes Musical! Wenige Tage vor der Premiere spricht Tink.ch mit Autor und Regisseur Lukas Krejci sowie mit Gallus-Darsteller Marco Schmid über Nerven, Zeitmanagement und über gute und böse Mädchen.
Gall begegnet dem Bären.
Bild: friedberg.ch Lukas Krejci verspricht dem Zuschauer Liebe, Leidenschaft und eine Leiche. Lukas Krejci

„Gall!“ steht wenige Tage vor der Premiere! Läuft alles nach Plan?

Lukas Krejci: Ich kann mich nicht beklagen: Ich habe den Weg in den Fürstenlandsaal gefunden. Die Beine der Tänzerinnen sind noch ganz. Und der Hauptdarsteller hat seine Stimme wieder.

 

Bislang gelangten nur selten Mönche auf die Musicalbühne. Warum fällt ausgerechnet Gallus diese Ehre zu?

Gall’s Leben ist sehr aufregend. Angefangen bei seiner Überfahrt von Irland auf den Kontinent bis zu seiner Begegnung mit einem wilden Bären an der Steinach. Er wird durch den politischen Strudel wirrer Zeiten fortgerissen und ans Bodenseeufer gespült. Hier zieht er dann konsequent sein Ding durch. Sein Leben ist ein Abenteuer und aus solchen spannenden Stoffen sind Musicals gemacht.

 

„Gall!“ beruht zwar auf historischen Tatsachen, hat aber gleichfalls einen künstlerischen Anspruch. Man munkelt, es gäbe sogar eine Lovestory um den Heiligen! Wo befindet sich Ihr Musical zwischen geschichtlicher Realität und Fiktion?

Klar wird geliebt in „Gall!“. Wer mit wem verrate ich hier allerdings nicht. Nur soviel: Es gibt in diesem Musical gute und böse Mädchen. Und eine Leiche obendrein. Und die ist genauso wenig erfunden wie die Mädchen! Ich bin bei meinen Recherchen darauf gestossen. Die spärlichen Quellen über Gallus beruhen ja weitgehend auf Legendenbildung. Ich habe versucht, sie in den politischen Kontext der damaligen Zeit einzubetten und auch die Hintergründe aufzuzeigen, die einen Einfluss auf das Handeln der Titelfigur hatten. Allerdings war ich damals ja nicht dabei und kann nicht garantieren, dass alles so war, wie wir es zeigen. Ich bin auch nicht sicher, ob alle so gut singen und tanzen konnten.

 

„Geschichten über Leute, die seit über eintausend Jahren tot sind, interessieren doch sowieso keinen mehr!“ – Wie würden Sie diesem Vorwurf begegnen?

Stimmt. Julius Caesar und Tutenchamun interessieren keine Sau. Allerdings verbindet uns mehr mit ihnen, als man denkt. Man muss die Toten, die man ausgräbt, nur genau untersuchen. Ich denke an die Leidenschaften, die Ängste und Wünsche dieser Menschen. Dann fangen sie wie von selbst wieder an zu atmen und wir können uns mit ihnen identifizieren.

 

Wie fanden Sie neben Familie und Ihrer Arbeit als Gymilehrer noch die Zeit, ein ganzes Musical zu schreiben?

Die besten Einfälle kamen mir nachts, wenn alle schliefen. Weiter war unser Autoradio kaputt, da mein zweijähriger Sohn die Parkmünzen in den CD-Schlitz gesteckt hatte. So konnte ich gezwungenermassen ungestört auf meinem Arbeitsweg viel nachdenken. Ausserdem dreht sich in der ganzen Familie seit einiger Zeit sowieso alles um „Gall!“: Mein Sohn lallt das Finale. Meine vierjährige Tochter hat sich angeboten, den Bären zu spielen, doch leider ist ihr das Kostüm zu gross. Meine Frau schliesslich hat die Co-Regie des Stückes übernommen.

 

Die Rollen des Musicals sind durch Schülerinnen und Schüler des Gymnasiums Friedberg besetzt. Wird diesen nicht etwas viel zugemutet?

Die grösste Zumutung war, dass sie so lange auf den Text warten mussten. Da das Ensemble aber vor Abschluss des Librettos zusammengesetzt worden war, konnte ich die Rollen den Schülerinnen und Schülern anpassen. Die Rolle von Gall ist also beispielsweise schon während ihrer Entstehung vor meinem inneren Auge mit den Zügen von Marco Schmid versehen worden. Das war meiner Ansicht nach ein Vorteil.

 

Marco, die Premiere von „Gall!“ steht vor der Tür – mit dir in der Hauptrolle! Nervös?

Marco Schmid: Naja, von Nervosität kann eigentlich noch nicht die Rede sein. Das kommt dann erst in den letzten Tagen bis Stunden vor dem Tag X. Auch lässt momentan der Stress, da ja die Schule nebenbei auch noch zu bewältigen ist, gar keine Zeit für Nervosität.

 

Gallus war ein irischer Mönch aus dem Frühmittelalter. Fiel es Dir nicht schwer, dich in Gallus hineinzuversetzen?

Erstaunlicherweise war es nicht all zu schwer. Ein Hauptgrund dafür könnte vor allem sein, dass Lukas Krejci die Rolle und überhaupt das ganze Stück eigentlich sehr modern und unserer Zeit entsprechend ausgelegt hat. Der Gallus auf der Bühne wird kaum vergleichbar sein mit der Person, die wir von Gemälden und Stichen her kennen. Er wird jugendlicher und lebendiger sein.

 

Die Tink.ch-Leser wollen es genau wissen: Was läuft da zwischen Gallus und Fridiburga?

Also Gallus und Fridiburga kommen sich eigentlich nicht all zu nahe. Interessant wird es allerdings mit ein paar heidnischen Mädchen aus der Region Bregenz. Aber Gallus ist sich seiner Mission natürlich bewusst und kann dementsprechend reagieren.

 

Du stehst kurz vor der Matura am Gymnasium Friedberg. Solltest du deine Freizeit nicht besser mit Lernen verbringen, anstatt für ein Musical zu proben?

Wie gesagt: Natürlich merkt man die zusätzlichen Probeneinheiten. Denn vor allem gegen die Premiere hin werden diese natürlich zeitintensiver. Aber ich versuche diese Zeit als Ausgleich zu nutzen, der ja lerntechnisch gesehen sehr positive Aspekte hat.

 

Was war für dich persönlich die Motivation, an einem solchen Projekt teilzunehmen?

Erstens ist es sicher einmal das „Auf-der-Bühne-Stehen“ an sich, was mich schon lange Zeit immer gereizt hat. Das Musical ist eine Chance, eine Erfahrung, die ich so schnell nicht wieder bekommen werde. Ausserdem empfinde ich die Geschichte des Gallus in unserer Zeit als sehr wertvoll, bringt sie uns doch wieder gewisse Werte bei, die wir heutzutage oft schnell vergessen.

 

Infos


Die Handlung

Der irische Abt Columban macht sich mit 12 jungen Mönchen, darunter auch Gall (Gallus), auf die abenteuerliche Reise ins Frankenreich. Hier stossen sie auf die machtgierige Königin Brunhilde, welche die Gottesmänner für ihre politischen Machenschaften missbrauchen will. Wegen Columbans kompromissloser Haltung werden die Iren vertrieben und reisen flussaufwärts an den Bodensee, wo sie unter den Schutz des Herzogs Kunze geraten. In Bregenz begegnen die Mönche den Alemannen, die in düsteren Ritualen ihren Göttern opfern. Erneut kommt es zum Eklat zwischen den Mönchen und den Ansässigen. Wieder wird ihnen die Schutzherrschaft gekündigt.

Der Weg führt nun nach Italien. Gall wird aber krank und zieht sich in den Arboner Forst zurück, wo er an der Steinach seine legendäre Begegnung mit dem Bären hat.

 

 

 

 

 

 

 

Aufführrungstermine

Sonntag, 15. März, 17.00 Uhr

Montag,  16. März, 20.00 Uhr

Samstag, 21. März, 20.00 Uhr

Sonntag, 22. März, 17.00 Uhr

Montag, 23. März, 20.00 Uhr

Dienstag, 24. März, 20.00 Uhr

 

 

 

 

 

 

 

Aufführungsort

Fürstenlandsaal

Bahnhofstrasse 29

9200 Gossau SG

 

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