Kultur | 29.03.2009

Viren, Nonnen, Superhelden

Wenn Nonnen Kriminelle erschiessen, Superhelden sich Gedanken machen über die Zubereitung von Würsten und Viren zur Inkubation der Welt führen, befindet man sich inmitten des Comic-Festivals Fumetto 2009 in Luzern. Tink.ch war dabei.
Wegweiser zur Höhle der Heroes, Fotos: Manuela Zeiter, Mario Caviezel Die "Killernonne" von Mark Newgarden, Von Viren befallenes Comic-Werk

Vom Virenbefall in all seinen Auswirkungen sprach eine Vielfalt von Comics in der Wettbewerbs-Ausstellung des diesjährigen Fumettos. Teilnehmende aus über 30 Ländern sahen die Befassung mit dieser Thematik als veritables Sprungbrett, um sich dem internationalen Vergleich zu stellen und sich einer breiten Öffentlichkeit präsentieren zu können. Ziel war es,  das Thema „Virus“  zu reflektieren und sich in kreativer Form dazu zu äussern. Eine breite Palette von Kreativitäten rund um Viren entstand: von der Inkubation der Erde zu personifizierten Virenfigürlichkeiten bis hin zu gefährlichsten Virenattacken oder verdunkelten Horrorvirengeschichten. Gefährliche Viren-Tiere, kindlich-süsse Virenorganismen, abstrakte von Viren befallene Landschaften und skurile Teufelviren umkreisten die vorgegebne Thematik. Inwiefern diese Teilnehmenden selber von einem bestimmten Virus, das ein Comic-Fieber auslösen kann, befallen sind, darüber entschied die Jury.

 

(Nicht) lustig

Skurril, makaber, humoristisch: Auf diese Formel könnte man die zeichnerischen Darbietungen des US-Künstlers Mark Newgarden in dessen Ausstellung „Was ist lustig“ zusammenfassen. Absonderlich anmutend ist die Tatsache, dass entgegen jeder Vorstellungskraft und Gewohnheit eine kühlwirkende Nonne den Mittelpunkt der Geschehnisse bildet. Makaber sind die unvorsehbaren Wendungen in der Mimik und Gestik der Protagonistin, die erst zum Vorschein treten, wenn die Betrachter aufgrund der fortgeschrittenen Situation nicht mehr mit einem emotionalen Ausdruck rechnen. So wird die Nonne in einem subtil dargestellten Rotlichtmilieu von einem Mann mit einer Handfeuerwaffe bedroht. Die wenig zierlich wirkende Dame lässt sich jedoch nicht aus der Fassung bringen. Der Dieb lässt nach, dreht sich um und wird auf dem letzten Bild der Serie von der Nonne von hinten erschossen. Hier zeigt der mit Tod und Vergänglichkeit scherzende Teil all seine schwarz angepinselten Facetten und belässt es dem Leser zu entscheiden, ob es (nicht) lustig ist.

 

Superhelden der Neuzeit

Die überall in der Luzerner Altstadt  montierten Wegweiser zeigen den direkten Weg in eine Höhle der Heroes, in welcher sich Superman und seine schrägen, bunten und mit viel Watte gestopften Heldenkumpels rüsteten für eine erfolgreiche Heldentat. Superman überdachte alles bis ins kleinste Detail und vergass dabei nicht akribisch zu notieren, was man für die Zubereitung von Würsten gebraucht. Aus der Wunderhöhle, eingehüllt in volle luftige Wolken, erschienen undefinierbare, lebendige Fantasiegestalten. Auch das Spiderman-Baby wimmert um Aufmerksamkeit, aus jedem Wandwinkel erscheinen abstrahierte, bunte Gestalten, die darauf warten, entdeckt zu werden. Die Bühne im Innern der Höhle lud ein, heldenhafte Hörerlebnisse zu bieten. Es stellt sich die Frage, inwiefern die Superhelden die Bühne rocken würden, beziehungswiese, ob sie ihre übermenschlichen Fertigkeiten einem breiten Publikum darbieten möchten.

 

Wer die Spuren kreativer Viren verfolgen und sich auf Comic-Helden jeglicher Art einlassen möchte, ist noch bis am 5. April 2009 in Luzern genau richtig. Startgast ist dieses Jahr der britische Künstler David Shrigley. Das vielfältige Programm des Comic-Festival Fumetto 2009 kann unter www.fumetto.ch studiert werden.