Gesellschaft | 30.03.2009

Viel Arbeit, diese Selbsterschaffung

Text von Mitzu | Bilder von Michael Baumann
Trotz dem allgegenwärtigen Trubel in Mitzus Leben findet er Zeit, auch andere Menschen glücklicher zu machen. Und das mit eurer Mithilfe! Wie das genau funktioniert, ist weiter unten beschrieben.
Der eine in London, der andere in Solothurn: Baba und Mitzu.
Bild: Michael Baumann

Solothurn, 28. März 2009

Lieber B,

Schön und traurig, der letzte Brief deines Grossvaters. Schön, weil man sich ihm wirklich nahe fühlen kann, auch wenn man ihn nicht gekannt hat, sind seine Gedanken in seinem alten Kopf nachvollziehbar, was eigentlich erstaunlich ist, da dieser Mann eine sich immer schneller drehende Welt miterlebt hat.

Und traurig, weil ein jeder von uns am Tor zum nächsten Level alleine ist, und sich nur noch vor sich zu verantworten hat. Dieser Moment ist uns Jungbolden noch so fern und doch spüren wir manchmal seine fremden und unerklärlichen Strahlen auf uns, wie wenn jemand uns von hinten anschaut und man es nur instinktiv spürt.

Ich bin froh am Leben zu sein, und das sich meine Welt immer mehr klärt von unwichtigem Lärm, ich erschaffe mich gerade selbst und halte mich an mir selber und an den Menschen die ich liebe. Dies Alles aufzugeben im Alter und sich nicht mehr zu erinnern an den grössten Teil unseres Lebens und die Welt in der man noch lebt einfach nicht mehr zu verstehen muss alte Menschen Schmerzen.  Niemanden zu haben, der einem zuhört, weil all diese jungen Menschen so wahnsinnig viel zu tun haben mit ihrer Selbsterschaffung.

Ich habe gerade beschlossen trotz all dem Trubel in meinem Leben, meiner Grossmutter, die ich immer noch wöchentlich sehe, aber mir eigentlich einfach zu wenig Zeit für sie nehme, eine Email zu schreiben. Weil, wenn ich ihren Laptop ausleihen darf, sie mich aber jedes Mal auffordert, mit ihr zu schauen, ob sie eine Nachricht erhalten hat. Und noch nie hatte sie eine drin. Und alle Verwandten haben ihre Emailadresse. Und niemand schreibt. Nicht Mal: „Hallo Elisabeth, wie geht es dir, mir geht es gut. Bis bald, dein…….“.

Also wenn ihr da draussen ihr eine Email schreiben wollt durch den ewigen Strom der Zeit und vielleicht auch ein Foti schicken wollt, schickt`s an mich, ich leite es dann weiter (E-Mail-Adresse oben beim Autoren-Namen). Vielen dank.

Wie du weisst bin ich gerade daran, mich selbständig zu machen. Als Handwerker. Gibt mir genug zu tun, um nicht mehr in schnöde Discotheken zu müssen, oder aus Langeweile irgendwas zu tun. Und da ist mir heute ein schöner Satz in den Sinn gekommen, den ich mit dir teilen möchte:

Wieso Freizeit, wenn ich Freiheit haben kann?!

Es gibt so vieles, was ich dir erzählen möchte. Aber vielleicht lass ich es auch bleiben. Denn jeder lebt sein eigenes Leben. Und Verständnis ist schwer zu finden. Ich glaube, dass ist auch der Grund, wieso die Leute erwachsen werden wollen. Damit sie nicht mehr soviel miteinander sprechen müssen.

Bis zum nächsten Mal

Everywhere you go, I go, Amigo