Kultur | 23.03.2009

Verloren in der Zeit

Text von Lena Tichy
Ein Stück, so trostlos, dass es schon wieder zum Lachen ist: Samuel Becketts "Endgame" kommt vom 2. bis 4. April in Bern auf die Bühne.
Aus der Zeit gefallen: Nell und Nagg (vorne) und Clov und Hamm. Fotos: Hannah Newberry Das Ensemble: Cloé Coendoz, David Schönthal, Simon Hicks, Björn Messerli, Fabian Felder.

Warum ausgerechnet absurdes Theater? Diese Fragen haben sich die Schauspielerinnen und Schauspieler der Universität Bern sicher einige Male gestellt, als sie begannen, Samuel Becketts („Warten auf Godot“) Stück „Endgame“ zu proben. Die Englisch-Studenten David Schönthal und Björn Messerli, die beiden Initianten des Theaterprojekts, entdeckten das Stück bereits vor über einem Jahr und waren sich bald sicher, dass sie es gemeinsam in Bern auf die Bühne bringen wollen. Mit dem ehemaligen Englisch-Dozenten Simon Hicks fanden sie einen Regisseur, der nicht nur Beckett in- und auswendig kennt, sondern auch selbst jahrelange Erfahrung als Bühnenschauspieler hat.

Ein Blinder und sein Butler
„Endgame“ ist ein sogenanntes „One Act Play“, ein Stück mit nur einem Akt. Die Handlung spielt sich dabei in einem einzigen Raum fern von jeglicher Zeitrechung ab. Im Mittelpunkt stehen der blinde Hamm (gespielt von Björn Messerli) und sein hinkender Butler Clov (David Schönthal). Beide haben nichts als Verachtung füreinander übrig, doch trennen können sie sich nicht. Hamm, der im Rollstuhl sitzt, ist auf seinen Gehilfen angewiesen, und Clov, der so deformiert ist, dass er nicht sitzen kann, würde ohne seinen wohlhabenden Ziehvater verhungern. Gesellschaft bekommen die Beiden von Hamms toten Eltern, Nagg (Fabian Felder) und Nell (Cloé Coendoz), denen die Beine abhanden gekommen sind und die meistens schweigend in Abfalltonnen ausharren, zwei Geister, die nicht sterben können.

So trist diese Situation klingt, Becketts Dialoge sind zum Lachen und enthüllen die absurde Komik dieser hoffnungslosen Existenzen. Eine Tragikkomödie im besten Sinn also und ein Stück, das seit seiner Uraufführung 1956 keinen Staub angesetzt hat. Der 22-jährige Björn Messerli, der Beckett erst durch „Endgame“ wirklich kennen lernte, sagt dazu: „Wie alle grossen literarischen Werke werfen Becketts Dramen Fragen auf, die nicht beantwortet werden können und trotzdem immer da sein werden; Was ist ein Ende? Ist der Tod ein Ende? Bei Beckett wird unser Alltag auf humorvolle Art zelebriert und gleichzeitig hinterfragt. Man weiss dann nie so recht, ob man jetzt lachen oder irritiert sein soll. Das Publikum dermassen einzubeziehen, ist eine grosse Kunst.“

Dass das Stück von Anfang an im englischen Original geprobt wurde, stellte für die Beteiligten, die allesamt Englisch studieren, das kleinste Problem dar. Viel eher machten den Studenten Becketts absurde Dialoge zu schaffen: „Endgame“ enthält einige Szenen, die sich mehrmals wiederholen und dabei immer etwas anders enden. Eine Herausforderung nicht nur für die Theatergruppe, sondern auch für das Publikum. Wer es wagen will: Am Donnerstag 2. April feiert das Stück im Tojo Theater in der Reitschule Bern Premiere.

 

Wettbewerb und Infos


Tink.ch verlost für die drei Aufführungen von "Endgame" insgesamt 2×2 Tickets. Der Abend kann selbst gewählt werden. Wer gewinnen möchte, schreibt einfach bis zum Montag 29. März ein Mail an lena.tichy@tink.ch, mit Angabe von Vor- und Nachname und gewünschtem Abend.

Die Aufführungen finden am 2., 3. und 4. April im Tojotheater Reitschule Bern, Neubrückstrasse 8, statt. Das Stück wird originalgetreu in englischer Sprache aufgeführt. Beginn ist jeweils um 20.30 Uhr. Tickets können unter endgame2009@hotmail.com reserviert werden, Reservationen werden empfohlen. Die Preise sind Fr. 20.- und für Studenten Fr. 15.-


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