Kultur | 23.03.2009

Nix mit Sonnenschein

Text von Jessica Hefti | Bilder von Jessica Hefti
Ein zweites Mitglied der Mundartisten wandelt auf Solopfaden. Angst zu scheitern äussert er schon im ersten Track. Doch Chocolococolo hat dem Zuhörer genug zu bieten. Wenn auch düsteres.
Für schwierigere Lebensphasen: Musik von Chocolococolo.
Bild: Jessica Hefti

Chocolococolo. Ein Künstlername. Denkt ihr da auch an Kokosnuss, bunte Strohhalme, Sommer, Sonne und Schein? Doch dahinter verbirgt sich nicht der Ballermann, sondern ein MC, der eigentlich Hans-Jakob Mühlethaler heisst. Dann vielleicht doch lieber ein Pseudonym. Dabei wird es ihm nicht um Coolness gehen – sich anzupassen ist das Letzte was der Mundartrapper vorzuhaben scheint. Dies könnte eine Erklärung dafür sein, warum Mühletahler ganze 26 Tracks auf sein Debütalbum gepackt hat. Es ist das Erste, das beim neu gegründeten und hauseigenen Label Mundartisten Records erscheint. Chocolococolo wird damit zum Vorreiter für ein Sammelsurium von talentierten Musikern. Allesamt verbindet sie die Freude am Spiel mit unterschiedlichsten musikalischen Einflüssen. Nach dem Soundtrack zum emotionalen Dokumentarfilm „Chrigu“, der einem beim einen oder anderen Lied in den Sinn kommt, widmet sich auch Chocolococolo Tiefgründigem.


„S’Lebe isch e Walze“

Es geht um das System, ein kaputtes. Um die Liebe, eine verlorene. Um den Mensch, ein kranker. Doch will man sich von den Texten nicht deprimieren lassen, taucht man einfach in das Vakuum der Klänge ein. Hängt den Melodievorhang auf und erfreut sich an den verschiedenen Einflüssen. So etwa elektronische beim Track „Schwabel“, welcher zum Feiern auffordert. In „Gimmeareason“ sagt schon der Titel, dass der Reggae nicht weit weg haust. Und doch scheint auch hier nicht die Sonne durch. Er erzählt von einer kaputten Beziehung. Falls der Winter dieses Jahr noch etwas anhalten sollte, ist dieses Album sicher kein schlechter Kauf. Dazu passend könnte man sich einen schwarzen Wollschal stricken. Das erste Wollknäuel auf die Finanzkrise, das zweite zum Hören des Albums. Und ist nach 74 Minuten der letzte Ton verklungen, steht sicher schon bald der Frühling in der Tür.

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