Kultur | 31.03.2009

Indie und trotzdem nicht arm

The Mondrians und 7 Dollar Taxi - Zwei Schweizer Indiebands, die zeigen, dass kreatives und erfolgreiches Musikschaffen auch hierzulande möglich ist. Tink.ch besuchte das M4Music-Festival und hörte sich um.
The Mondrians bei ihrem Auftritt am Samstag 28. März im Schiffbau. Sie spielten direkt vor Franz Ferdinand... Fotos: M4Music ...die dann um 22 Uhr die Bühne betraten und für ein tanzendes Publikum sorgten. Das M4Music Festival wird jedes Jahr vom Migros-Kulturprozent organisiert mit dem Ziel, Künslterinnen und Künstler zu vernetzen. Zugleich werden Expertinnen und Experten aus dem Business eingeladen, die in Diskussionsrunden ihr Wissen weitergeben.

Ob das „M“ beim M4Music-Festival nun für Migros4Music, Music4Music oder Marathon4Music steht, ist eigentlich egal. Ganz sicher steht das „M“ nicht für Major Label. Denn Indiemusik wird an diesem Festival, das gleichzeitig auch eine Konferenz zum Thema Musik ist, gefördert, was das Zeug hält.

Was allerdings wirklich Indie ist, kann heute kaum noch definiert werden. Von der Philosophie zum Genre wechselte der Begriff oftmals Kategorie und Bedeutung. Die allgemeinste Definition wäre wohl die Folgende: Alles was nicht von einem Major Label produziert wird, ist Indie, denn es wurde „selbstständig“ gemacht. Der echte Indie-Sound starb vermutlich in den 90ern aus. Heute bestimmt eher die Musikrichtung, was Indie ist und viele der kleineren Labels arbeiten wie grosse Labels, nur einfach mit weniger Geld. Da könnte man sich wieder darum streiten ob nicht das genau der Punkt der ganzen Geschichte sei. Das ist aber vielleicht genau das Missverständnis: Independent zu sein heisst nicht, arm zu sein. Es geht vielmehr darum, sich Zeit für Kreativität zu nehmen und der Musik so eine Form zu geben, die nicht vorfabriziert ist. Der Weg ist unendlich und schwer, doch einmal gestartet, ist es wahrscheinlich die einzige Strasse, die richtige Musikerinnen und Musiker nehmen können.

Ganz verloren scheint die Indiewelt noch nicht zu sein. In unserem kleinen Land versucht sich eine neue Generation von Bands an dieser Philosophie. Nicht ganz ohne Ähnlichkeiten mit dem heutigen britischen Genre, aber mit beachtlichem Ehrgeiz: Eigene Musik, eigene Texte, eigene Produktion und vor allem viele Demos. Demos die in der Demotape Clinic des M4Music ein Zuhause gefunden haben. In den vier Kategorien „Pop“, „Urban“, „Rock“ (Gewinner: Christopher Christopher) und „Electronic“ (Gewinner: Kreis Zwei) wurden gestern wieder vier Preise vergeben. Einerseits wurde in jeder Kategorie der Suisa-Award verliehen, der den Gewinnern 2000 Franken einbringt. Zusätzlich kürte M4Music aus den vier Gewinnern das „Demo of the Year 2009“. Dieser Preis bringt der Siegerband weitere 2000 Franken an Bord.

So viele Hallen, so viele Möglichkeiten. Während in der Halle zwei des Schiffbaus in Zürich Diskussionen zur Demotape Clinic auf Hochtouren liefen, wurde im Moods ein spannendes Gespräch geführt mit dem Elektromusiker Señor Coconut. Der erste Tag der M4music-Festivals stand allerdings, trotz vieler spannender Anlässe, ganz im Zeichen von Franz Ferdinand, die am Abend im Schiffbau spielten. Doch auch die vielen Bands um die Schotten herum liessen sich sehen: So boten zum Beispiel 7 Dollar Taxi oder The Mondrians Schweizer Indie vom Feinsten. In den frühen Morgenstunden standen dann Elektro-Rocker wie die deutschen Kissogramm und die dänischen WhoMadeWho auf dem Programm und lieferten einen verschwitzten Abschluss des ersten Festivaltages.

Info:


Tink.ch war am Samstag den 28. März am M4Music-Festival dabei und führte Interviews mit The Mondrians, 7 Dollar Taxi, Kissogramm und WhoMadeWho. Die Gespräche werden in den nächsten Wochen auf Tink.ch erscheinen.

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