Kultur | 16.03.2009

„Ich würde gerne mal am Nordpol spielen“

Text von Laura Kissling | Bilder von Laura Kissling
Ihr Song "Irgendwas bleibt" stürmt momentan die Charts: Tink.ch hat Sängerin Stefanie Kloss und Gitarrist Thomas Stolle zum Interview über das neue Album "Nichts passiert" getroffen und konnte die Platte schon mal vorab hören.
Die Band komplett: Bassist Johannes Stolle, Sängerin Stefanie Kloss, Gitarrist Thomas Stolle und Schlagzeuger Andreas Nowak (v.l.n.r.) Fotos: Olaf Heine/ silbermond.de Silbermond wurden schon mehrmals als beste Liveband ausgezeichnet. Thomas Stolle und Stefanie Kloss mit Tink.ch-Reporterin Laura Kissling (Mitte).
Bild: Laura Kissling

Seid ihr schon nervös, wenn nächste Woche euer drittes Album in die Läden kommt?
Stefanie: Auf jeden Fall, vor allem weil wir bereits so in den Tourvorbereitungen stecken, dass wir gar nicht realisiert haben, dass nächste Woche ja schon all unsere Fans das Album Zuhause haben können. Wir haben vor ein paar Tagen die ersten Exemplare erhalten und zum allerersten Mal das fertige Resultat gesehen. Es ist unglaublich schön, das Ganze fertig gedruckt anzusehen, was wir uns alles überlegt haben für das Booklet, die ganzen kleinen Streifen, Farben, Fotos und Texte. Für uns ist das wahnsinnig eindrücklich und wir werden nächsten Freitag vermutlich richtig nervös dasitzen und darauf warten, dass die ersten Reaktionen kommen.

Euer neustes Werk erscheint ja auch in limitierter Auflage auf Vinyl. Was hat euch daran gereizt und was denkt Ihr ist der Grund, dass Schallplatten wieder im Trend liegen?
Thomas: Ich denke in einer Zeit, in der fast alles digitalisiert ist, gibt es immer noch Leute, die eben genau das Gegenteil wieder möchten, nämlich was in der Hand haben und da ist eine Vinyl natürlich genau richtig. Unser Schlagzeuger Andreas war in dieser Angelegenheit sozusagen die treibende Kraft, denn er hat sich vor ungefähr eineinhalb Jahren einen Plattenspieler gekauft und angefangen diverse Alben als Vinyls zu sammeln. Wenn wir bei ihm Zuhause waren, hat er diese dann jeweils aufgelegt und ganz stolz präsentiert. Wir selber gehören ja auch nicht mehr zur Generation die das komplett mitbekommen hat. Als dann der Vorschlag kam, das neue Album auch als limitierte Vinyl Edition rauszubringen, fanden wir das alle eine coole Idee und dachten uns klar, machen wir! Erst gestern haben wir das erste Exemplar erhalten, und es ist ein ganz anderes Erlebnis so eine grosse Platte in der Hand zu halten. Es ist nur schade, dass diese Technik im digitalen Zeitalter so untergeht.

Welcher Song auf der neuen CD hat euch am meisten Kopfzerbrechen oder schlaflose Nächte gebracht?

Stefanie: (lacht) Alle! Wie man in unseren Podcasts auf www.silbermond.de verfolgen konnte, war die Zeit im Studio alles andere als einfach. Als es endlich ins Rollen kam und die Ideen da waren, hat es natürlich unglaublich Spass gemacht, Anfangs jedoch war es wirklich nicht einfach. Jeder Song hat seine eigene Geschichte und es ist momentan auch nicht möglich einen auszusuchen der einem besonders wichtig ist. Für uns ist dieses Mal das Album ein Gesamtkunstwerk und wir möchten daraus keinen Song speziell hervorheben. Ich denke, man hört dem Album an, dass das Thema Mut und Zuversicht sehr wichtig ist und gerade der erste Song „Alles Gute“ ist ein Lied, welches relativ früh fertig geworden ist. In der Anfangszeit wo alles noch sehr schleppend lief war das ein Song der uns die ganze Zeit so nebenbei zugeflüstert hat „Hey, das Album wird schon fertig werden! Das wird schon gut werden!“. Bei diesem Song hat es unglaublich Spass gemacht, im Proberaum zu jammen. Wir haben von Anfang an gewusst, dass die Melodie absolut cool ist, doch gerade durch diese positive Stimmung war es nicht einfach, einen passenden Songtext dazu zu schreiben. Als wir das geschafft hatten, wussten wir jetzt kann es weitergehen, die erste Hürde ist geschafft.

Gibt es denn ein Lied das unglaublich Spass gemacht hat beim Einspielen?
Thomas:  Ja, „Weg für immer“, weil es für diesen Song unglaublich viele Versionen gab. Wir haben bei diesem Lied vermutlich etwas übertrieben mit unserer Experimentierfreudigkeit welche bei diesem Album ja schon sehr prägend war. Wir hatten einfach unglaublich Freude daran, herumzuprobieren ohne uns dabei selber zu verlieren oder uns selber untreu zu werden. Wir wollten einfach Silbermond bleiben, aber trotzdem immer um die Ecke denken. Dadurch sind Songs entstanden die man auf den ersten beiden Alben so vermutlich nicht gehört hätte. Deswegen fällt mir da das Lied „Weg für immer“ ein. Wir haben so viel  herum-experimentiert, haben auf komischen Papierkörben herumgetrommelt – und hatten so natürlich auch ganz schön viel Spass. Es gibt davon einige Videotapes – mal sehen ob wir diese vielleicht mal hervorkramen werden.

Auf euerm neuen Album finden sich ja auch Songs in Kooperation mit anderen Künstlern. Gibt es da jemanden der bei euch besonders viel Eindruck hinterlassen hat und Ihr euch freuen würdet mit ihm auf Tour zu gehen?
Stefanie: Sowohl Jan Delay als auch Xavier Naidoo hinterlassen natürlich sehr viel Eindruck! (lacht) Xavier zum Beispiel ist ein Künstler durch und durch und er hat unglaublich viel Kreativität in sich. Als wir ihn vor etwa 2 Jahren zum jammen in unseren Proberaum eingeladen haben, hat er uns sofort eine Zusage gegeben. Als er reinkam hat er uns begrüsst und gleich gemeint er hätte da so ein paar Songideen mitgebracht – ungefähr 10 Stück. Wir sassen an diesem Tag bis circa drei Uhr morgens im Proberaum und haben gejammt. Xavier hat dabei innerhalb von ein paar Minuten ganze Strophen geschrieben wofür wir manchmal Wochen gebraucht haben – das war für uns schon sehr faszinierend. Jan Delay hingegen hat einen unglaublichen Humor den man gar nicht beschreiben kann und es macht sehr viel Spass sich mit ihm zu unterhalten. Ich habe Jan Delay vor allem durch unsere Zusammenarbeit mit Udo Lindenberg kennengelernt. Bei dem Lied „Nicht mein Problem“ war Thomas von Anfang an der Meinung, dass nur Jan Delay diesen Song singen kann. Obwohl er gerade an seinem eigenen Album arbeitete, hat er sich dann unser Demo angehört und war sofort begeistert. Durch seine musikalische Vorliebe für Blasinstrumente hat er diesen Song dann so speziell gemacht, dass wir inzwischen unglaublich froh sind, dass dieses Lied fertig geworden ist und den Weg auf das Album geschafft hat. Mit einem dieser beiden Künstlern auf Tour zu gehen wäre bestimmt lustig und vor allem auch sehr spannend.

Wie viele Songs entstehen bei so einer Album-Produktion die am Ende wieder verworfen werden?
Thomas: (lacht) 50 Millionen!
Stefanie: (lacht) Also bei diesem Album waren es auf jeden Fall so viele wie noch nie. Das Hauptthema dieser Produktion war sowieso „Nichts ist gut genug!“. Wir sind grundsätzlich sehr selbstkritisch und haben noch nie so viele Songs geschrieben wie für diese Platte; und auch noch nie so viele verworfen. Ich würde schätzen es waren so 40-50 Songideen oder Melodien wo wir einfach keinen Text dazu gefunden haben weil vielleicht die Inspiration fehlte. Auf der anderen Seite können wir nun sagen „Hey cool wir haben schon total viele Ideen für das nächste Album“. Manchmal merkt man auch, dass gewisse Songs einfach noch ein bisschen liegengelassen werden müssen. Songs wo man vielleicht drei Monate versucht hat einen Text darauf zu schreiben und man zum Beispiel an einer bestimmten Stelle einfach nicht weitergekommen ist.
Thomas: Das ist wie mit gutem Käse (lacht)
Stefanie: Ja wie guter Käse, der muss auch eine Weile liegen. Deswegen haben wir jetzt schon umso mehr Textfragmente oder Melodien für das nächste Album.

Worauf bezieht sich die Aussage „Tanz aus der Reihe“? Geht das in Richtung Anderssein im Alltag – sozusagen der Ausbruch aus der Gesellschaft?
Thomas: Ja, auch! „Tanz aus der Reihe“ tanzt ja buchstäblich aus der Reihe, musikalisch und textlich natürlich auch ein bisschen. Ja dieser Song soll ein wenig das Anderssein thematisieren. Ich persönlich steh auf Leute die aus der Reihe tanzen. Ich bin vielleicht selber nicht so dieser Typ, aber ich mag Leute die nicht so sind wie alle anderen. Leute die irgendwas ganz Spezielles an sich haben. Das kann man auf jeden Fall in den Song hinein interpretieren – deswegen „Tanz aus der Reihe“.
Stefanie: Ich glaube, dass jeder Mensch etwas Spezielles an sich hat, keiner ist wie der Andere. Aber manchmal sagt man vielleicht diese Person hat etwas Besonderes, und du kannst dich auch ruhig mal trauen, dieses spezielle Talent oder Eigenschaft nach Aussen zu kehren. Mach ruhig mal einen Schritt zur Seite wenn alle Anderen einfach in der Mitte stehen. Geh mal ein Stück nach links, geh mal ein Stück nach rechts, und tanz einfach auch mal aus der Reihe. Es ist vielleicht auch einfach ein Appell zu sagen: „Auch wenn ich morgen einen wichtigen Termin habe und früh aufstehen muss, ich habe heute Abend die Gelegenheit einen wichtigen Menschen zu treffen und diese Chance kriege ich vielleicht in fünf Jahren nicht wieder.“ Tu es lieber bevor du diese Möglichkeit irgendwann verpasst.

Wenn ihr selber frei wählen könntet, wo auf der Welt würdet ihr gerne auftreten?
Stefanie: (überlegt lange) Also ich find ja London ganz toll! Ich glaube das ist so eine Spielstätte wo schon so viele Künstler gespielt haben. Ja das fände ich glaub ich richtig interessant.
Thomas:  Ich würde gerne mal am Nord- oder Südpol auftreten.
Stefanie: (lacht) Na dann, viel Spaß!
Thomas: Ich würde gerne einfach sehen wie das so ist und wer da zum Konzert kommen würde. Eskimos vielleicht? Oder Eisbären – Knut kommt vorbei!

Ihr wohnt ja in Berlin, dieser Weltstadt. Wenn ihr etwas aus der Schweiz mitnehmen könntet, was wäre das?
Thomas:    (lacht) Ein Käsefondue-Set! Nicht weil es ein Klischee ist, sondern weil es zwar schon für die Schweiz steht, aber auch einfach richtig gut schmeckt!
Stefanie: Ich würde ein Stück Herzlichkeit oder ein Stück Natur mitnehmen! Gerade in so einer Großstadt ist es natürlich so, dass die Natur schon ein bisschen fehlt und das habt ihr hier ja. Ihr habt die Berge, ihr habt schöne Seen, ihr habt irgendwie alles, es ist einfach alles da! (lacht laut) Ein Stück der gesammelten Werke der Schweizer Natur mit nach Berlin – das fände ich super!

Ihr habt ja inzwischen ganz vielfältige Konzerte gespielt. Von kleinen Clubs bis zu grossen Openair- Festivals. Welche machen davon am meisten Eindruck?
Thomas: Das ist wirklich schwer zu sagen. Als wir auf unserer ersten Tour das erste Mal in einem kleinen Club gespielt haben, war das unglaublich eindrücklich. Es waren so 400 Besucher und das Konzert war in Hamburg, in einer Stadt in wir teilweise noch nicht mal privat zu Besuch waren. Das war für uns riesig und ein grossartiges Konzert. Natürlich ist es auf der anderen Seite auch imposant, wenn 7000 Leute deine Songs mitsingen, das ist ein unbeschreibliches Gefühl!
Stefanie: Der große Unterschied zwischen Openair und Hallenkonzerten ist, dass bei den Open Airs vor allem die Masse wirkt. Wenn ich da an Konzerte wie „Rock am Ring“ oder „Live 8“ denke wirkten diese Massen natürlich unglaublich beeindruckend. Bei einem Hallenkonzert kommt grundsätzlich einfach mehr zurück vom Publikum. Wenn da zum Beispiel die ganze Halle „Das Beste“ mitsingt ist das natürlich was ganz Besonderes wo man genauso Gänsehaut bekommt wie wenn 20’000 Leute vor dir stehen.

Silbermond starten am 6. Mai ihre Tour durch Deutschland, Österreich und natürlich auch die Schweiz. Am 12. Mai machen sie dabei Halt in der Maag Event Hall in Zürich. Eine weitere Chance, um sich von den Qualitäten der mehrfach als „Beste Liveband“ ausgezeichneten Truppe zu überzeugen. Mehr Infos auf der offiziellen Website der Band.

Wettbewerb


Tink.ch verlost fünf mal eine Special-Edition Version des neuen Silbermond-Albums "Nichts passiert". Wer eine der CDs gewinnen will, kann einfach bis am Samstag 21. März ein Mail an laura.kissling@tink.ch schreiben. Vollständigen Namen und Postadresse nicht vergessen!

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