Sport | 29.03.2009

„Ich liebe es, die ganze Piste für mich allein zu haben“

Text von Jill Zimmerli
Cynthia Denzlers Leben dreht sich meistens ums Skifahren. Durch glückliche Umstände wird sie in einem Jahr für Kolumbien an den Olympischen Spielen teilnehmen können. Wie, das erzählte sie Tink.ch.
Mit viel Freude am Sport: Cynthia Denzler / Fotos: Jill Zimmerli Voller Einsatz bis zur Olympia

Seit sie zweieinhalb Jahre alt ist, fährt Cynthia Denzler Ski. Durch ihren Vater, der 30 Jahre lang der Cheftrainer der alpinen Studentenmannschaft war, hat sie sich schon früh für den Sport begeistern können. Gelernt hat sie das Fahren auf den zwei Brettern bei ihrem Grossvater in Davos. Von diesem Zeitpunkt an war sie dem Sport verfallen. „Am meisten gefällt mir, dass ich so frei bin. Ich liebe die Geschwindigkeit und das Gefühl, die ganze Piste für mich allein zu haben“, erklärt Cynthia. Ihre Eltern besitzen in Villars einen Skilift und einige Häuser. Dazu kommt noch ein weiteres Haus im kalifornischen Newport Beach. Im Sommer verbringt die Skifahrerin die meiste Zeit in Amerika. Für Trainings reist sie aber schon mal nach Italien oder Österreich, auf den Gletscher. Im Winter trainiert sie im Welschland und fährt diverse Rennen.

Neue Erfahrungen in Val d-˜Isère

Letztes Jahr wurde sie die erste kolumbianische Skirennfahrerin der Geschichte. „Zu dieser Ehre bin ich durch meinen Vater gekommen. Er besitzt in Kolumbien eine Jeansfabrik und dadurch hatte ich die Möglichkeit, die Staatsbürgerschaft zu erhalten. Mein Vater fragte damals das IOC von Kolumbien, ob sie Interesse an einer Fahrerin haben. So bin ich dazu gekommen.“ Durch die neue Situation beim kolumbianischen Skiteam hat sich einiges verändert.  Cynthia kann nun an World Cup und Europa Cup Rennen mitfahren. „Beim Training blieb aber alles beim Alten.“ Eine weitere Erfahrung hat sie an der Ski WM in Val d’Isere gemacht.  „Positiv war, dass ich mit all den Topfahrerinnen mitfahren konnte. Ich fühlte mich an diesem Tag wie ein Star. Es hat mich motiviert, für die Olympischen Spiele in Vancouver noch mehr zu trainieren als bis jetzt. Die Teilnahme ist ein Traum, der für mich in Erfüllung geht.“ Mit Ihren bald 26 Jahren ist sie schon sehr lange im winterlichen Rennsport dabei. Ihre Motivation komme von selbst. Es sei wie eine Droge für sie. „Klar gibt es Tage, an denen ich nicht aus den Federn komme, aber ich habe Vancouver als Ziel. Und danach habe ich vielleicht wieder ein wenig mehr Freizeit, als jetzt.“ Bis die Olympischen Spielen beginnen, ist noch etwa ein Jahr Zeit. Bis dahin will Cynthia noch an ihrem Fahrstil arbeiten. „Ich möchte aggressiver fahren und mehr kämpfen. So werde ich auch mehr FIS Punkte* holen können“.

Studium nebenbei

Trotz des grossen Zeitaufwandes für den Sport liegt Cynthia auch schulisch nicht auf der faulen Haut. An der California National University studiert sie per Fernstudium Business Administration. In einem Jahr macht sie ihren Abschluss. In der Zeit bis zur Olympiade heisst es: Trainieren, trainieren und nochmals trainieren. Tink.ch begleitet Cynthia auf ihrem Weg nach Vancouver und berichtet von ihren Höhen und Tiefen.

Info


*Erklärung FIS-Punkte: Das FIS-Punktesystem wird in fast allen, vom Internationalen Ski Verband (FIS) veranstalteten, Rennserien (wie z. B. Weltcup, Europacup oder Continental Cup) eingesetzt. Skisportler erhalten, je nach Platzierung in den einzelnen Wettbewerben, Punkte, welche im Laufe einer Saison addiert werden. Die Athleten mit den meisten Punkten am Ende einer Saison sind die Gesamtsieger.