Gesellschaft | 09.03.2009

Haarige Erfahrungen

Text von MZ | Bilder von Manuela Zeiter
Das Gefühl vor dem Besuch in einem bestimmten Salon kann in keinem Masse mit dem Befinden nach dem Verlieren dieser dünnen Körperfäden verglichen werden. Der Besuch eines bestimmten Salons kann jedoch eine Achterbahnfahrt von Gefühlen auslösen.
Das Spiegelbild kann auch trügerisch sein.
Bild: Manuela Zeiter

Der Termin ist festgelegt, obwohl bis zu diesem Telefongespräch Wochen vergangen sind. Tage, geprägt von Überlegungen, was mit dem länger und dichter gewordenen Kopfschmuck unternommen werden könnte. Der plötzliche Wandel kam beim Betrachten eines Magazins; genau diese Schnittvariante von dieser bestimmten, in die Kamera grinsenden Person soll imitiert werden. Ausgeschnitten und aufbewahrt in einer Handtasche, unternahm dieser Magazin-Ausschnitt diverse Zugsreisen. Der Tag ist gekommen; Gefühle von gespanntem Warten bis zu gleichgültigem Aufsichzukommen-Lassen wechseln sich ab. Plötzlich sitzt man auf einem bequemen Ledersessel, wird mit einem Drink bedient. Doch es fehlt noch die gekonnte Formulierung der gewünschten Schnitttechnik. Das gesammelte Foto erleichtert diesen Prozess.

 

Nach unbequemen Halsverenkungen und angenehmen Kopfmassagen müssen die einzelnen Fäden nur noch gebändigt werden. Zwischen scheinbar unkoordiniertem Geschnipsel versucht die Expertin die Konversation aufzunehmen; unbedeutsame oberflächliche Gespräche über ihr Fachgebiet und die Welt ergeben keine neuen Erkenntnisse. Der unscharfe Blick kann nur ein trügerisches Bild des Ergebnisses ergattern. Der Trocknungsvorgang verlangt nach der Anwendung diverser Instrumentenvariationen, die unterschiedliche Geräusche von sich geben. Schliesslich müssen noch unterschiedlichste Tuben, von welchen undefinierbare Düfte entweichen, entleert werden. Deren Inhalte sollen das Endprodukt in entsprechende Wallung bringen, jedoch verklebende Spuren möglichst vermeiden. Die lang ersehnte Begegnung mit dem Spiegelbild kann nicht mehr hinausgezögert werden. Die Gefühlskurve hat ihren Höhepunkt erreicht; Geldzurück-Garantie-Gedanken mischen sich unter die enttäuschte Stimmung. Ein Hoffnungsschimmer besteht noch: Vielleicht kann es doch nicht so schlimm sein wie die diesjährige Fastnachtsperücke. Der Überraschungseffekt ist gelungen, der Prozess des sich an das Spiegelbild-Gewöhnens wird jedoch noch länger dauern. Die freudige Spannung vor dem Besuch dieses Salons hat sich in ein in weite Vergangenheit schwindendes Befinden verwandelt.