Kultur | 16.03.2009

Expressionistischer Breakdance

Text von Ruzica Lazic
Tink.ch besuchte den Eröffnungsabend der Schweizer Jugendfilmtage 2009 und bekam Einiges zu hören und zu sehen.
Zum ersten Mal den eigenen Film auf einer riesigen Leinwand sehen: das ermöglichen die Schweizer Jugendfilmtage. Fotos: Ruzica Lazic und Andrea Gartmann Die Hora'Band bei ihrem Auftritt am Eröffnungsabend im Theater der Künste. Der gebärdensprachige Rolf Lanicca brachte dem Publikum den "Deaf Slam" näher. Die Schauspielerin Doro Müggler führte durch den Abend... und stellte unter anderem auch die Jury vor: Schauspielerin Sabina Schneebeli war ein Teil davon.

Die Premiere der 33. Jugendfilmtage lockte so viele Zuschauer an wie nie zuvor. Den Auftakt lieferte die Hora’Band, unter anderem bestehend aus einer Tastenphobikerin am Klavier und einer Dragqueen mit gottgegeben maskuliner Stimme, was im Publikum Erheiterung  auslöste. Nach diesem Programmpunkt stellte die Moderatorin Doro Müggler die Organisatoren des Festivals als auch die einzelnen Jurymitglieder vor. Vor Beginn des ersten Filmblocks gelang es dem gebärdensprachigen Rolf Lanicca mit seinem aus fliessender Gebärdensprache bestehendem Deaf Slam, das Publikum in seinen Bann zu ziehen. Lilly Khaler synchronisierte die Performance für alle jene, die der Gebärdensprache nicht mächtig waren.

Die Themenvorgabe „Respekt“ in der Kategorie B verleitete manche Teams zu Werken mit einem moralischen Beigeschmack, während andere Filme ein gut durchdachtes Drehbuch auszeichnete – so etwa die Beiträge von „.südwärts“ und „Respekt“ vom Schulhaus Seehalde. In den meisten Projekten liessen sich gute Ansätze entdecken. „Das Interview“ bestach durch einen pointierten Schnitt, „Over the Top“ knüpfte stark an die Ästhetik des Banlieuefilms an und im Musikclip „Respekt ist cool…fair…in!“ wussten die Primarschüler durch Rap und expressionistischen Breakdance zu vermitteln, was Respekt und Freundschaft für sie bedeuten. Filmprojekte aus dem Ticino und der Romandie bestätigten die landesweite Bedeutung des Jugendfilmfestivals. Was eventuell vielen Zuschauerinnen und Zuschauern verborgen blieb, war die ausgezeichnete Leistung Lilly Khalers: Sie übersetzte jeden Beitrag, selbst den in hoher Geschwindigkeit vorgetragenen und lyrisch anspruchsvollen Rap, für Lanicca simultan in die Gebärdensprache.

Das Publikum erkannte, dass der Reiz des Filmens oftmals weniger in der zukünftigen Filmkarriere liegt, als vielmehr in der Freude an der Zusammenarbeit. So oder so erhielten alle Filmbeteiligten lautstarke Unterstützung von ihren Klassenkameradinnen und Kameraden. Die Atmosphäre in der Pause war trotz alkoholfreiem Süssmost locker und angeheitert. Interessant für die Mitwirkenden war natürlich, dass sie die Rezeption ihres eigenen Beitrags im Vergleich zu anderen beobachten konnten. Schlussendlich waren alle gespannt auf die Vergabe des Publikumspreises. Dieser ging an „Respekt ist cool..fair…in!“, der sich die Auszeichnung mit seiner Choreographie und der sympathischen Umsetzung verdient hatte.

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