Kultur | 16.03.2009

Eintönigkeit pur

Wer betreut eigentlich die Lichtschaltung in der Strassenverkehrsampel? Ist doch klar; Erwin, das sympathische Wiesel. Erwins `rot-orange-grüne'-Leben ist bis auf die Sekunde vorprogrammiert und kennt bei einem Malheur kein Pardon - mit sonnigen Folgen.
Das Knet-Wiesel an seinem Arbeitsplatz,
Bild: Jugendfilmtage „Ich ging durch die Stadt Zürich und stellte mir die Frage, wer eigentlich die Ampeln einstellt:-œ Der Filmemacher Adrian Flückiger, Stefanie Pfändler

Tag ein, Tag aus immer der gleiche Rhythmus, immer dieselben disziplinierten Handbewegungen, die wie so oft nicht zu gesellschaftlichem Ruhm und Glanz verhelfen, sondern ohne Gründe einfach getan werden müssen. Erwin, das Wiesel, lebt in einer Strassenlampe und kennt einen solchen monotonen Tagesablauf. Er ist (un)bewusst dafür verantwortlich, die dreistöckige Strassenverkehrsampel im richtigen Augenblick in den richtigen Farben (rot-orange-rot) aufleuchten zu lassen. Dies bewältigt er mit grossem Geschick und Elan, denn schliesslich gilt es neben des systematischen Vollzugs der Vorgänge auch die eigenen Bedürfnisse zu decken; sei es das morgendliche Frischmachen oder  Frühstücken – alles ist in Erwins Leben automatisiert, alles passt sich dem zwangsläufigen Rhythmus an. Kaffee trinken da, Knopfdruck dort; Missgeschicke sind in einem zeitlichen Schaulaufen nicht erlaubt bzw. eingeplant.

O jerum?

Und so kommt es, wie es kommen muss; Erwin begeht aus Unachtsamkeit einen Fehltritt. Am Abend zuvor vergass das sympathische Wiesel die Kaffeetasse am gewohnten Ort zu verstauen. Erwin bemerkt seinen Fauxpas erst am Morgen danach, als er ohne nachzudenken  die Giesskanne unter die Kaffeemaschine platzieren möchte. So nimmt das Unglück seinen Lauf; Erwins geplanter Tagesablauf gerät völlig aus den Fugen. Er kann den Zusammenbruch des Geregelten trotz grossen Bemühungen, die Lichtampeln-Knöpfe noch im richtigen Moment zu betätigen, nicht vermeiden. Ein Fahrzeug prallt mit voller Wucht an die Ampel und zerstört das Glas der grünen Ampel. Erstaunlich bedeutet dieser Crash nicht Erwins Untergang, sondern vielmehr seine Befreiung aus den alltäglichen Zwängen.

Der Filmemacher, Adrian Flückiger, der ca. 5minütigen Animation „Signalis“ verweist mit seiner bis ins kleinste Detail gekneteten Strassenampel-Welt auf die Gefahren einer oft unbewussten alltäglichen Einöde. Erst in seinem Nachspann zeigt er die potenziellen Möglichkeiten eines besseren Tagesablaufs auf: Sonnenbad am sandigen Strand und an kleinen Schirmcocktails schlürfen – so wie es nun Erwin ungezwungen geniesst.