Kultur | 16.03.2009

„Die haben mich retuschiert“

«Mein Trailer wird überall gezeigt, das ist wirklich geil", freut sich Luc Gut. Der junge Filmemacher gewann vor zwei Jahren den Unica-Förderpreis und durfte für das Poster der diesjährigen Filmtage posieren.
Luc Gut - Unretouchiert!
Bild: Ruzica Lazic Lucs Gesicht, wie es auf etlichen Plakatwänden zu sehen ist. Poster: Schweizer Jugendfilmtage

Das Museum für Gestaltung steht in der Nähe des Limmatplatzes. Nicht weit davon entfernt befindet sich die Zürcher Hochschule der Künste. Und wiederum in der Nähe: Das schweizerische Äquivalent einer Fusion aus Drive-In und Milkshake-Bar, die Silberkugel. Drinnen sitzt Luc Gut im erlaubten Aufenthaltsbereich, seine blaue Daunenjacke weggestopft, dass sie im Gespräch nicht stört. Wer Guts Gesicht nur vom Poster des diesjährigen Schweizer Jugendfilmfestivals kennt, würde ihn nicht gleich wiedererkennen. Mit seinem Poster kann er sich sowieso nicht ganz anfreunden. „Hast du das gesehen? Die haben mich retuschiert. Pickel weggemacht und so“, erzählt er. Wir starren an die Decke und entdecken multiple Ausgaben von Luc im A3 Format.

Gut war jedoch nicht nur auf dem Poster der Jugendfilmtage zu sehen, sondern produzierte auch den diesjährigen Trailer, in welchem Stefano Benini als digital verfremdeter Guru in eine Kugel blickt und nebst billigen Blitzeffekten auch die Zukunft der jungen Filmschaffenden sichtbar wird. „Stefano sieht auch in Wirklichkeit genau so aus, Haare und alles“, so Gut. „Man musste ihn nur noch grünlich schminken.“

Der 24-Jährige wendete bei der Produktion des Trailers eine ähnliche Technik an wie im kurz davor entstandenen Clip „Alter Ego“ – Er spannte Mund, Augen und Hände quasi digital ein, und dirigiert mit den Gliedmassen seines Protagonisten wie ein Puppenmeister. Der Trailer wurde überall in der Schweiz gezeigt, in Bahnhöfen, Zügen und Kinos. Sein Studium der Medialen Künste an der Zürcher Hochschule der Künste erlaubt ihm eine genreübergreifende Perspektive auf Medien, was seine Ambition ist und sich auch bezahlt macht. An den Schweizer Jugendfilmtagen nahm er 2006 zum ersten Mal teil und erreichte in der Kategorie Freie Produktionen den dritten Platz.

Zwei Jahre später: Eine in schwarzweiss getauchte Bühne, eine Art-Déco Verzierung drum herum – in diesem Setting findet die Handlung des Films „Takt“ statt. Zwei Männer in Latzhose tauchen auf und streiten sich um die Weinflasche, welche sie mechanisch zucken lässt. Aus dem Gefäss erscheint ein Flaschengeist und Minimal Music mischt sich mit einer Zwanziger-Jahre Grafik. Mit diesem Film gewinnt Gut 2008 sowohl den ersten Preis in seiner Kategorie als auch die kategorieübergreifende Unica-Medaille, welche Amateurfilmer fördert.

Gibt es so was wie eine Handschrift in Lucs Werken? „Ja, schon“, sagt er. Die Verbindung des auditiven und visuellen zu einer Einheit spielt eine grosse Rolle. „Soundbilder“ nennt er dies. Die Kontrolle über den Sound an eine andere Person abzugeben für einen Film, den er sein Eigen nennen will, kann er sich nicht vorstellen. „Einen Guru mit voller Kontrolle über alles war schon seit Längerem eine Idee von mir. Den Guru nun im Trailer die Jugendfilmtage voraussehen zu lassen, war die ideale Gelegenheit dazu. Insofern ist der Trailer recht persönlich.“


Am 20. März wird Luc Gut in der Roten Fabrik in Zürich eine Soundinstallation im Rahmen der Tanzklinik vorführen.