Gesellschaft | 02.03.2009

„Dä isch aber ganz guet gmacht“

Text von Ruzica Lazic | Bilder von Kaffeezentrale.ch
«Wie schmeckt der Kaffee süße, lieblicher als tausend Küsse, milder als Muscatenwein", schwärmte einst Johann Sebastian Bach. Unsere Kolumnistin träumt mehr vom Milchschaum obendrauf.
Kaffee ist Koffein, ist Fokus aufs Jetzt.
Bild: Kaffeezentrale.ch

Der Engel, die Violette, der Kater – alle haben sie ihren Lieblingskaffee. Der Kaffee sei gerade dort besonders gut, sagen sie. Im Kuchenfreund haben sie in der Tat einen ausserordentlich gut gemachten Schaum. Auf die Anfrage, ob man auch ein Glas reinen Milchschaums bestellen könne, reagierte der freundliche Kellner mit dem tollen Ohrring im Ohr mit einem traurigen Nein.  Ich war vor der Zeit meines aktiven Kaffeekonsums nie ein Freund des Mövenpick Glacés au „goût du café“ oder ähnlichen gewesen. Kaffee ist Kaffee, bleibt Kaffee, ist die nicht-vegetarische, insgesamt aber doch gesündere Version eines Redbulls, macht wach, macht leistungsfähig, ist Kaffee. Gleichzeitig verfällt man in eine gewisse Kaffeeromantik.

Denn Präferenzen bei diesem koffeinhaltigen Getränk sagen erstaunlich viel aus. Denn wahrscheinlich – ich weiss es nicht, denn ich habe es nicht nachgeprüft – aber sehr wahrscheinlich, gibt es etwa ein knappes Dutzend verschiedener Kaffeemaschinen und davon vielleicht drei mit einer gewissen Monopolstellug im Zürcher Markt der Bistros und Kaffees. Es ist auf eine gewisse Art herzig mitanzuschauen, wie sich das Grosi genau in diese Tasse Kaffee mit Rähmli nebendran verliebte, welche ich ihr im Rahmen einer Serviceleistung gebracht hatte. Denn zu jener Zeit führte ich Marktpositionierungsinterviews (nennt man das so?) durch, und da gehört die respektvolle Anerbietung kleiner Gimmicks wie Schöggeli und Käfeli dazu. „Dä isch aber ganz guet gmacht!“, sagte sie und die Fältchen um die Augen begannen zu tanzen, „dä gfallt mer aber guet!“. Am Fenster flog eine Möve vorbei, denn nicht sehr weit weg war auch schon die Limmat.

Ich dachte an den Engel mit der Apfeltüte und einem Kafi mit Milch, positioniert auf einem in den Siebzigerjahren bepolsterten Salonsofa, und Sokrates‘ Ansichten über die Liebe. An den Kater, und ihren Becher Cappuccino in der einen Hand und das Fahrrad in der andern. An die Violette, die sich beim Kellner mit dem tollen Ohring kurzfristig für ein Glacé umentscheidet. Aber auch zurück an die Arbeit, denn so ein kleiner Kaffee bedeutet Koffein, bedeutet Fokus aufs Jetzt. Und ich dachte an die Utopie einer Tasse, randvoll mit dem besten Milchschaum der Stadt.