Gesellschaft | 22.03.2009

Businessluft schnuppern

Text von Karin Reinhardt | Bilder von Karin Reinhardt
Was machen Studenten eigentlich, wenn sie nicht über den Büchern sitzen oder sich an Partys vergnügen? Genau, sie stricken. Wie aus einem etwas merkwürdigen Hobby ein eigenes Business entstand.
Mit der Stricknadel zum eigenen Business.
Bild: Karin Reinhardt

Bigna Hess studiert an der Universität Zürich und sieht eigentlich aus, wie eine normale Studentin. Die Mittzwanzigerin lebt ein studentisches Leben wie die meisten, die an der Uni immatrikuliert sind. Wochentags sitzt sie in der Bibliothek und schreibt Seminararbeiten, am Wochenende trifft sie sich mit Freunden und geht aus. Wenn sie aber beim gemeinsamen DVD-Abend die „Lismete“ auspackt, schauen sie ihre Freunde oft ein bisschen amüsiert an.

Die Kappe für den Schatz

Angefangen hat alles mit einem Geschenk für ihren Freund. Etwas Persönliches sollte es sein. Aber das obligate Fotoalbum war schon beim ersten Jahrestag eingesetzt worden. Da es draussen schneite und die Snowboardferien anstanden, war eine selber gestrickte Kappe das naheliegendste Präsent für den Liebsten. Schnell ein Anruf ans Grosi, ein paar Strickanleitungen aus dem Internet heruntergeladen und ab in den nächsten Wollenladen. Die fertige Kappe konnte sich sehen lassen, der Freund war begeistert – und verlor das gute Stück drei Tage später im Schnee. So strickte Bigna die nächste Kappe. Plötzlich wollte auch die Schwester eine – und dann die Freundin und dann der Onkel.

Produktion mit Hilfe

Um mit der Produktion nachzukommen, fusionierte Bigna für ihre Arbeit mit der Mutter ihres Freundes und so strickten die beiden Damen fortan im Duett. Und kamen schnell überein: damit lässt sich doch noch ein bisschen Geld verdienen. So waren die liebevoll gestrickten Mützen im 2009 nicht mehr einfache Geschenke für die lieben Verwandten, sondern wechselten zu einem fairen Preis den Besitzer. Auf Wunsch stricken Bigna und ihre Geschäftspartnerin Kappen in allen Formen und Farben. Mit diesem Business gingen sie im März auch online. Auf ihrer Website www.chappeschnappe.ch kann jeder eine Mütze nach seinem eigenen Geschmack bestellen und erhält sie kurz darauf für einen Preis, der das Studentenbudget nicht strapaziert.

Was zuerst als Ausgleich zum kopflastigen und intellektuellen Studium gedacht war, ist nun ein spannendes Geschäft. Gleichzeitig kann sich Bigna das zunutze machen, was an der Uni oft zu kurz kommt: selber etwas produzieren und einer praktischen Tätigkeit nachgehen und dabei schon mal ins Geschäfts- und Berufsleben hineinschnuppern.

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