Kultur | 23.02.2009

Szenen, die unter die Haut gehen

Text von David Weber
Die Dreharbeiten an "Unknown - The Truth Hurts" des Ostschweizer Vereins "SAMovie Pictures" laufen auf Hochtouren. Als den jugendlichen Filmemachern am vergangenen Samstag die Räumlichkeiten des Spitals Rorschach für ihre Dreharbeiten zur Verfügung standen, war der Tink.ch-Reporter mittendrin.
Requisiten und die Location sorgen für authentische Bilder. Fotos: David Weber Für den Rest sorgt die Visagistin... ... und ein perfekt aufeinander abgestimmtes Team.

Samy Ebneter (19), Gründer des Vereins SAMovie Pictures, gerät schon bei unserem ersten Gespräch ins Schwärmen, als ich ihn auf den anstehenden Dreh im Spital Rorschach anspreche. In seiner Vorfreude kommt auch die Dankbarkeit über diese einmalige Gelegenheit zum Ausdruck: Dass ein Spital kostenlos und ohne erkennbaren Eigennutz seine Türe für ein junges Team öffnet und darüber hinaus eine kompetente Betreuung durch hauseigenes Personal sicherstellt, ist alles andere als selbstverständlich. Sein Gesicht wird jedoch schnell wieder ernst: Das ganze Team wird bei diesem Dreh alles geben müssen, denn am Abend müssen die geplanten Szenen im Kasten sein.

Filmemacher in steriler Kleidung

Deshalb erhalten alle Beteiligten etwa eine Woche vor dem grossen Tag das Drehprotokoll, welches Aufschluss darüber gibt, wer wann und in welchem Outfit zu erscheinen hat. Der Tag ist sauber geplant, damit die begrenzte Zeit auch optimal genutzt wird. Als der Dreh um 7:00 Uhr morgens beginnt, führt uns zuerst ein Mitarbeiter des Spitals in die Umkleide. Da eine Szene im Operationssaal gedreht wird, der nur mit Mütze, Maske und steriler Kleidung betreten werden darf, heisst es für die Schauspieler, Statisten und das Kamerateam erst einmal: Umziehen! Anschliessend werden Schusswunden auf den Rücken von Giacomo D’Errico, der den Patienten spielt, modelliert, während der Spitalmitarbeiter die Schauspieler über die zur Verfügung stehenden Requisiten aufklärt und darüber wacht, dass die Operation so realistisch wie möglich dargestellt wird.

Der Dreh im Operationssaal ist unkompliziert und wird nur kurz unterbrochen, als einer Statistin wegen der lebensnahen Darstellung des chirurgischen Eingriffs schwindlig wird. Dann geht es wieder ans Umziehen, denn die nächste Szene muss in den Gängen des Spitals gedreht werden. Der angeschossene Mafioso soll von Notfallärzten in aller Eile auf der Bahre zum OP geschoben werden. Nachdem die Beteiligten von Samy Ebneter und Kevin Högger auf die Szene vorbereitet worden sind, macht der Spital-Alltag der Regie (vorerst) einen Strich durch die Rechnung: Die für den Dreh benötigte Ambulanz muss wegen einem Notfall ausrücken. „Unvorgesehene Zwischenfälle können immer vorkommen“, meint Samy. „Da muss man improvisieren.“ Konkret heisst dies, dass eine für später geplante Szene vorgezogen wird.

Ein eingespieltes Team

Deshalb findet sich der grosse Teil der heute anwesenden Schauspieler, Statisten und die Visagistin im Konferenzsaal für eine Pause zusammen. Die vorgezogene Szene ist vor allem für Anis Rusch äusserst anspruchsvoll, weshalb nur die wirklich benötigten Personen am Set sind. Es herrscht absolute Ruhe, als sie sich mit Kopfhörern in den Ohren in ihre Rolle versetzt: Sie spielt eine Polizistin, deren Kamerad und insgeheim Verehrter gerade erschossen worden ist. Vor ihr liegt der Verbrecher, der aus der gleichen Schiesserei mit dem Leben davon gekommen ist. Als die roten Lämpchen an den Kameras angehen, laufen Tränen über ihre Wangen und eine Gänsehaut über meinen Rücken. Später sind alle Beteiligten erleichtert, dass eine der wohl schwierigsten Szenen des Tages nach ein paar Anläufen zur Zufriedenheit der Regie aufgenommen werden konnte.

Mittlerweile ist es Mittag und ich verlasse nur ungern den Drehort. Es gibt viel zu sehen, zu beobachten und zu lernen. Man bekommt schnell das Gefühl, einem eingespielten Team über die Schulter zu schauen: Jeder nimmt seine Aufgabe ernst, ob Schauspieler, Statist, Kameramann/-frau oder Techniker. Jeder gibt sich Mühe und man arbeitet zusammen und springt nötigenfalls ein. Auch wenn die Beteiligten vorwiegend Jugendliche sind, erledigt jeder seine Arbeit mit grosser Professionalität. Und obwohl es wegen des Zeitdrucks oder wegen unvorhergesehenen Zwischenfällen teilweise hektisch zu und her geht, kommt der Spass an der Sache nie zu kurz. Es lohnt sich also, weiter zu verfolgen, wie es mit „SAMovie Pictures“ und ihrem Film „Unknown – The Truth Hurts“ weiter geht.

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