Politik | 02.02.2009

Schmähpreise an die Wirtschaftsführer

Text von Lea Zwimpfer
Während sich die selbsternannten Globalleaders anlässlich des WEFs in Davos treffen, fand schon zum zehnten Mal die Verleihung der Public Eye Awards statt.
Der deutsche CDU-Politiker Heiner Geissler bei seiner Eröffnungsrede. Fotos: www.publiceye.ch Anatole Taubman moderierte die Award-Verleihung. Gewerkschafter Freddy Lonzano wurde zum mutigsten Mitarbeiter gewählt. Patrick Frey war für Unterhaltung zuständig. Hier als abgewrackter Banker. Die Medienaufmerksamkeit war am Public Eye so hoch wie noch nie.

Das diesjährige Rahmenprogramm der Public Eye Awards Verleihung war ziemlich attraktiv. Niemand Geringeres als der aktuelle Bondbösewicht Anatole Taubmann moderierte die Veranstaltung. Hinzu kamen spannende Reden vom deutschen Ex-CDU- Minister Geissler, der mit seinem Attac-Beitritt für Aufregung sorgte, und der SP-Nationalrätin Susanne Leutenegger, die erst kürzlich die Streichung der Staatsbeteilung an den WEF-Kosten forderte. Für Musik und Satire sorgten der Rapper Greis und der Komiker Patrick Frey.

Die Gewinner der Negativpublicity

Vierzig Vorschläge wurden dieses Jahr von Nichtregierungsorganisationen eingereicht, neun davon schafften es in die engere Auswahl. Unter der Kategorie „Public Eye Swiss Award“ gewannen die bernischen Kraftwerke (BKW) den „Anti-Oscar“. Der Energiekonzern will in Deutschland 1.6 Milliarden in ein Kohlekraftwerk investieren, einer der klimaschädlichsten Energielieferanten. Hierzulande präsentiert sich das Unternehmen paradoxerweise als zukunftsorientiert und umweltfreundlich und fördert erneuerbare Energien. Den Dreck einfach im Ausland verursachen? Nicht mit den Teilnehmenden der Public Eye Awards.

Der internationale Preis ging an die US-amerikanische Newmont Mining Corporation, die in Ghana eine 1915 Hektar grosse Goldmine errichten will. Zehntausend Kleinbauern würden bei einer Realisierung ihr Land verlieren, zudem würde giftiger Abfall, der die Flüsse und Böden verschmutzt, entstehen. Auch die einzigartige Tier- und Pflanzenwelt wäre bedroht. Die rücksichtslose Rohstoffgewinnung im Goldrausch muss gestoppt werden! Das fanden auch die TeilnehmerInnen der Internetabstimmung und so räumte die Newmont Mining Corporation gleich noch einen Preis ab, den „Public Eye People`s Award“. Über 10.000 Personen wählten die, ihrer Meinung nach, übelste Firma. Nominiert für die „Hall of Pain“ waren unter anderem auch die UBS, Nestlé und Tesco.

Auch ein positiver Preis wurde verliehen

Erstmals wurde auch ein „Postive Award“ für den mutigsten Mitarbeiter verliehen. Dieser ehrte Jairo Quiroz Delgado, den Präsidenten der Gewerkschaft Sintracarbon. Zusammen mit seinem Mitstreiter Freddy Lozano und mehr als 3000 Gewerkschaftsmitglieder kämpft er seit Jahren für bessere Arbeitsbedingungen in der kolumbianischen Kohlemine „El Cerrejon“. Dank der Hartnäckigkeit und Innovationskraft verhandelten sie einen Gesamtarbeitsvertrag und erreichten, dass die Bauern, die ihr Land durch die Mine verloren haben, eine Entschädigung erhielten. Trotz der Bedrohung durch die paramilitärische Gruppe „Aguilas Negras“ lassen sich Jairo und Freddy nicht einschüchtern und engagieren sich weiterhin für mehr Rechte und Schutz der Arbeiter in der Mine. „Trotz Weltwirtschaftskrise wird am WEF statt über grundlegende Systemfehler wieder nur über schnelle, notdürftige Reparaturen diskutiert“, kritisiert Oliver Classen, Mediensprecher der EvB. Er fordert rechtlich bindende Regeln für transnationale Konzerne und die Einschränkung der Liberalisierung.

Zur Organisation:


Die Erklärung von Bern (EvB) ist eine unabhängige entwicklungspolitische Organisation und wird weitgehend von ihren Mitgliedern und Spenderinnen getragen. Die EvB setzt sich für globale Gerechtigkeit ein und engagiert sich schwerpunktmässig in den folgenden Bereichen: Unternehmensverantwortung, Wirtschaftsbeziehungen & Handelspolitik, Banken & Finanzplatz Schweiz, Landwirtschaft, Biodiversität und geistiges Eigentum, Konsum & Clean Clothes Campaign.

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