Kultur | 02.02.2009

Hundert Mal von der Leiter gesprungen

Text von Luzia Tschirky
Als "one man band" umgeht der Musiker "DAN" hitzige Banddiskussionen und erlangt so seine Freiheit in seiner grossen Leidenschaft. Tink.ch traf den Abtwiler, entstanden ist ein Gespräch über einen musikalischen Alleingang und warum der Musiker nie Musik studieren würde.
Bei DAN alias Daniel Schmid stammt alles aus einer Hand. Fotos: z.V.g. / Miriam Gübeli Bei diesem Sprung wurde der Auslöser endlich im richtigen Moment gedrückt.

Nochmals starte ich die CD von vorne und versuche das raus zu hören, was man anscheinend raus hören sollte. Aber langsam gebe ich es auf,  es wäre auch wirklich zu gesucht, wenn ich schreiben würde, ich hätte es tatsächlich gehört, ohne es zuvor gewisst zu haben. Dass diese Musik, die aus den Boxen samtig weich ins Zimmer rauscht, nämlich nur von einer Person stammt. Einem Musiker, den alles an der Musik zu interessieren scheint, ausser dem Geld. Ja,  das gibts noch. Zwei Jahre dauerte es, bis die zwölf Lieder für die CD aufgenommen waren und sie dann im Januar vor einem Jahr erschien.

„one man band“

Die Schreiberin hat sich also mit dem Zug vom St.Galler Oberland bis ins tiefste Unterland vorgewagt und wartet nun in der Januarkälte am Bahnhof St. Gallen auf den jungen Musiker, mit dem sie verabredet ist. Wie muss man sich jemand vorstellen, der die Gitarre, das Schlagzeug, den Bass und seine eigene Stimme so gut beherrscht, dass er damit eine eigene CD veröffentlichen kann? Zerzauste Haare, dunkle Augenringe von der letzten kreativ durchwachten Nacht? Vielleicht ein Dreitagebart? Ja, so oder so ähnlich stelle ich mir diesen „DAN“ (alias Daniel Schmid) vor. Fleissige Tele Ostschweiz Zuschauer werden schon wissen, was nun kommt, denn Dan hatte einmal die Ehre,  per Kabel den Ostschweizern bekannt gemacht zu werden. Der Typ vom Amnesty International Stand muss wirklich verzweifelt sein, denn obwohl ich im erkläre, ich hätte da schon meine Gründe, lässt er nicht von mir ab. Also ist Dan schliesslich derjenige, der mich findet. Aber nicht eines meiner Klischees scheint sich zu bestätigen. Dan lächelt schüchtern und fragt: „Bisch du die?“ Ja, genau die bin ich. Also bewegen uns wir auf ein Café in der Nähe des Bahnhofes zu. Langsam beginne ich, ihn in ein Gespräch zu verwickeln. Denn mir ist eines noch immer nicht klar. Wie kommt man auf die Idee eine „one man band“ zu sein? Dan meint dazu: „Es ist die einfachste Möglichkeit, sein eigenes Ding durchzuziehen.“ Aha, sind wir jetzt also doch nicht ganz so losgelöst von unserer modernen Gesellschaft mit ihren 7 Milliarden,  die tagtäglich auf einem Selbstverwirklichungstrip zu sein scheinen? Ja und nein. Denn der junge Musiker scheint seine Freiheiten sehr wohl zu geniessen. Die Freiheit, spielen zu können, was er will, wann er will, wie er es will. „Auch was die Stücke auf meiner CD anbelangt.“ Keine hitzigen Banddiskussionen, welches Lied zu wessen Leid nun nicht auf die Scheibe kommen soll. Tönt verlockend. Doch ganz so ein Honigschlecken ist es dann doch wieder nicht. Jemanden live auf einer Bühne zu sehen, der zu Hause auf seinem eigenen Homestudio seine Songs mehrspurig aufnimmt, ist nicht möglich. Eine wichtige Plattform, um bekannt zu werden, eigentlich die Plattform schlechthin, fällt somit weg.

Niemand in der Chefetage

Aber wie sieht nun eigentlich der Alltag von Dan aus? Der gelernte Polygraf arbeitet heute als Grafiker. „Mit der Musik Geld zu verdienen, ist sehr schwierig.“ Ja, dass Musiker eigentlich eher in den Ausnahmefällen zu den Topverdienern gehören, ist nichts Neues. Wie sieht denn die Situation in der Schweiz für junge Musiker im Speziellen aus? „Es wird immer schwieriger, vor allem, wenn man Geld verdienen möchte.“ Nur schon ein eigenes Homestudio kostet doch bestimmt eine ganze Menge, oder nicht? „Heute mit der ganzen Computertechnik ist es nicht so teuer wie auch schon.“ Aber unter dem Strich kann man Gewinn machen, wenn man alles selbst auf die Beine stellt, keine professionelle Hilfe hat? „Das, was die Produktion gekostet hat, habe ich wieder eingenommen.“ Dan ist wirklich alles andere als leicht einzuordnen, was seine Aufnahmen betrifft. Die CD, die ich hier also nun in den Händen halte, ist eindeutig Ergebnis vieler Stunden Arbeit. Aber nebst dem hört man etwas aus der Musik ganz deutlich hervor: Hier sitzt niemand in den Chefetagen und sagt, wo es lang gehen soll, niemand wird zu etwas gedrängt. Nein, alles fügt sich zu etwas Ganzem zusammen. „Music Star“ als Sprungbrett für nationale Bekanntheit ist daher keine Option für ihn. „Das ist nicht mein Ding. Es ist so eine Fakewelt.“ Sieht man Dan vor sich, merkt man, wie sehr seine Musik zu ihm passt. Die Töne meist verhalten, meist sehr einfühlsam und warm. Lovebugs sind, was die Musikrichtung angeht, vermutlich noch am ehesten mit ihm zu vergleichen. Vor allem die ersten Töne der Songs erinnern stark an die Basler. Doch hier werden klar die Grenzen von Dan sichtbar. Was sowohl das Budget, als auch die beschränkte Bandmitgliederzahl betrifft. Trotz der Stimmigkeit, die auf dem Album vorherrscht, wünscht man sich manchmal ein wenig mehr Abwechslung.

Frauenmusik

Wie aber entsteht ein Song von Dan? „Ich nehme die Gitarre zur Hand und spiele drauf los. Irgendwann kommt dann eine Melodie zustande. Melodie und Text entstehen zusammen.“ Die Melodie scheint etwas vom Zentralsten in seinen Songs zu sein. „Die Melodie ist mir sehr wichtig. Meine Lieder sind ja auch recht melodiös. Die Melodie ist etwas, an das man sich halten kann.“ Hier wird eindeutig die Inspiration durch sein grosses Vorbild Bryan Adams offensichtlich. Der weltbekannte Superstar mag dem St.Galler, was das Geld und den Ruhm betrifft, so einiges voraushaben, doch was die Kreativität der Homepagegestaltung angeht nicht. Daniel Schmid hat in dieser Hinsicht eindeutig mehr auf dem Kasten. Vor allem wenn man bedenkt, dass er auch das selbst macht. Nebst seinem 100 % Pensum bei einer Werbeagentur. In dieser Werbeagentur ist auch das Cover der CD entstanden. Allerdings war kein professioneller Fotograf am Werk sondern die Freundin des Musikers. Hunderte Male sei er von einer Leiter hinunter gesprungen, bis der Auslöser im richtigen Moment gedrückt worden sei. Das Ergebnis kann sich eindeutig sehen lassen. Liest man die Liste der Musiker durch, die Einfluss auf ihn gehabt haben, so stehen da neben Bryan Adams und den Lovebugs noch Snow Patrol, James Morrison, Dada Ante Portas und Coldplay, um nur einige zu nennen. Im ersten Moment denkt man da an „Frauenmusik“, wie steht Dan dazu? „Meine Musik ist sehr melodiös, aber ob ich jetzt mehr Frauen damit anspreche, weiss ich nicht.“ Dadurch aber ist Dan in das Ganze mit der „one man band“ hineingerutscht. Für eine Herzensdame hat er den ersten eigenen Song geschrieben und tatsächlich scheint jener gut angekommen zu sein. Herz ist auf alle Fälle dabei. Seien es nun die Songs, die Homepage oder die Videoclips. Ja, man kann auch ohne Label im Hintergrund Videos drehen. Aber wie ist es überhaupt dazu gekommen? „Ein junger Filmer aus Frauenfeld macht privat kleine Filme. Er fragte bei mir wegen eines Videoclips an. Den drehten wir dann in Zusammenarbeit. Er wollte das Projekt für sich machen, da wollte ich ihm auch nicht dreinreden.“ Er hat nicht nur für sich selbst gerne Freiheit sondern lässt auch anderen die Ihrige.

Musik ist wichtiger als Text

Trotz der Deutschwelle, die um sich gegriffen hat, textet er auf Englisch. Warum? „Ich habe auch ein hochdeutsches und ein schweizerdeutsches Lied, aber Englisch höre ich einfach lieber. Ich könnte es mir nie vorstellen, eine ganze CD mit Mundartliedern aufzunehmen.“ Eines wird mir langsam klar, dieser Musiker ist zwar frei, aber auf alle Fälle ein Ästhet. Oder könnte es einfach nur sein, dass er die Distanz braucht? Zwischen dem Alltag und der Musik, um überhaupt darüber schreiben zu können? „Im Vordergrund steht für mich ganz klar die Musik und nicht der Text.“ Nun aber noch einen Blick in die Zukunft, was hat Dan vor mit der Musik? Vielleicht Musik studieren? Oder das Hobby zum Beruf machen? „Nein ein Studium kommt für mich nicht in Frage, dort müsste ich mich zu stark festlegen. Ich möchte auch nicht als Musiklehrer enden. Auch in Zukunft wird es ein Hobby für mich bleiben, ausser es ergibt sich wieder einmal etwas. Wie im vergangenen Jahr, als ich für ein Hörspiel einen Song schreiben konnte. Eine Band hätte ich schon gerne, vor allem für Live Auftritte. Aber jetzt mache ich erst einmal eine kleine Pause. Die letzten zwei Jahre habe ich fast jeden Abend an der CD gearbeitet.“ Auf die Frage, was DAN ohne die Musik machen würde, kommt die Antwort wie aus der Pistole geschossen. „Keinen Sport. Dazu habe ich wirklich keine Begabung. Ohne die Musik würde nicht gerade alles fehlen.“ Ein solches Allroundtalent muss sich aber nun wirklich keine Sorgen um seine Begabungen machen.

Zwei Songs von DAN bietet Tink.ch zum Download an (Einfach auf den Link klicken)


Den EM-Song Das bringt dä Sieg sowie das letzten November erschienene Stück

Schritt um Schritt

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