Kultur | 23.02.2009

Eine Fasnachtsphilosophie

Text von MZ | Bilder von Manuela Zeiter
Die Fasnacht wird in der nächsten Woche auch in Bern Einzug halten. Doch was ist dran an den fasnächtlichen Bräuchen? Die Reporterin versucht die Narren und ihre Kostüme zu ergründen.
Wer versteckt sich nur hinter dieser "Wunderdame"?
Bild: Manuela Zeiter

Manche können es kaum erwarten, sich in ein anderes Wesen zu verwandeln. Sie möchten für einen begrenzten Zeitrahmen eine berühmte Person, ein Tier oder einfach nur ein Fantasiewesen sein. Dabei sollen die Mitmenschen erschreckt, überrascht, hinters Licht geführt oder einfach nur amüsiert werden. Das hypothetische Hineinfühlen in das Benehmen der jeweiligen Charaktere muss jedoch nicht zwingend erfolgen. Hinter der Maske als fantastische Gestalt unerkannt zu feiern oder sich nach geraumer Zeit zu offenbaren, beide Verhaltensweisen sind an der Fasnacht erlaubt. Gruppen schweissen sich zu Vereinigungen zusammen, um mit gleichem Motto unter derselben Verkleidung den Fasnachts-Tagen entgegenzutreten. Eine Verwandlung wird vom wahren Fasnachtsfan als notwendig erachtet. Auch wenn man sich während den anderen vier Jahreszeiten entfalten kann, vielleicht kann man es nicht auf dieselbe Art. Die Geselligkeit steht im Vordergrund, ob mit Leuten, die zur selben Spezies der Hippies, Polizisten oder Schweinchen gehören oder mit denjenigen, die man vielleicht gar nicht erkannt hat.

 

Es gibt sie jedoch auch, diejenigen Menschen, die nichts mit fasnächtlichen Bräuchen anfangen können. Sie flüchten sich in ihre eigene Welt, schirmen sich von der Guggenmusik ab, die in ihren Ohren vor allem Krach macht. Sie möchten sich nicht verkleiden, nicht eine andere Person spielen, nicht im fasnächtlichen Treiben untergehen. Doch können sie fasnachtsfreie Zonen aufsuchen, an denen dieselbe Stimmung aufkommt wie bei ihren fasnächtlichen Kollegen? Laut und voller Menschen präsentieren sich die wichtigsten Plätze von Städten in fasnächtlicher Stimmung, aber auch die unter dem Jahr verstaubten alten Bars und Keller erscheinen in einem neuen Licht. Grelle Discolampen verstärken das Glänzen der bunten Fasnachtskostüme. Kritiker würden diesen Ausnahmezustand der Alkoholkonsumation ausgelassener Menschengruppen zuschreiben. Der Alkohol soll die vom Kostüm nicht zum Verschwinden gebrachten Hemmungen abbauen. Doch die fünfte Jahreszeit im Jahr soll gebührend gefeiert werden, bevor wieder der Alltag einkehrt, obwohl die Kopfschmerzen immer noch nicht verschwunden sind.

 

Es sind dabei noch Diejenigen in Vergessenheit geraten, die sich zwar in das fasnächtliche Getümmel wagen, jedoch erkannt bleiben wollen oder sich aus Faulheit oder frei erklärbaren Gründen kein Kostüm suchen. Doch springt der Funke wie ihn der Hard-Core-Fasnächtler erfährt, auch auf die Unverkleideten über? Vielleicht ist der Unterschied, wenn alle schon genug getrunken haben, gar nicht mehr so gross. Die Pauke der Guggenmusik versucht den Herzschlag zu ersetzen, die Luft riecht nach Fastfood und Bier und einige beginnen zu Schwanken. Die Meinungen von Fasnachtsfreaks, Jenen, die sich verweigern und denen, die unverkleidet dabei sind, gehen vermutlich nicht nur in fasnächtlichen Gepflogenheiten auseinander.