Kultur | 02.02.2009

Die grosse Rückkehr der kleinen Big Zis

Nach vierjähriger Wartezeit präsentiert uns Big Zis ihr neues Album "Und jetz...was hät das mit mir ztue?" Bei dieser Fragestellung wurde Tink neugierig und hat für euch reingehört.
Weiblicher Biber oder Rapperin mit Goldzahn? Big Zis lässt auf ihrem neuen Album vieles offen und setzt sich bewusst keine Schranken. Fotos: Florian Kalotay Eine schwerwiegende Geburt: Seit dem letzten Album "Dörf alles" sind vier Jahre verstrichen. Nun ist alles gut: Big Zis glücklich vereint mit ihrem Biber-Baby. "Was hät das mit mir z tue?" - Die Zürcher Rapperin Big Zis.
Bild: Martin Sturzenegger

Fragt man Big Zis, was sie für Musik mache, kriegt man folgende Antwort: „Ja…ähm…eifach Musig.“ Als Fragender kann man sich in einem solchen Fall resigniert zurückziehen und denken: Jaja, veräppeln kann ich mich auch selbst. Oder, man greift zu ihrem neuen Tonträger und nimmt sich die fünfzig Minuten Zeit, die es braucht, um die eindeutig vieldeutige Antwort zu erhalten: Big Zis dörf alles, Big Zis macht alles. Diese Devise hat sich bei ihrem letzten Album schon bewährt und in der vier Jahre dauernden Blaupause bis Heute nicht verändert. Auf „Und jetz…“ bleibt alles anders oder um es in Big Zis‘ eigenen Worten auszudrücken: „Ich schwör, chasch di no so fescht dra chrale – am Ändi isch nüüt wo bliibt“ (Aus dem Song „Ich Schwör“).“

Die Bergfaszination eines Stadtmenschen

Wer den Titel „Und jetz…was hät das mit mir ztue?“ liest, der könnte  Gleichgültigkeit dahinter vermuten. Dabei geht die 32-Jährige mit ganz und gar wachen Augen durchs Leben. Auffallend oft berichtet Big Zis von ihrer neu gewonnenen Faszination für die Berge. Dort fühlt sich die Städterin offensichtlich wohl und unternimmt auch gerne mal eine Wanderung. Um diese Faszination in Worte zu fassen, brauchte es aber mehrere Anläufe und die Mithilfe von Musikerkollegin Sophie Hunger, die dem Lied „Biberräis“ den Refrain verpasste. Daraus entstand ein Lied über das Pathos der Berge und gleichzeitig eine Metapher für eine unerfüllte Liebe – zwei Fliegen auf einen Schlag und man denkt sich plötzlich: Big Zis ist nicht mehr nur die schrille Partynudel aus Tracks wie „Ich wott nur tanze“, sondern nun definitiv im Lager der ernstzunehmenden Schweizer Texterinnen angelangt.

Auch wenn dem Album der absolute Überhit fehlen mag, die Beats und Soundspielereien sind zwingend genug, um einen nachhaltigen Eindruck zu hinterlassen. Marton Di Katz und Valentino Tommasi (Rumpelorchester) – zuständig für die meisten musikalischen Klänge des Albums – zeigen keine Berührungsängste und liefern ein Soundkorsett, dass auch unabhängig von Big Zis‘ Stimme bestehen könnte. So kommt es zu einer spannenden Verflechtung zwischen eigenständiger Elektronikmusik voller verquerer Einfälle und der unverkennbaren Stimme und den Texten der Zürcher Rapperin. 

Humor als grosse Qualität

Ihre beste Qualität hat Big Zis auch anno 2009 beibehalten: Den Humor. Und damit verleiht sie der Schweizer Hip-Hop-Szene, die ihr Handwerk teilweise immer noch mit einem schwerfälligen Bierernst ausübt, eine dringend benötigte Portion (selbst)-Ironie. Für „Und jetz…was hät das jetz mit mir ztue?“ hat sich die vierjährige Wartezeit gelohnt –  es ist Big Zis‘ bisher bestes Album und es wird auch Leute begeistern, die sich bisher nicht für das Hip-Hop Genre begeistern konnten. Um es nochmals in Big Zis‘ Worten auszudrücken: „Ich mach halt einfach nur…ähm…Musig.“

Wettbewerb


Tink.ch verlost drei mal die neue Big Zis-CD (signiert). Bei Interesse reicht eine Email mit Name und Adressangabe an: martin.sturzenegger@tink.ch

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