Gesellschaft | 09.02.2009

Buddhismus vs. Zynismus

Unsere Kolumnistin traff "die Violette" zum Seelen baumeln lassen. Was letztlich daraus resultierte: Ein meterhoher Sturz, ein Diebstahl und eine buddhistische Erkenntnis.
Ort des Geschehens: Auch am Stadelhofen treiben sich Ganoven rum.
Bild: zurichdailyphoto.blogspot.com Die Ruhe selbst: Dank einer buddhistischen Einstellung wird die Violette mit allem fertig. www.plueschis.at

Dieser Spleen der Violetten (siehe „mehr zum Thema“), also das Einräumen extrem grosszügiger Zeitintervalle, führt dazu, dass man viel Zeit hat und diese in der Innenstadt verbringt. So geschah es kürzlich, dass die Violette und ich beschlossen, die Stadelhofener Szenerie zu geniessen und setzten uns daher obendran auf das Mäuerchen, welches auch andere zur Mittagspause benutzten. Wir teilten uns je einen Stöpsel meines Mp3-Players – „Waterloo Sunset“ von „The Kinks“ begleitete die ersten richtigen Sonnenstrahlen im Jahr. Es hätte insgesamt entspannter nicht sein können, wenn wir nicht ebenfalls zu den Klängen von „Waterloo Sunset“ beide vom Mäuerchen runtergestossen wurden und zu den Klängen von „Waterloo Sunset“ gefühlte vier Meter runterfielen.

Fallen ist schon eine sehr surreale Erfahrung. Es dauert ja schlussendlich nicht so lange, aber mir gingen viele Gedanken durch den Kopf. Um das Klischee nicht zu bedienen: nein, nicht mein gesamtes Leben zog an mir vorüber, vielmehr der Gedanke, wieso denn nun eigentlich das passiert und es müsste doch gar nicht passieren, aber das macht doch niemand, obwohl, offensichtlich doch – und ich landete auf dem Hintern. Die Violette ebenfalls. Waterloo Sunset erklang aus den Stöpseln, die verstreut am Boden rumlagen. Meine Taschen waren weg.

Nach den ersten Vorkehrungen, Abklängen des Schrecks und Testen des Bewegungsapparats,  entschloss man sich zu einem Tee. Der tat gut. Die Violette hat sich schneller von der Sache erholt als ich, was ich bewundere. So ein bisschen buddhistische Affinität ist eigentlich eine ziemlich gute Sache. Während ich auf ein solches Erlebnis eher mit Abneigung reagiere („Wir könnten jetzt im Rollstuhl sitzen!“), findet sie sich schneller damit ab und lebt weiter („Ich hatte schon immer Angst, da runterzufallen. Und jetzt wo es passiert ist weiss ich, dass es nicht so schlimm ist!“). Sich mit Zynismus zu verschalen, liefert zwar viel Schreibfutter, doch das Akzeptieren von gegebenen Umständen ist viel effektiver und tut dem Seelenfrieden gut. Schlussendlich sind das zwei verschiedene Ansichten, wie man mit dem Leben zurechtkommen kann, und ich bin irgendwie froh, beide zu kennen.

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