Politik | 16.02.2009

Blocher gibt nicht auf

Text von Joël Meier | Bilder von Nathalie Kornoski
Christoph Blocher, einst Bundesrat, macht jetzt fast nur noch mit fragwürdigen Äusserungen auf sich aufmerksam. Ein Kommentar.
Bild: Nathalie Kornoski

„Minderheiten sind wichtig“, sagt Christoph Blocher in der aktuellen Teleblocher-Folge. Damit möchte er seine kontroversen Äusserungen zum Dritten Reich, die er im Podcast vom 8. Februar gemacht hat, in den richtigen Kontext stellen.Die Diktatur Hitlers wäre verhindert worden, hätte es mehr Minderheiten gegeben, so Blocher. Und weiter: Es sei dies keinesfalls ein Vergleich gewesen zwischen Nazis und Befürwortern der Personenfreizügigkeit.Er habe einfach darauf hinweisen wollen, dass das bedingungslose Folgen der Mehrheitsmeinung gefährlich sein könne.

 

Blocher ist empört

Das muss klargestellt werden: Das Gespräch zwischen dem „Teleblocher“-Moderator Matthias Ackeret und Christoph Blocher bezog sich explizit auf die Abstimmung zur Personenfreizügigkeit. Es bezog sich explizit auf das deutliche JA zur Vorlage und somit das deutliche NEIN zur SVP-Parole. Wer in diesem Zusammenhang von den fatalen Folgen der Ja-sagerei im Dritten Reich spricht, zieht unwillkürlich einen Vergleich. Blocher ist anderer Meinung. Er ist vielmehr empört, dass über Nazi-Deutschland in diesem Zusammenhang nicht gesprochen werden darf. „Geisteskrank“, sei das. Wörtlich: „Man darf nicht einmal mehr sagen: Das führt zu solchen Zuständen, wie wir sie damals (im Zweiten Weltkrieg, Anm. d.R.) hatten“. Doch das dürfen Sie, Herr Blocher. Sie dürfen sagen, dass das blinde Übernehmen der Mehrheitsmeinung zum Nationalsozialismus geführt hat.  Es wäre aber besser, Sie sagten den Satz „Wenn man Hitler zugejubelt hat, hat man immer gewonnen“ nicht im selben Atemzug wie „Es wäre sehr einfach gewesen, den Befürwortern der Personenfreizügigkeit zu folgen. Dann hätten auch wir sagen können: Juhui, wir haben gewonnen!“

Blocher irritiert

Der einstige Architekt einer starken und geeinten SVP stellt seine Partei heute auf harte Zerreissproben: Einige Dissidenten haben sich bereits von der Mutterpartei abgespalten und nennen sich jetzt BDP. Mit seiner ebenso selbstgefälligen wie aussichtslosen Bundesratkandidatur neben Ueli Maurer hat er parteiintern irritiert. Die SVP Thurgau hat er als „faules Nest“ bezeichnet. Den Wirtschaftsflügel seiner Partei befremdet er mit seinen neuerdings wenig liberalen Positionen. Und jetzt wirft er unbedacht mit Wörtern wie „Drittes Reich“ und „Hitler“ um sich.

Wenn er so weiter macht, wird dieser widersprüchliche Mann, der für die „kleinen, einfachen Menschen“ einsteht und gleichzeitig in einem Schloss wohnt, dieser Mann, der in der Industrie Milliarden verdient hat und jetzt antiökonomisch auftritt, dieser Mann, der immer wieder in verbale Fettnäpfchen tritt, bald nur noch eine sehr kleine Minderheit hinter sich haben: Sich selbst.

Aber immerhin: „Minderheiten sind wichtig.“

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