Gesellschaft | 23.02.2009

Beim Essen geht es nicht nur ums Essen

Slow Food hat Bewegungscharakter. Wendy Parkins und Geoffrey Craig zeigen uns kulturelle Hintergründe eines lokalen Alltags, eingebettet in die Globalkultur.
Im Schneckentempo oder mit Jochgeschwindigkeit durchs Leben - das sollte jede/r selbst wählen können.
Bild: www.gartenspaziergang.de Gemeinsam langsam: Beim Boule-Spiel. Fotos: Claudio Notz Ganz subversiv: Langsam staunen.

Mehr und mehr lebt Lokales im Globalen: Das gelbe M, das in der dunklen Nacht in der Zentrale der Lokalkultur schwebt, zeugt davon ebenso wie die gegenwärtige Situation der globalen Krise auf den lokalen Finanzmärkten. Die Verknüpfungen, die in der Kombination dieser verschiedenartigen Faktoren entstehen, sind es auch, die den  unbewussten Alltag bestimmen: Beim Morgenessen eine Scheibe St. Gallerbrot, Mittagessen beim Fastfood-Riesen, Kaffeepause bei Starbucks und Rösti zum Nachtessen. An diesem Punkt setzt die Bewegung „Slow Food“ ein, die ihren Ursprung in Italien hat. Slow Food fördert das Nachdenken über Esskultur, weil die Organisation ihren Mitgliedern zeigen möchte, dass Essen nicht nur aus dem Vorgang besteht, das Essen mechanisch zu verkleinern, sondern, dass ums Essen herum eine ganze Kultur besteht. Die Zubereitung der Speisen gehört da genauso dazu wie eine gesellige Runde. Wer es sich bildlich vorstellen möchte, halte sich einfach das Bild einer stereotypen italienischen Tafelrunde vor Augen.

Eine Einheit: Kochen und Essen

Wendy Parkins und Geoffrey Craig, zwei neuseeländische Forschende, gehen der Bewegung auf den Grund. Mit kulturwissenschaftlicher Methode beschreiben und kommentieren sie die unterschiedlichen Dimensionen des langsamen Lebens: Genannt ist hier schon das langsame Essen, hinzu kommt, was damit zusammenhängt, also Orte des Essens, Kochen von Essen, Esspolitik oder Landwirtschaft – kurz und gut alles, was Interaktionen zwischen Menschen ermöglicht. Auch wenn es die Autoren der Studie nicht so formulieren, könnte man die Slow-Bewegung auf den gemeinsamen Nenner des Verstehens bringen. Einerseits ist da das Verstehen der eigenen Tradition, der Art und Weise wie unsere Grosseltern gelebt, gekocht und gegessen haben. Auf der anderen Seite die Bemühung, die Prozesse der globalisierten Welt zu verstehen. „Slow“ zu leben soll nicht bedeuten, keine Stresssituationen zu kennen oder das Flugzeug nicht zu benutzen, weil es zu schnell ist; die Bewegung betont vielmehr den bewussten Umgang mit Zeit: Der Mensch soll selbst auswählen können, ob er schnell oder langsam leben will.

So soll denn auch der Leser des Buches auswählen, wie schnell oder langsam er lesen möchte, was ihn mehr oder weniger interessiert. Nach Lust und Laune kann man sich die Ergebnisse der Studie zu Gemüte führen. So mundet das Buch äusserst gut, wenn man sich in lustvolle Lektüre begibt, weil man über genussvolles Essen lesen will. Die Autoren zeigen einem dabei, was es heisst, bewusst Langsamkeit zu wählen und zeichnen das Bild eines aktiven Lebens.

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"Slow Living. Langsamkeit im globalen Alltag" ist beim Rotpunktverlag in Zürich in der Übersetzung von Monika Noll erschienen. Preis: Ca. 36 Franken.

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