Kapitel drei

Ein Zimmer. Eigentlich war es nur ein Zimmer. Ich trat ein. Der Spürhund schloss routiniert die Tür hinter meinem Rücken und mit dem charakteristischen Klicken, das ein eisernes Schloss verursacht, wenn es sich schliesst, begann in meinem Kopf eine Uhr zu ticken. Die ersten Sekunden meines Aufenthalts, wie der Pudel meine Gefangenschaft genannt hatte, strichen an mir vorbei, gleitend und widerstandslos zogen sie dahin um hinter mir sogleich die Vergangenheit aufzubauen. Was tut ein Mensch, der einen fremden Ort betritt? Er schaut. Ich schaute. Da war ein Bett, ein kleiner Schrank, ein Waschbecken und ein Klo. Das Bett war nicht mehr als ein Rost und eine braune Matratze. Ich setzte mich. Die Federn des viel zu weichen Gestells quietschten, und weil ich nun wirklich nichts Besseres zu tun hatte, hob ich die Matratze an und schaute mir die Federkonstruktion an. Spannend. Ich setzte mich wieder. Das Bett quietschte. Ich schaute. Ich stand auf. Schön der Reihe nach, dachte ich, nur nicht hetzen. Ich hatte Zeit. So viel Zeit.

Der Schrank war aus Holz, einem hellen Holz, vielleicht Tanne. Nein, ein Furnier. Ein einziger Kleiderbügel aus weichem Plastik. Drei Ablageflächen für wenige Kleider. Ich plante das Einräumen. Ersatzhose hier, Unterhemd da. Socken unten, nebenan die Unterhosen. Interessant. Ich drehte mich zum Waschbecken um. Das erste, was ich sah, oder was ich eben nicht sah, war, dass oberhalb des Beckens kein Spiegel hing. Ich hätte mich gerne angeschaut, vielleicht sah ich gar nicht mal so schlecht aus. Bei diesem Gedanken musste ich lachen. Ich lachte herzhaft los, ein hohes, schrilles Lachen, tief aus der Kehle gespuckt. Ich verstummte. Da war ein Wasserhahn, silberfarben, irgendwie sah er unpassend wertvoll aus, handgerecht geformt. Super Standard stand da drauf. Super Standard. Daneben stand ein Glas aus Plastik. Jawohl, aus Plastik. Nun ergab mir alles einen Sinn. Der weiche Kleiderbügel, der nicht vorhandene Spiegel, das Glas aus Plastik. Mit einem starken Eisenhaken eines soliden Kleiderbügels hätte ich Pudel erstechen können. Mit den Scherben eines zerbrochenen Spiegels hätte ich Spürhund die Worte “sieben Jahre Pech” in die Haut ritzen können. Mit den Bruchstücken eines echten Glases hätte ich meine Haftstrafe verkürzen können. Ich war erstaunt über meine Gedanken. So viel Phantasie.

Ich drehte mich um. Das Klo. Eine Schüssel, ohne Brille, ohne Deckel. Wie ein Bahnhofsklo, nur sauber.  Ohne Brille. Wahrscheinlich denken die Hunde, ich könnte mich daran erhängen. Und wieder musste ich lachen. Diesmal ein übertriebenes, grölendes Lachen, das sich bald in ein Brüllen verwandelte und ich konnte mich kaum halten. Ich verstummte. Da kroch etwas an der Wand. Eine Fliege. Ich war also nicht allein in Einzelhaft, dachte ich, und musste mir ein weiteres Lachen verkneifen. Ich schaute die Fliege an. “Hallo”, sagte ich. Nichts. “Hallo”, sagte ich. Nichts. Ich machte eins von diesen unsinnigen Geräuschen, die Eltern oft zu ihren kleinen Kindern machen. “Tsütsütsütsütsü. Tidididididi.” Nichts. Langsam zog ich meinen rechten Schuh aus. Dann den linken. Ich schaute sie an. Ich nahm trotzdem den rechten, fasste ihn hinten an der Ferse, schaute die Fliege an und mit einem verhältnismässig leisen “Plopp” war sie auch schon tot. Sie klebte im Profil meines rechten Schuhs. Vorsichtig versuchte ich sie aus dieser misslichen Lage zu befreien. Versehentlich zupfte ich ihr dabei einen Flügel aus. Den anderen Flügel auch noch. Dann ein Bein. Noch eins. Noch eins. Noch eins. Noch eins. Das letzte. Noch bekümmerter als eine Fliege sonst schon aussieht, klebte jetzt ein Fliegenkopf mit einem Körper ohne Beine und Flügel an der dreckigen Schuhsohle eines Häftlings. Irgendwie traurig. Ich setzte mich.

An der Wand, wo die Fliege ihre letzten Sekunden gelebt hatte, waren Spuren meiner Tat zu sehen. Ein kleiner schwarzer Punkt auf einer grossen, weissen Wand. Das war alles, was vom Leben der Fliege übrigblieb.

Es scheint fast so, dass im Inneren der Menschen der Zwang besteht, sich auf Kosten eines Schwächeren zu bereichern. Grosse Errungenschaften der Geschichte, Paläste, Aquädukte und Pyramiden, zeigen bis heute Reichtum und Macht vergangener Zeit. Doch im Schatten des Ruhms scheidet ein Kleinerer dahin, fast so, als ob für jedes Glück, das jemandem widerfährt, eine anderer um genau gleich viel unglücklicher werden müsste. Zwischen den beiden Geschöpfen entsteht eine Kluft, die grösser und grösser wird, bis sie keines der beiden je wieder überspringen kann. Doch der Kleinere versucht diese offensichtliche Ungerechtigkeit nicht dadurch zu lindern, dass er aus eigener Kraft zum Grossen aufzurücken versucht, sondern nimmt sich in der imaginären Rangliste des Glücks möglichst schnell einen noch schlechter Platzierten, dem die Ungerechtigkeit dann eins zu eins weitergereicht werden kann.

Ich fühlte mich als einzelnes, isoliertes Glied mitten in dieser Kette gefangen. Ich starrte auf den Fleck und fühlte mich plötzlich schuldig der Fliege gegenüber. Ich suchte die leiblichen Überreste zusammen und begann sie wieder zusammen zu setzen, ein Bein da, ein Flügel dort. Doch es entfachte keinen Lebensfunken mehr in ihrem kleinen, geschundenen Körper. Ich fühlte mit ihr, ich fühlte sie und noch viel mehr: Ich fühlte den schwarzen Fleck und ich fühlte es, wie zerdrückt und leblos der Fleck da klebte auf dieser sonst so reinen weissen Wand. Diese Wand, die mir die Sicht in die Freiheit versperrte, die mir klar und deutlich meine Grenzen zeigte. Die mir zeigte wo ich war und wo ich noch lange Zeit unter allen erdenklichen Umständen bleiben würde. Irgendwie schön.

Patti on tour – die Rabenmutter

“Was? Du bist das?”, fragte mich nach der Demaskierung ein Bekannter, “dir hätte ich eine solche rechts-populistische SVP-Einstellung nicht zugetraut!” Nun, weshalb soll es im wahren Leben anders sein als im Blog? Satire wird als Polit-Propaganda missverstanden, Ironie bitterernst genommen und die Fasnacht verkommt scheinbar zur populistischen Selbstdarstellerbühne. Scheinbar. Doch im Freiamt, im Dorf mit der hübschen Rose im Wappen, geht seit Jahren an der Fasnacht eine Krähe (alias Herr Lehrer KEUSCH) mit keusch-braven Schnitzelbänken um.

Nun hat er Konkurrenz bekommen aus dem Osten. Die bösen, bösen Raben aus Rumänien und Bulgarien mit einer Roma-Frau im Schlepptau, welche keinen Anstand hat. Würde sie sonst die (zum Rosinenpicken gedachten) Haferflocken Konfettis gleich in die gediegen gefüllte Dinner-Teller der brav-keuschen Bürgerinnen streuen? Reklamationen gehen zum Glück an den Lehrer, die einzige Krähe, die man kennt. Das andere Gesindel aus dem Osten hat sowieso keine feste Adresse.

10 kleine Rabenvögel kamen aus dem Osten,
doch einer blieb in Bukarest, heja, die Treibstoff- Kosten!

9 kleine Unglücksraben flogen Richtung Westen,
doch einer wollt’ in Tschernobyl noch Frischgemüse testen…

8 freche UnglücksRAABen kamen zu ProSieben
der mit dem grössten Schnabel blieb, da waren’s nur noch 7

7 kleine Krähenvögel besuchten Pontifex
doch einer wird exkommuniziert, da waren’s nur noch 6

6 kleine Rabenkrähen tranken Liebestränke,
doch eine nicht, denn sie blieb KEUSCH* und singt nun Schnitzelbänke.

5 arme Unglücksraben wollten nur ein Bier,
doch Vincent Raven war auch da, da waren’s nur noch 4

4 kleine Wetterkrähen brauchten etwas Bares,
die Schönste mit den Krähenfüssen ward Schweizerin des Jahres!

3 böse Rabenvögel picken in die Schweiz,
einer fand zu viele Rosinen, erstickt an seinem Geiz!

2 nimmersatte Raben flogen ins Freiamt*
sie stehlen euch Erspartes, Wappen, Schmuck, Geld, allesamt!

1 frecher Rabenvogel stiehlt deinen Arbeitsplatz,
und übermorgen liegt er dann im Bett mit deinem Schatz!

Links

Poetry Slam – Was soll das?

Kreuzlingen, irgendwann kurz nach halb acht. Ich bin auf der Suche nach einem Lokal namens Z88, doch alles, was ich in dieser Stadt finde, sind Kreisel. Zum Durchdrehen! Bärenplatz, Löwenplatz, ein ganzer Zoo scheint sich in der städtischen Namensgebung niedergelassen zu haben, doch vor lauter Tieren ist auch mein Orientierungssinn ziemlich auf den Hund gekommen. Endlich taucht ein Schild auf, welches die Passanten freundlich dazu einlädt, sich ins Z88 zu begeben. Hauptstrasse 88. War ja irgendwie logisch. Mit nichts als ein paar zerknitterten Zetteln bewaffnet, betrete ich die Dichterarena des heutigen Abends.

Kaum im Lokal angekommen, erhalte ich unverzüglich meinen Lohn für die folgende Darbietung in die Hand gedrückt: Drei kleine Zettelchen, auf denen Getränkebon steht. Dazu der Hinweis, dass es bei Bedarf noch mehr dieser kleinen Zettelchen gibt. Gut, das leibliche Wohl kommt heute kaum zu kurz. Ich bestelle ein Glas Rotwein, welches die doppelte Menge an Wein enthält, die man sich aus doppelt so teuren Restaurants gewohnt ist, und ich schaue mich um: Ausser den üblichen Slamokraten der Ostschweiz tummeln sich einige Juso-Leute, ein Grüppchen Teenies und ein paar mittelalte, gut angezogene Kunstliebhaber im Barbereich.

Extraschuss Adrenalin
Bald stellt sich heraus, dass sich statt der erwarteten zehn Slammer nur fünf angemeldet haben, von denen jetzt zwei wegen Krankheit ausfallen. Das übliche Turnierverfahren – Zwei Vorrundengruppen und ein Final der drei bis vier Punktbesten – kann nicht durchgeführt werden. Um dem Publikum doch noch eine Show zu bieten, wird eine offene Bühne durchgeführt. Die Standardregeln gelten dennoch: 1. Nur eigene Texte vortragen. 2. Keine Hilfsmittel oder Musikinstrumente benutzen. 3. Der Text darf höchstens 5 Minuten dauern.

Endlich darf ich auf die Bühne. Das kleine bisschen Nervosität, der Extraschuss Adrenalin kommt sogleich, aber gleichzeitig auch die freudige Erwartung des eigenen Textes. Wie werden ihn die Leute aufnehmen? Bekommen sie die Pointen mit? An diesem Abend macht es besonders Spass, die Verse rattern und knattern von der Zunge, der Fluss stimmt und die Leute scheinen ihre Freude daran zu haben. Zum Schluss ein warmer Applaus, der eigentlich schon Lohn genug ist für die einstündige Anreise und das viele Herumkreiseln in Kreuzlingen.

Der kleine Dichterkreis bringt eine grosse Stilvielfalt auf die Bühne. Ob gereimt, in Prosa, ernst, komisch, mit Gestik untermalt oder mit stoischer Ruhe vorgetragen: Im Poetry Slam ist alles erlaubt. Natürlich gibt es bisweilen auch Schläge unter die geschmackliche Gürtellinie, nur muss der Wortschläger auch mit dem Konter des Publikums rechnen, welches einen nicht genehmen Slammer mit schlechten Noten und Zwischenrufen bestrafen darf. Doch an diesem Abend bleibt die Audienz still und aufmerksam während der Auftritte und Noten werden sowieso keine verteilt: Eine faire Sache! Das ist jedoch die Ausnahme.

Opferlamm und Jöö-Bonus
Normalerweise ist Slam unfair. Die Jurymitglieder – zufällig ausgewählte Leute aus dem Publikum – haben weder Lust, objektiv oder vorurteilsfrei zu sein, noch machen sie sich die Mühe, Kriterien für ihre Notengebung festzulegen. Nein, sie wollen bloss unterhalten werden. Sie wollen mitgerissen werden von Wortkaskaden, die über ihre Hörorgane einstürzen und ihre Denkgehäuse überschwemmen. Sie wollen weggefegt werden vom Gedankensturm auf der Bühne. Sie wollen von feinen Ironiestichen gepiekst und vom Hammerwitz erschlagen werden. Der gute Slammer weiss das und packt genügend Nadeln, Hammer und sonstiges sprachliches Werkzeug in seine Texte rein.

Trotzdem gewinnt nicht immer der Beste. Vielleicht wird genau dieser Beste als Erster auf die Bühne geschickt und dem noch etwas trägen Publikum als Opferlamm geschlachtet. Vielleicht hat der Konkurrent sein ganzes Heimatdorf mit an den Slam genommen und diese schreien ihn zum Sieg. Vielleicht kriegt ein jüngerer Teilnehmer den Jööö-Bonus ab und münzt diesen geschickt in Punkte um. Doch auch das weiss der gute Slammer und macht sich nichts draus. Denn auch er oder sie – viele der zungenfertigsten Poeten sind eigentlich Poetinnen – hat eine Ladung Applaus gekriegt und ist von Redefluss und Wortschwall der anderen hin- und weggespült worden. Der Hauptgewinn, eine Flasche Single Malt Scotch Whisky (ausser bei u20-Slams), wird meist auch solidarisch aufgeteilt, damit bei niemandem am nächsten Morgen der Kater aus dem Sack gelassen wird.

Auch in Kreuzlingen neigt sich der Abend seinem Ende zu. Frühzeitig kreisle ich mir meinen Weg zurück um die Bären und Löwen herum in Richtung Bahnhof, wo der Nachtzug bereits auf mich gewartet hat. Auch wenn meine Orientierungsprobleme mich an den nächsten Slam begleiten werden, von der Bühne abhalten lasse ich mich sicher nicht davon.

Für die Agenda


Die nächsten Slams in St.Gallen stehen bereits vor der Tür: Am 14.März in der Grabenhalle und am 25.April im flon.

In Zürich findet am 7. März der 20. Poetry Slam im Schiffbau statt, unter anderem mit Gauner (Berlin), Julius Fischer (Leipzig) und Philipp Reichling (Zürich).

Links

Beim Essen geht es nicht nur ums Essen

Mehr und mehr lebt Lokales im Globalen: Das gelbe M, das in der dunklen Nacht in der Zentrale der Lokalkultur schwebt, zeugt davon ebenso wie die gegenwärtige Situation der globalen Krise auf den lokalen Finanzmärkten. Die Verknüpfungen, die in der Kombination dieser verschiedenartigen Faktoren entstehen, sind es auch, die den  unbewussten Alltag bestimmen: Beim Morgenessen eine Scheibe St. Gallerbrot, Mittagessen beim Fastfood-Riesen, Kaffeepause bei Starbucks und Rösti zum Nachtessen. An diesem Punkt setzt die Bewegung “Slow Food” ein, die ihren Ursprung in Italien hat. Slow Food fördert das Nachdenken über Esskultur, weil die Organisation ihren Mitgliedern zeigen möchte, dass Essen nicht nur aus dem Vorgang besteht, das Essen mechanisch zu verkleinern, sondern, dass ums Essen herum eine ganze Kultur besteht. Die Zubereitung der Speisen gehört da genauso dazu wie eine gesellige Runde. Wer es sich bildlich vorstellen möchte, halte sich einfach das Bild einer stereotypen italienischen Tafelrunde vor Augen.

Eine Einheit: Kochen und Essen

Wendy Parkins und Geoffrey Craig, zwei neuseeländische Forschende, gehen der Bewegung auf den Grund. Mit kulturwissenschaftlicher Methode beschreiben und kommentieren sie die unterschiedlichen Dimensionen des langsamen Lebens: Genannt ist hier schon das langsame Essen, hinzu kommt, was damit zusammenhängt, also Orte des Essens, Kochen von Essen, Esspolitik oder Landwirtschaft – kurz und gut alles, was Interaktionen zwischen Menschen ermöglicht. Auch wenn es die Autoren der Studie nicht so formulieren, könnte man die Slow-Bewegung auf den gemeinsamen Nenner des Verstehens bringen. Einerseits ist da das Verstehen der eigenen Tradition, der Art und Weise wie unsere Grosseltern gelebt, gekocht und gegessen haben. Auf der anderen Seite die Bemühung, die Prozesse der globalisierten Welt zu verstehen. “Slow” zu leben soll nicht bedeuten, keine Stresssituationen zu kennen oder das Flugzeug nicht zu benutzen, weil es zu schnell ist; die Bewegung betont vielmehr den bewussten Umgang mit Zeit: Der Mensch soll selbst auswählen können, ob er schnell oder langsam leben will.

So soll denn auch der Leser des Buches auswählen, wie schnell oder langsam er lesen möchte, was ihn mehr oder weniger interessiert. Nach Lust und Laune kann man sich die Ergebnisse der Studie zu Gemüte führen. So mundet das Buch äusserst gut, wenn man sich in lustvolle Lektüre begibt, weil man über genussvolles Essen lesen will. Die Autoren zeigen einem dabei, was es heisst, bewusst Langsamkeit zu wählen und zeichnen das Bild eines aktiven Lebens.

Zum Buch


"Slow Living. Langsamkeit im globalen Alltag" ist beim Rotpunktverlag in Zürich in der Übersetzung von Monika Noll erschienen. Preis: Ca. 36 Franken.

Links

“Ich mag die Stille nicht”

Wie geht’s Dir?

Heute Abend bin ich ganz ruhig. Es gibt immer dieses Auf und Ab auf der Tour. Mal müde, mal gelassen. Tiefs gibt’s aber nicht wirklich. Nur Phasen, die etwas ruhiger sind.

Du bist bist bekannt als leidenschaftliche Geschichtenerzählerin.

Ich mag einfach die Stille nicht. Ich fange immer an zu plaudern, auch wenn ich auf Parties gehe. Am nächsten Morgen bin ich dann nicht mehr so stolz darauf. Auf der Bühne ist es gleich, ich muss einfach die Stille zwischen den Stücken überbrücken. Da alle Songs in einer anderen Tonlage sind und somit die Instrumente immer wieder gestimmt werden, gibt’s viel Gelegenheit dazu. Über die Geschichten hinter meinen Stücken, beispielsweise, gibt es immer etwas zu erzählen.

Zum Titelstück “Me and Armini” deiner neusten Platte gibt es die unterschiedlichsten Interpretationen. Gemäss deiner Website etwa handelt es von einem fanatischen Fan und der Polizei.

Nein, es geht nicht um die Person. Denn ich schreibe nie über Leute, die mir Angst machen. Das ist verboten. Es war einfach ein Vorfall auf der Tour, da wurden wir verfolgt. Es tut mir sehr Leid für die Person, denn ich weiss nicht wo sie ist. Sie war schizophren oder so was und eine solche Krankheit ist sehr beängstigend. Ich erinnere mich nicht daran, den Song geschrieben zu haben. Wir haben an dem Abend Whiskey getrunken und gejamt und am nächsten Tag war der Song da. Vielleicht kam der Geist der Frau in meinem Whiskey und hat meinen Körper übernommen, um den Song zu schreiben. So eine Art Bodysnatcher.

Ist das deine Art, Songs zu schreiben?

Nein, sonst nie. Ich trinke nicht, wenn ich schreibe. Ich bin einfach da und versuche, in einen Fluss zu kommen um zu schreiben, denn das ist das beste High der Welt. Daneben braucht’s keine Drogen.

Dein aktuelles Album “Me and Armini” ist sehr schnell entstanden.

Ich habe immer Angst davor, mit dem Schreiben anzufangen. Wenn ich aber mal im Studio bin, ist’s in Ordnung. Aber ich benötige viel Zeit, um an diesen Punkt zu gelangen. Diesmal ging’s schneller, da mich Dan [Dan Carey, u.a. ihr Produzent, Musiker, Mixer, Techniker] einfach irgendwo hin mitgenommen hat, eine Woche Oxford, dann eine in Island und mal ein paar Tage in seinem Studio. Wir mussten daher schnell arbeiten, was mir erstaunlich gut gefallen hat. Es hat sich gezeigt, dass das die beste Art ist zu arbeiten. Es gab keine Unterbrüche der Arbeit – beispielsweise wegen einer Nachtpause. Solche Unterbrüche würden nur wieder meine Angst hochkommen lassen.

Wie habt ihr genau gearbeitet?

Dan kommt mit seiner Gitarre, dann suchen wir uns einen Sound und fangen einfach an, ohne zu wissen, was dabei herauskommt. Es entsteht eine Art unbekannter Flow. Ich könnte nicht einfach zu vorgegebener Musik Texte machen, es muss beides gleichzeitig, im Moment, entstehen.

Du hast neue Stile ausprobiert, wie beispielsweise beim Stück “Jungle Drum”.

Ja, das ist Rockabilly. So etwas kann passieren, wenn man einen Song schreibt. Wir lassen die Songs einfach entstehen ohne zu planen, welchen Stil wir gerne hätten. Der Song weiss selbst, was er will und es bringt dann nichts, noch etwas verändern zu wollen. Das wäre ein verlorener Kampf. Ich höre hin und gebe dem Song was er will. Das ist eine tolle Art, Musik zu machen. Ich will mich auch nicht beeinflussen lassen von dem, was die Leute vielleicht mögen könnten, denn es ist mir sehr wichtig, nicht bewusst die Leute mit meiner Musik zu bedienen.

Du hast den Song “Slow” für Kylie Minogue geschrieben, ein eigentlich sehr untypischer Song für dich, so elektronisch und nach Sex klingend.

Nein, das ist sehr meine Art. Ich liebe auch diese Art von Musik. Doch während wir im Studio waren hatten wir einfach nie die Idee oder die Möglichkeit, solche Musik zu machen. Zu der Zeit waren wir einfach sehr müde von der Arbeit zu “Fisherman’s Woman” (Anm. d. Red.: das Vorgänger-Album), denn die Arbeit war sehr emotional. Ich habe Dan gefragt, ob er mit mir diesen Song schreiben würde und wir waren nach einer halben Stunde fertig. Danach haben wir getanzt und waren betrunken. Es war eine tolle Sache, dass es geklappt hat. Jetzt denke ich, dass wir alle Arten von Songs schaffen können, auch beispielsweise eine Heavy Metal Ballade. Solange wir ein Bedürfnis danach haben, ist es wohl in uns drin und kommt dann heraus.

Bist du traurig, dass der Song nicht von dir gesungen wurde?

Nein, ich war total überwältigt, dass der Song überhaupt von irgendjemandem gesungen und veröffentlicht wurde. Ich wurde ja angefragt, einen Song für Kylie zu schreiben. Ich habe einfach nicht erwartet, dass sie ihn mögen würden. Wir haben Monate gefeiert. Und denk mal an den Videoclip mit Kylie Minogue. Wenn ich im Badekleid an einem Pool sitzen würde, wer möchte das schon sehen?

Spielst du den Song jemals live?

Nein, denn es ist ihr Song. Wir werden ihn vielleicht mal in einer Metal Version spielen, doch jetzt habe ich einfach nicht das Bedürfnis dazu. Die Arbeit an dem Song war für mich eine tolle Erfahrung an sich. Uns wurde eine ganz andere Welt gezeigt. Wir bewegen uns selbst eigentlich in einer Welt des Untergrunds und plötzlich sind da Grammys und andere Preise. Ich konnte so mal in diese Welt rein sehen und das hat mir gereicht. Ich bin froh, konnte ich wieder in meine Welt zurück und dabei lernen, was und wohin ich wirklich will.

Du nennst deine Musik einen Mix aus allem was du je gehört hast.

Nicht nur was ich gehört habe, sondern auch alles andere in meinem Leben. Leute die ich getroffen habe, Dinge die ich erfahren und erlebt habe. Die meisten Dinge sind inspirierend, gute und auch schlechte. Es ist ein grosses Gemisch. Leute erwarten von mir, dass ich nur von Musik inspiriert werde, weil ich Musik mache. Das ist für mich aber sicher nicht am wichtigsten, ich höre mir nicht mal viel Musik an. Es sind teilweise ganz kleine Dinge: Bereits ein kleines Wort, dass mich aus dem Loch holen kann, wenn es mir richtig schlecht geht, weil jemand genau das in Worte gefasst hat, was bei mir nicht in Ordnung war, das ist richtig toll.

Links

Vielversprechender Irland-Export

Seit U2 hat es kaum eine andere irische Band im Ausland zum grossen Erfolg gebracht. Dies ändert sich nun mit einer Band aus Dublin namens The Script. Die drei Iren aus dem Guiness trinkenden Städtchen katapultierten sich mit ihrer Hit-Single “We Cry” an die Spitzen der internationalen Hitparaden. Alle Mitglieder der Band wuchsen in ärmlichen Verhältnissen auf. Ihre Karriere hätte auch in den Gefängnissen der Welt enden können. Glücklicherweise fanden alle in der Musik einen Weg sich von der Strasse fern zu halten. “Ich möchte es nicht dramatisieren, aber wir wuchsen in einem Dreckloch auf. Die Musik zeigte mir zum Glück den richtigen Weg” bestätigt Mark Sheehan, Gitarrist der Band.

Stevie Wonder als Vorbild
Danny O’Donoghue und Mark Sheehan kennen sich seit ihrer Schulzeit. Beide wuchsen in der gleichen Gegend in Dublin auf. Damals noch Teenager, waren beide fasziniert von der souligen Musik, die zu dieser Zeit nach Europa kam. “Ich versuchte ganze Platten von Stevie Wonder nachzusingen”, erklärt Leadsänger Danny. Sein Ziel war seine Gesangstechnik möglichst nahe an die von Stevie Wonder zu bringen. Bevor The Script entstand, arbeiteten Danny und Mark als Produzenten. Dass die beiden Talent hatten, stand ausser Frage. Beide wurde in die Vereinigten Staaten eingeladen, um mit einigen ihrer großen Studio-Vorbildern zusammenzuarbeiten, darunter Dallas Austin, Teddy Riley, The Neptunes und Rodney Jerkins. Kurze Zeit später trafen sie den Schlagzeuger Glen Power und gründeten daraufhin die Band The Script.

Den Stil der Band lässt sich nur sehr schwer beschreiben. Man hört Einflüsse von Timbaland bis hin zu U2 und Coldplay. Selber beschreiben die Jungs ihre Musik als “Celtic-Soul”. Ihre Einflüsse kommen von den Neptunes, U2, Timbaland und Van Morrison. Die Debütsingle der Band trägt den Titel “We Cry”. Ein Ohrwurm sondergleichen. “In dem Song gibt es nicht viel Hoffnung, denn nicht jedermanns Leben ist voll davon”, erklärt Danny. “Es gibt nicht immer ein Happy End. Doch trotz all jener Dinge, die in unserem Leben schief laufen, die Botschaft ist letzten Endes: Wir weinen gemeinsam’. Denn so lange wir zusammen sind, werden wir einen Weg finden, die Last gemeinsam zu tragen.”  Ihr Debütalbum schoss in England direkt auf Platz 1. Zürich beehrten sie schon als Vorband von One Republic und als Act am Energy Stars for Free. Am 28. Februar spielen die drei Iren im Volkshaus in Zürich.

Links

Leben im Transit

“Ich bin im Wartesaal geboren”, singen Patent Ochsner, und auf einer Interrail-Reise mit der Eremitin habe ich zum ersten Mal eine Ahnung davon bekommen, was sie damit gemeint haben könnten. Die Eremitin und ich wandelten nämlich einmal auf den Spuren von Homo Faber in Griechenland (das war das Motto unserer Reise), entschieden uns dann aber spontan, Mister Faber für ein paar Tage abtrünnig zu werden und einen kleinen Abstecher nach Istanbul zu machen. Von Thessaloniki aus wollten wir den Nachtzug nach Istanbul nehmen. Aus Athen kommend, erreichten wir Thessaloniki bereits am späteren Nachmittag. Es regnete und auch sonst hatten wir keine besondere Lust, uns die Stadt anzusehen. Es blieb uns also nichts anderes übrig, als im heruntergekommenen Bahnhofsbuffet auf die Abfahrt unseres Zuges zu warten. Wir assen pampige Pommes, rauchten Kette und fühlten uns überhaupt nicht wohl in unserer Haut.

Auf der ganzen Welt sehen Bahnhofsrestaurants genau gleich aus. Es sind heruntergekommene, verrauchte Löcher mit vergilbten Wänden. Sieht so die Vorhölle aus? Die Stammgäste trinken bereits am helllichten Tag Bier, der Tonfall ihrer Unterhaltungen ist ruppig, genauso wie ihr Umgang miteinander. Und wir, mittendrin, fragten uns: Was zieht diesen Menschenschlag rund um den Erdball an diesen Ort des Transits? Bier gäbe es sicher auch in anderen Lokalen im Zentrum. Ist es die Sehnsucht nach einer anderen Welt, im Wissen darüber, der eigenen doch nicht zu entkommen? Dem eigenen Schicksal doch nicht entrinnen zu können?

“Ich bin im Wartesaal geboren”, singen Patent Ochsner und meinen damit wahrscheinlich die Tatsache, dass wir viel zu häufig im Leben darauf warten, dass endlich etwas passiert. Viel zu häufig gewöhnen wir uns an die Komfortzone des Transits, denn sie bietet den Trost des Altbekannten, vermittelt ein Gefühl von Sicherheit. Doch das Warten muss man nicht lernen – aber das Fliehen! Nur allzu leicht vergessen wir, dass wir jederzeit einen Zug besteigen und aufbrechen können, wenn wir des Wartens überdrüssig werden. Alles was zählt, ist die eigene Tat. Für die Eremitin und mich jedenfalls hat sich das Aufbrechen gelohnt: Ohne dass wir es gewusst hätten, erreichten wir Istanbul genau am Morgen des Zuckerfestes, an dem die Muslimen das Ende des Fastenmonats Ramadan feiern. In jedem Laden, den wir betraten, wurden uns Bonbons angeboten und wir sahen fröhliche Familien in ihren besten Kleidern durch den Park spazieren. Ich weiss nicht, wie viele Stunden wir in diesem Park auf der Bank sassen und uns am Anblick dieser gut aussehenden Menschen labten. Als die Rufe aus der Moschee erklangen, fühlte ich mich überglücklich und sehr auserwählt, diesen wichtigen Moment für die Menschen dieses Ortes miterleben zu dürfen und ihre Freude zu teilen.

Links

Szenen, die unter die Haut gehen

Samy Ebneter (19), Gründer des Vereins SAMovie Pictures, gerät schon bei unserem ersten Gespräch ins Schwärmen, als ich ihn auf den anstehenden Dreh im Spital Rorschach anspreche. In seiner Vorfreude kommt auch die Dankbarkeit über diese einmalige Gelegenheit zum Ausdruck: Dass ein Spital kostenlos und ohne erkennbaren Eigennutz seine Türe für ein junges Team öffnet und darüber hinaus eine kompetente Betreuung durch hauseigenes Personal sicherstellt, ist alles andere als selbstverständlich. Sein Gesicht wird jedoch schnell wieder ernst: Das ganze Team wird bei diesem Dreh alles geben müssen, denn am Abend müssen die geplanten Szenen im Kasten sein.

Filmemacher in steriler Kleidung

Deshalb erhalten alle Beteiligten etwa eine Woche vor dem grossen Tag das Drehprotokoll, welches Aufschluss darüber gibt, wer wann und in welchem Outfit zu erscheinen hat. Der Tag ist sauber geplant, damit die begrenzte Zeit auch optimal genutzt wird. Als der Dreh um 7:00 Uhr morgens beginnt, führt uns zuerst ein Mitarbeiter des Spitals in die Umkleide. Da eine Szene im Operationssaal gedreht wird, der nur mit Mütze, Maske und steriler Kleidung betreten werden darf, heisst es für die Schauspieler, Statisten und das Kamerateam erst einmal: Umziehen! Anschliessend werden Schusswunden auf den Rücken von Giacomo D’Errico, der den Patienten spielt, modelliert, während der Spitalmitarbeiter die Schauspieler über die zur Verfügung stehenden Requisiten aufklärt und darüber wacht, dass die Operation so realistisch wie möglich dargestellt wird.

Der Dreh im Operationssaal ist unkompliziert und wird nur kurz unterbrochen, als einer Statistin wegen der lebensnahen Darstellung des chirurgischen Eingriffs schwindlig wird. Dann geht es wieder ans Umziehen, denn die nächste Szene muss in den Gängen des Spitals gedreht werden. Der angeschossene Mafioso soll von Notfallärzten in aller Eile auf der Bahre zum OP geschoben werden. Nachdem die Beteiligten von Samy Ebneter und Kevin Högger auf die Szene vorbereitet worden sind, macht der Spital-Alltag der Regie (vorerst) einen Strich durch die Rechnung: Die für den Dreh benötigte Ambulanz muss wegen einem Notfall ausrücken. “Unvorgesehene Zwischenfälle können immer vorkommen”, meint Samy. “Da muss man improvisieren.” Konkret heisst dies, dass eine für später geplante Szene vorgezogen wird.

Ein eingespieltes Team

Deshalb findet sich der grosse Teil der heute anwesenden Schauspieler, Statisten und die Visagistin im Konferenzsaal für eine Pause zusammen. Die vorgezogene Szene ist vor allem für Anis Rusch äusserst anspruchsvoll, weshalb nur die wirklich benötigten Personen am Set sind. Es herrscht absolute Ruhe, als sie sich mit Kopfhörern in den Ohren in ihre Rolle versetzt: Sie spielt eine Polizistin, deren Kamerad und insgeheim Verehrter gerade erschossen worden ist. Vor ihr liegt der Verbrecher, der aus der gleichen Schiesserei mit dem Leben davon gekommen ist. Als die roten Lämpchen an den Kameras angehen, laufen Tränen über ihre Wangen und eine Gänsehaut über meinen Rücken. Später sind alle Beteiligten erleichtert, dass eine der wohl schwierigsten Szenen des Tages nach ein paar Anläufen zur Zufriedenheit der Regie aufgenommen werden konnte.

Mittlerweile ist es Mittag und ich verlasse nur ungern den Drehort. Es gibt viel zu sehen, zu beobachten und zu lernen. Man bekommt schnell das Gefühl, einem eingespielten Team über die Schulter zu schauen: Jeder nimmt seine Aufgabe ernst, ob Schauspieler, Statist, Kameramann/-frau oder Techniker. Jeder gibt sich Mühe und man arbeitet zusammen und springt nötigenfalls ein. Auch wenn die Beteiligten vorwiegend Jugendliche sind, erledigt jeder seine Arbeit mit grosser Professionalität. Und obwohl es wegen des Zeitdrucks oder wegen unvorhergesehenen Zwischenfällen teilweise hektisch zu und her geht, kommt der Spass an der Sache nie zu kurz. Es lohnt sich also, weiter zu verfolgen, wie es mit “SAMovie Pictures” und ihrem Film “Unknown – The Truth Hurts” weiter geht.

Links

Ein Pflasterstein als Trophäe

Am vergangenen Donnerstag wurde das Kaufleuten in Zürich zum Treffpunkt nationaler und internationaler Musikkünstler. Was für England die Brit Awards und für Amerika die Grammys, das sind für die Schweiz die Swiss Music Awards. Mit dem Überraschungsauftritt des letztjährigen Gewinners Stress und der Premiere seiner neuen Single “Tous les mêmes” wurde der Abend eröffnet. Melanie Winiger und Marco Fritsche führten mit Witz und Charme durch das Programm. Laudatoren wie Carlos Leal, Adrian Stern und Mona Vetsch verstanden es, das Publikum in ihren Bann zu ziehen. Neben der Bekanntgabe der Gewinner war die Show gespickt mit tollen Live-Acts, die das Publikum begeisterten. Gleich mehrere musikalische Premieren wurden an diesem Abend gefeiert: Silbermond performten zum allerersten Mal live ihre neue Single “Irgendwas bleibt” vom bald erscheinenden Album “Nichts passiert”. Damit nicht genug: Plüsch-Ritschi gab sein Debüt als Solo-Sänger mit dem Song “Schisstäg”. Weitere Auftritte folgten von Nek, Seven und den Lovebugs aus Basel. Zum Abschluss bezauberte Amy MacDonald das Publikum mit ihrem Erfolgshit “This is the life”. 

Stefanie Heinzmann konnte sich indes zu den grossen Gewinnerinnen des Abends zählen. Gleich zwei Awards für den Best Newcomer National sowie “Best Song National” durfte die quirlige Walliserin mit nach Hause nehmen. Züri West gewannen sowohl den Award für “Best Live Act National”, als auch für Best Album Pop/Rock National. Amy MacDonalds Reise in die Schweiz dürfte sich auch gelohnt haben. Gleich zwei der begehrten “Pflastersteine” durfte die sympathische Schottin entgegennehmen und verzauberte mit ihrem breiten schottischen Akzent das Publikum. Zu den weiteren Gewinnern gehören Bligg, DJ Antoine, der deutsche Rapper Sido sowie das britische Stimmwunder Leona Lewis. Nach dem offiziellen Teil wurde an der After Show Party ausgelassen weitergefeiert. Wie es zum aussergewöhnlichen Aussehen unseres Musikpreises kam und wie dieser in das häusliche Umfeld integriert werden kann, sorgte nach der Show für reichlich Gesprächsstoff unter den Preisträgern. Während sich Sido den Award in die Auffahrt betonieren will, denkt Bligg über eine Benutzung als einfacher Briefbeschwerer nach. Am Ende des Abends trugen schlussendlich alle Anwesenden ein Stückchen Schweiz mit sich nach Hause und das nicht nur in Form der Auszeichnung. Sido betitelte die Schweiz als seine weltweite Lieblingsstadt und Silbermond haben bereits ihre nächsten Besuche in der Schweiz angekündigt.

Links

Eine Fasnachtsphilosophie

Manche können es kaum erwarten, sich in ein anderes Wesen zu verwandeln. Sie möchten für einen begrenzten Zeitrahmen eine berühmte Person, ein Tier oder einfach nur ein Fantasiewesen sein. Dabei sollen die Mitmenschen erschreckt, überrascht, hinters Licht geführt oder einfach nur amüsiert werden. Das hypothetische Hineinfühlen in das Benehmen der jeweiligen Charaktere muss jedoch nicht zwingend erfolgen. Hinter der Maske als fantastische Gestalt unerkannt zu feiern oder sich nach geraumer Zeit zu offenbaren, beide Verhaltensweisen sind an der Fasnacht erlaubt. Gruppen schweissen sich zu Vereinigungen zusammen, um mit gleichem Motto unter derselben Verkleidung den Fasnachts-Tagen entgegenzutreten. Eine Verwandlung wird vom wahren Fasnachtsfan als notwendig erachtet. Auch wenn man sich während den anderen vier Jahreszeiten entfalten kann, vielleicht kann man es nicht auf dieselbe Art. Die Geselligkeit steht im Vordergrund, ob mit Leuten, die zur selben Spezies der Hippies, Polizisten oder Schweinchen gehören oder mit denjenigen, die man vielleicht gar nicht erkannt hat.

 

Es gibt sie jedoch auch, diejenigen Menschen, die nichts mit fasnächtlichen Bräuchen anfangen können. Sie flüchten sich in ihre eigene Welt, schirmen sich von der Guggenmusik ab, die in ihren Ohren vor allem Krach macht. Sie möchten sich nicht verkleiden, nicht eine andere Person spielen, nicht im fasnächtlichen Treiben untergehen. Doch können sie fasnachtsfreie Zonen aufsuchen, an denen dieselbe Stimmung aufkommt wie bei ihren fasnächtlichen Kollegen? Laut und voller Menschen präsentieren sich die wichtigsten Plätze von Städten in fasnächtlicher Stimmung, aber auch die unter dem Jahr verstaubten alten Bars und Keller erscheinen in einem neuen Licht. Grelle Discolampen verstärken das Glänzen der bunten Fasnachtskostüme. Kritiker würden diesen Ausnahmezustand der Alkoholkonsumation ausgelassener Menschengruppen zuschreiben. Der Alkohol soll die vom Kostüm nicht zum Verschwinden gebrachten Hemmungen abbauen. Doch die fünfte Jahreszeit im Jahr soll gebührend gefeiert werden, bevor wieder der Alltag einkehrt, obwohl die Kopfschmerzen immer noch nicht verschwunden sind.

 

Es sind dabei noch Diejenigen in Vergessenheit geraten, die sich zwar in das fasnächtliche Getümmel wagen, jedoch erkannt bleiben wollen oder sich aus Faulheit oder frei erklärbaren Gründen kein Kostüm suchen. Doch springt der Funke wie ihn der Hard-Core-Fasnächtler erfährt, auch auf die Unverkleideten über? Vielleicht ist der Unterschied, wenn alle schon genug getrunken haben, gar nicht mehr so gross. Die Pauke der Guggenmusik versucht den Herzschlag zu ersetzen, die Luft riecht nach Fastfood und Bier und einige beginnen zu Schwanken. Die Meinungen von Fasnachtsfreaks, Jenen, die sich verweigern und denen, die unverkleidet dabei sind, gehen vermutlich nicht nur in fasnächtlichen Gepflogenheiten auseinander.