Politik | 26.01.2009

Wer kontrolliert meine Daten?

Text von Julian Stiefel | Bilder von Julian Stiefel
Soziale Netzwerke wie Facebook schneiden in unsere Privatsphäre ein, finden Jugendliche. Zudem klagen sie über "schlechte" Online- und Gratismedien. Sie fordern: Der Staat soll die Situation verbessern. Aber ist das sinnvoll?
Die Jugendlichen fragen kritisch: Wie kommen eigentlich die Informationen in die Zeitung?
Bild: Julian Stiefel

Facebook ist für Jugendliche nicht nur eine sorglose Freizeitbeschäftigung. Besonders wenn es um Sicherheit geht, wünschen sich viele eine bessere Privatsphäre auf solchen Onlineplattformen. Sie schlagen vor, dass solche Seiten besser vom Staat überwacht werden sollten. Doch könnte nicht gerade der Staat auch seinen Nutzen aus Benutzerdaten ziehen?  

Daten bleiben über zehn Jahre im Netz

Bei unserem heutigen Surfverhalten muss sich niemand mehr wundern, warum eine solche Menge an Daten über die eigene Person im Internet vorhanden ist. Die meisten Jugendlichen machen sich über das Thema Sicherheit im Netz im Alltag trotzdem kaum Gedanken. Schon die Tatsache, dass jeder Webseitenaufruf Spuren hinterlässt, erstaunt so manchen. Wie viele Daten man bei sozialen Netzwerken zusätzlich angeben will, steht grundsätzlich dem Benutzer offen. Doch muss man sich wundern, wenn fremde Personen an die privaten Daten kommen? Nein. Die wenigsten lesen eine über zehn Seiten lange Geschäftsbedingung vollständig durch.  

Was im Internet einmal veröffentlicht wird, existiert für die nächsten Jahrzehnte und länger. Wir werden sehen wie lange – das Internet ist für die grosse Masse erst seit etwa 20 Jahren zugänglich.

Schutz vor sich selbst

Entgegen der Annahme von uninformierten Benutzern können Daten meist nicht wieder gelöscht werden. Zum einen bietet gerade Facebook eine solche Möglichkeit gar nicht an. Auf der anderen Seite werden dauernd Daten auf weitere Server kopiert. Interessierte sollten sich zum Beispiel die Seite www.archive.org ansehen. Der Verlauf jeder Webseite über die letzten 14 Jahre kann dort betrachtet werden. Eine der Jugendlichen sagt: „Ich weiss, dass Facebook überwacht wird, aber bei Netlog (Anm. d Red.: ein weiteres soziales Netzwerk) weiss ich, dass keine privaten Daten gespeichert werden.“ Die Aussage stösst in der Diskussionsrunde auf Schmunzeln.  

Es sollte eigentlich klar sein, dass das hauptsächliche Problem bei der eigenen Person zu suchen ist. Manchmal geben wir zu viel über uns Preis und wundern uns dann über die Folgen. Viele Jugendliche wünschten sich darum einen „Schutz vor sich selbst“, welcher durch den Staat umgesetzt wird. Aber kann ein solcher Eingriff überhaupt geduldet werden? Der Staat sollte seine Aufgabe eher in der Schulung, Information und Weiterbildung der Eltern und Kinder zum Thema Medien sehen.  

Informationsflut bewältigen

Ein weiterer Konflikt entsteht beim Nachrichtenwesen. Vor allem Jugendliche stossen täglich auf Gratiszeitungen. Oft enthalten diese verfälschte Informationen. Das Problem ist dabei weniger, dass Fakten absichtlichen manipuiert würden, sondern viel mehr die heutige Überflutung mit Informationen. Die professionellen Medienschaffenden haben die Aufgabe, die wirklich wichtigen Informationen aus dieser Informationsflut herauszufischen und allgemein verständlich zu präsentieren. Gratiszeitungen haben es aufgrund ihrer beschränkten finanziellen Mittel schwerer.

Ein Eingriff des Staates zum „Aufbessern der Information“ sollte nicht ohne Bedenken eingeführt werden. Wenn der Staat die Möglichkeit hat, die Artikel vor der Publikation abzuändern, könnte dies unfreiwillig zu einer Zensur des Nachrichtenwesens führen. Eine gut informierte Leserschaft kann eine einseitige, schlechte Zeitung durchschauen und das Problem auf diese Art lösen.