Kultur | 19.01.2009

Verschwommene Grenzen

Text von MZ
Im Museum für Kommunikation in Bern wird jährlich eine Wechselausstellung präsentiert. In der Ausstellung "Goodbye & Hello" vom 17. Oktober 2008 bis 15. Juli 2009 geht es um den Dialog mit dem Jenseits.
Ausstellungsraum, geprägt durch schwarz-weisse Streifen, Fotos: Museum für Kommunikation Bild, das durch die Eingebung Miros entstanden ist Ausstellungsplakat, das einer Handy-Werbung ähnelt

Nachdem in den letzten Jahren im Museum für Kommunikation in Bern die Werbung und Bildmanipulation thematisiert wurden, erforschen die Austellungsmacher im Jahr 2008 und 2009 die Frage nach der Kommunikation mit dem Jenseits. „Nicht erklärbare jenseitige, paranormale Phänomene und ungelöste Rätsel werden aufgegriffen, es werden jedoch keine verbindlichen Erklärungen geliefert“, erläutert Kurt Stadelmann, Projektleiter und Ausstellungskurator. Ziel war es, unfassbare Geschehnisse von möglichst vielen Ansatzpunkten her zu beleuchten, wobei die Frage: „Was ist das Jenseits?“ im Mittelpunkt stand. Zu Beginn der Ausstellung wird man von den Kuratoren Kurt Stadelmann und Beat Gugger auf einer Grossleinwand begrüsst, mit der Geschichte von Zwillingen im Bauch ihrer Mutter, die darüber diskutieren, was nach der Geburt kommt. Der Mensch sucht nach Erklärungen, obwohl Einstein betonte: „Die schönste Erfahrung, die wir machen können, ist die Erfahrung des Unbegreiflichen“.

 

Schwarz-weiss

Schwarz-weisse Streifen durchziehen den gesamten Ausstellungsraum, was ein leichtes Flimmern vor dem Auge auslöst und die Besuchenden verunsichert; eine Ambivalenz, eine Doppeldeutigkeit wie sie auch der Titel der Ausstellung „Goodbye & Hello“ hervorruft. Obwohl das Plakat wie eine Handy-Werbung wirken kann und der Ausstellungsraum eher konventionell aufgebaut ist, hat die Ausstellung ihre Wirkung nicht verfehlt. Kurt Stadelmann betont: „Besucherscharen von Alt bis Jung wie Medienschaffende strömen zur ersten Ausstellung zu diesem Thema in Europa“. Schwarze Telefonhörer leiten den Besucher an unterschiedlichen Kommunikationsformen mit dem Jenseits vorbei: Todesanzeigen, Nachrufe, arme Seelen, die auf ihre Erlösung aus dem Fegefeuer warten, die Kommunikation mit Geistern oder Energien an spiritistischen Sitzungen, wie sie auch Thomas Mann besuchte und in einzelnen Szenen des „Zauberbergs“ verarbeitete. Neben diesen unheimlichen Geschehnissen, bei denen Tische vom Boden abheben oder Musikinstrumente von alleine spielen, führen die Bodenstreifen der Ausstellung zu Telefonhörern, aus denen Stimmen von Verstorbenen vernommen werden oder zu Erscheinungen unbekannter Wesen auf Fernseh- oder Computerbildschirmen wie im Film „White Noise“ (Schreie aus dem Jenseits).

 

Es spukt!

Eine Historikerin schildert ihre Nahtoderfahrung aus einem weiteren schwarzen Telefonhörer – eine Aufzeichnung des Schweizer Fernsehens 1996. Bereits der Künstler Hieronymus Bosch hatte eine Vorstellung vom „Flug zum Himmel“, ein Werk aus dem Spätmittelalter. Wissenschaftler versuchen Nahtoderlebnisse oder auch Stimmen aus dem Jenseits mit biochemischen Vorgängen im Gehirn zu erklären. „Spuk im Hirn?“, wie es der Psychologe Kurt Stimme benennt. Oder Spuk im Haus: Inmitten der Ausstellung wird die Geschichte vom Nationalrat Melchior Joller geschildert; 1862 öffneten sich in seinem Haus Türen, Steine flogen durch die Luft, Möbel fielen um. Dieses Spukhaus in Stans existiert immer noch, fünf Personen – vom Magier bis zum Bauingenieur – versuchen diese Phänomene zu erklären – Spuk oder Intrige? Diese Frage stellt sich auch bei der Entstehung künstlerischer Werke durch die Eingebung verstorbener Talente. Ist der Urheber wirklich aus dem Jenseits? Kurt Stadelmann bemerkt: „Auch für mich erschienen plötzlich rational erklärbare Dinge verschwommen“. Die bisherige Auswertung der Umfrage am Schluss der Ausstellung zeigt auf, dass mehr als die Hälfte von bisher etwa 4000 Besuchern der Ausstellung an Geister glauben und bereits „Spukerfahrungen“ gemacht hatten und mehr als ein Viertel von paranormalen Erlebnissen heimgesucht wurde. Zahlen, die verblüffen.

 

 

Info


Die Ausstellung „Goodbye & Hello“ kann noch bis am 15. Juli 2009 im Museum für Kommunikation in Bern besucht werden.

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