Politik | 26.01.2009

Taumelnde Grossbank

Text von Joël Meier | Bilder von Nathalie Kornoski
2008 beklagte die UBS einerseits einen Verlust von 20 Milliarden Franken und erhielt andererseits staatliche Unterstützung im Wert von 68 Milliarden Franken. Jetzt ist bekannt: Die UBS schenkt ihren Bankern Bonuszahlungen von zwei Milliarden Franken.
Bild: Nathalie Kornoski

Rekapitulieren wir: Die UBS machte schwerwiegende Fehler und verlor sehr viel Geld auf dem amerikanischen Hypothekenmarkt. Um einen Konkurs der Grossbank zu verhindern, kaufte die Schweizerische Notenbank (SNB) der UBS faule Hypotheken in der Höhe von 62 Mia. Franken ab. Zusätzlich erhielt die Grossbank vom Staat einen Kredit über sechs Milliarden. Ein Drittel dieses Geldes geht nun direkt als Bonus an die Mitarbeiter der Grossbank.

Ein solcher Umgang mit Staatsgeld ist heikel. Das Finanz- und Wirtschaftsjahr 2009 sieht alles andere als rosig aus und auch der Abwärtstrend der UBS-Aktie ist – trotz Hilfspaket – ungebrochen. Wenig deutet auf eine baldige Besserung der finanziellen Situation der Bank hin. Die UBS versucht indes, mit tiefgreifenden Schritten ihren Finanzhaushalt wieder ins Lot zu bringen: In zwei Wochen stellt sie Pläne für eine Restrukturierung vor, die unter anderem eine Zusammenlegung der drei Sektoren Wealth Management, Asset Management und Investment Banking beinhalten soll. Laut „Sonntagszeitung“ gibt es auch Gerüchte um einen Doppelrücktritt von VR-Präsident Peter Kurer und CEO Marcel Rohner. Ob diese Massnahmen die heikle Lage der UBS verbessern, wird sich zeigen. Sicher ist: Die zwei Bonusmilliarden für die UBS-Banker helfen nicht. Das Vertrauen der Bevölkerung in die Prestigebank ist hart angeschlagen – frühestens seit den horrenden Abschreibern in der Subprime-Krise und spätestens jetzt. Um eine PR-Katastrophe zu verhindern, verzichten prominente Vertreter des Top-Kaders (Kurer, Rohner und andere) offenbar auf ihren jährlichen Zustupf. Das ist zwar richtig, doch ändert es nichts am lädierten Image der Bank. Es ist schwer nachvollziehbar, wenn eine Bank Staatsgelder als Bonuszahlungen missbraucht.

Fairerweise muss gesagt werden, dass die Steuerzahler bis jetzt noch nicht belastet wurden. Daran ändern auch die grosszügigen Boni vorläufig nichts. Doch der Steuerzahler könnte in naher Zukunft doch noch zur Kasse gebeten werden. Dann nämlich, wenn die UBS und die SNB die „vergifteten“, 62-Milliarden-schweren Hypothekenpapiere verkaufen müssten – für weniger als 62 Mia. Franken. Dieses Szenario ist durchaus möglich. Und dann hätte die jetzige Spendierfreudigkeit der UBS einen direkten Einfluss auf die Portemonnaies der Schweizerinnen und Schweizer.