Gesellschaft | 05.01.2009

Silvestern in der Finanzkrise

Text von Patti On Tour | Bilder von patti-on-tour.ch
Im Zuge der Finanzkrise verändern sich auch die Festgewohnheiten der Banker. Ihre neue Bescheidenheit entpuppte sich zum Glücksfall für Patti On Tour.
Bild: patti-on-tour.ch

Alljährlich stehen junge Menschen in diesem Land vor denselben existenziellen Fragen: Wo findet die abgefahrenste Silvesterparty statt? Wo kann ich mich am stilvollsten volllaufen lassen? Wo finde ich die aufreizendsten Damen und die attraktivsten Herren, welche ich nicht Neujahrmorgens um sieben noch verzweifelt schön saufen muss, da nur noch Schwemmholz an meine Gestade gespült wird? Wo habe ich den besten Blick auf ein bombastisches Feuerwerk? Und wo finde ich alles Genannte möglichst gratis?

Dieses Jahr fällt das Antworten vegleichsweise leicht. Ich suche attraktive, stilvolle Menschen, welche sich auf internationalem Yacht- oder Galasaal-Parkett bestens auskennen? Nichts leichter als das. Fündig werde ich in den Suppenküchen der Bahnhofstrasse und der Wallstreet. Da sitzen die cravattierten Investment-Banker, bekommen eine warme Mahlzeit und dürfen den ganzen Abend gratis Monopoly spielen.

Um Mitternacht gibts eine Tischbombe ohne Boni, dafür mit bunten Bonbons. Daran können sich die Gentleman dann ihr Colgate-Gel-Lächeln aus dem Gesicht beissen. Die Linien weissen Pulvers auf den Tischen stammen von Kriederesten: Die smarten Herren haben sich mit Sternsingen ein kleines Neujahrsgeld verdient.

Man braucht sie weder schön zu saufen, noch durch Alkohol gefügig zu machen: Sie sind froh, wenn sie für die Nacht irgendwo unterkommen können. Allerdings kriegen sie noch nicht mal den kleinen Finger hoch. Die fallenden Kurse sitzen tief: Sie haben schon längst die Unterhose erreicht. Endlich habe ich als übergewichtige Frau auch wieder Chancen: Ich brauche dem gefallenen Banker nur meine steigende Gewichtskurve zu präsentieren und schon steht wieder alles im Lot. Eine solches Wachstum mit gleichzeitiger Expansion in alle Richtungen hat er garantiert schon lange nicht mehr gesehen. Für ein wirklich gelungenes Feuerwerk hingegen empfiehlt sich eine Städtereise. Gute Stehplätze gibt’s kostenlos und mit Adrenalin-Garantie: Man nehme den nächsten Flug, fliege mit Vollgas nach Gaza.

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