Gesellschaft | 26.01.2009

Mittelschulen auf Trab halten

Text von David Weber | Bilder von ETH Zürich
Die ETH-Studie zum Einfluss der Mittelschulen auf ein erfolgreiches Studium will nicht als Ranking gelten. Als solches wird es aber wahrgenommen. Tink.ch-Kolumnisten versuchen, Pro und Contra abzuwägen.
Welche Mittelschulen ebnen den Weg und öffnen die Türen für ein erfolgreiches Studium? Eine Studie soll dies belegen.
Bild: ETH Zürich

Die ETH hat in einer kürzlich veröffentlichten Studie unter anderem untersucht, Absolventen welcher Mittelschule die grösste Chance haben, die ETH-Basisprüfungen zu bestehen. Dargestellt wie ein Ranking haben die Ergebnisse für einigen Sprengstoff gesorgt und werfen die Frage auf, ob man Maturitätsschulen einem solchen Wettbewerbsdruck aussetzten soll oder nicht.

Gründe für ein seriöses Qualitätsmanagement an den Mittelschulen gibt es auch ohne Ranking: Die Schulen stehen sowohl unter der „kritischen Beobachtung der Hochschulen“ (Regine Aeppli im Interview mit dem Tages Anzeiger), als auch unter derjenigen der Eltern und der Kantonsbevölkerung. Die gesetzten Anreize sind jedoch schwach: Weder die Eltern noch die Hochschulen haben schlagkräftige Mittel, die Verhältnisse in den Mittelschulen effektiv zu beeinflussen. Auch die Kantonsbevölkerung kann ihre Meinung nur über ein gelegentliches Finanzreferendum zum Ausdruck bringen. Und das, obwohl sich Schwächen in der Mittelschulführung wie häufige Lehrerwechsel, pädagogisch fragwürdige Unterrichtsmethoden oder mangelhafte Infrastruktur oft stark und ziemlich direkt auf die berufliche Laufbahn der Schüler auswirken können.


„You get what you measure“
Regelmässige Rankings würden die Situation stark verändern. Die Mittelschulen würden systematisch auf ihre Stärken und Schwächen geprüft und verglichen. Alleine die Publizität der Ergebnisse würde die Mittelschulen „auf Trab halten“, den Umfang und die Qualität ihres Angebots weiter zu verbessern. In Kantonen mit freier Schulwahl (wie im Kanton Zürich) besteht zudem das Potential, dass sich das Abschneiden in den Rankings direkt auf die Schülerzahlen niederschlägt. Die kritische Beobachtung der Hochschulen bekäme im Vergleich zur bisherigen Situation ein Vielfaches an Schlagkraft.

Zum Teil werden Bedenken geäussert, ein solcher Qualitätswettbewerb würde sich zu Ungunsten der Schüler auswirken. Soft Skills wie Teamarbeit und emotionale Kompetenz sowie musische Fächer wie Zeichnen und Gestaltung, könnten unter den Tisch fallen, weil ihr Nutzen nicht so evident ist wie bei fachlichen Ausbildungszielen. Die Auswirkungen des Wettbewerbs unter den Mittelschulen hängen massgeblich von der Ausgestaltung der Rankings ab. Nach dem Motto „you get what you measure“ muss eine seriöse Qualitätsbewertung der Maturitätsschulen alle Faktoren einbeziehen, die aufgrund der Bildungsziele für die Qualität der Mittelschulen relevant sind. Insofern ist Regine Aeppli zuzustimmen, dass Maturitätsschulen nicht nur an der Wahrscheinlichkeit, dass ihre Absolventen das ETH-Basisjahr bestehen, gemessen werden sollen, sondern unter anderem an ihrer Infrastruktur, an der pädagogischen Kompetenz ihrer Lehrer und an der Breite und Tiefe ihres Ausbildungsangebots.

Nächste Woche wird sich Tink.ch-Redakteurin Luzia Tschirky in einer Contra-Kolumne darüber äussern, was gegen einen Qualitätswettbewerb spricht.

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