Politik | 26.01.2009

Lösung oder Sackgasse?

Text von MZ
Am 7. Berner Jugend-Grossrats-Tag, am 21. Januar 2009, stellten sich rund 100 Jugendliche die Frage, ob Probleme mit Verboten gelöst werden können.
Das Plenum fand im Grossratssaal des Berner Ratshauses statt. Fotos: Manuela Zeiter Kauz Roman, Huttwil, 17: "Ich möchte, dass das Zusammenleben der Menschen funktioniert, dass die Gesellschaft miteinander und nicht gegeneinander agiert." Isufi Marigona, Bern, 16 und Iseli Seraphine, Bern, 16: "Wir möchten, dass die Jugendlichen mehr Rechte haben." Jeannine Schmutz, Brienzwiler, 15: "Ich will nicht, dass Cannabis legalisiert wird." Die Gruppe Bern Oberland 3 im Gespräch mit GrossrätInnen. Am abschliessenden Apéro gab es alkoholfreie Cocktails.

Rund 100 Jugendliche im Alter zwischen 14 und 20 Jahren trafen sich am 7. Jugend-Grosrats-Tag im Berner Rathaus. Sie wollten der Frage auf den Grund gehen, ob sich Probleme mit Verboten lösen können. Die Jugendlichen hatten an diesem Anlass die Möglichkeit über dieses aktuelle Thema untereinander zu diskutieren und ihre Anliegen und Ideen den GrossrätInnen zu unterbreiten. Die verschiedenen Gesprächsgruppen waren nach Regionen aufgeteilt. Die Gesprächsgruppe Bern Oberland stellte sich zunächst diverse Fragen: „Was sind Verbote?, Halten wir sie ein?, Brauchen wir Verbote?, Gibt es Top- und Flop-Verbote?“ Die Jugendlichen folgerten, dass es Verbote braucht, dass es jedoch auch Verbote gibt, die ihrer Meinung nach nicht sinnvoll sind.

 

Idealzustand Einsicht

Als die Grossräte Hans Rösti und Walter Messerli und die Grossrätin Elisabeth Bregulla eintrafen, konnten die Jugendlichen ihre Folgerungen, die sie aus der vorigen Diskussion schlossen, darlegen. Walter Messerli betonte zunächst, dass Verbote nötig sind, um Freiheiten zu schützen. „Um das gemeinsame Leben zu organisieren, sind Regeln nötig. Obwohl das Verbot eine Einschränkung der Freiheit bedeutet, dient es zugleich dem Schutz der Freiheit des Mitmenschen.“ Alle Jugendlichen dieser Gruppe konnten dieser Meinung zustimmen: Verbote sind nötig und sinnvoll. Doch sie betonten, dass es auch einige Verbote gibt, die widersprüchlich sind oder nicht kontrolliert werden können. Aus diesem Grund forderte ein Jugendlicher: „Ich bin für ein einheitliches Rauchverbot, denn es ist widersprüchlich, dass man zwar ab 16 Jahren Zigaretten kaufen kann, dass es jedoch erst ab dem 18. Altersjahr erlaubt ist, zu rauchen.“

 

Eine weitere Forderung war: „Es soll mehr in alkoholfreie Bars investiert werden und das Personal in Pubs soll vermehrt kontrolliert werden bezüglich dem Ausschank von Alkohol an Jugendliche.“ Die Grossräte betonten, dass es sehr wichtig sei, dass Verbote sanktioniert werden, doch dass dies nicht bei allen Verboten gleich möglich ist. Zudem versuchten sie den Jugendlichen zu erklären, dass vermehrte Kontrollen auch ein finanzielles Problem seien. Hans Rösti beteuerte, dass von den Jugendlichen auch eine gewisse Selbstdisziplin verlangt wird. Walter Messerli fügte noch hinzu: „Der Idealzustand ist die Einsicht, somit wären gar keine Verbote nötig.“

 

Verantwortung der Eltern

Ein Verbot hat nur einen Wert, wenn es durchsetzbar ist. Eine weitere Forderung der Jugendlichen war: „Menschliche Vergehen, wie z.B. Alkholmissbrauch, sollen vor allem mit Geldbussen bestraft werden, da diese stärker von einem weiteren Vergehen abhalten können.“ Doch Jugendliche mit viel Taschengeld werden eher von Sozialstunden abgeschreckt als von Geldbeträgen. Es zeigte sich eine klar restriktive Haltung in der Gruppe Bern Oberland. Auch im Plenum wurde weiterhin betont, dass es gewisse Reglementierungen braucht. Auch hervorgehoben wurde: „Die Verantwortung der Eltern den Kindern und Jugendlichen gegenüber spielt eine wichtige Rolle.“ Weitere Forderungen des Plenums waren: „Jugendliche sollen die Möglichkeit haben, das gesellschaftliche Leben mitzugestalten, deswegen fordern wir ein Stimmrecht ab 16 Jahren.“ „Die Jugendlichen sollten bezüglich den Gefahren von Drogen und Alkohol besser aufgeklärt werden. Zudem sollen mehr Möglichkeiten offeriert werden, keinen Alkohol zu konsumieren wie z. B. mit alkoholfreien Cocktails.“

 

Bezüglich der Ausgangssperre betonte eine Gruppe Jugendlicher: „Vor allem die Eltern sollten sich in diesem Bereich mehr durchsetzen.“ Das Schlusswort des Justiz-, Gemeinde- und Kirchendirektors Christoph Neuhaus begann mit dem Versprechen: „Verbot langer Reden“. Er betonte, dass das Thema Verbote den Nerv der Zeit trifft. Er schloss mit folgenden Worten ab: „Verbote haben immer zwei Seiten; z. B. ist ein Nachtleben erwünscht, jedoch auch eine angenehme Nachtruhe. Mit Verboten können nicht alle Probleme gelöst werden. Der Reiz, Verbote zu übertreten, wird immer bestehen bleiben“.

 

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