Kultur | 12.01.2009

Fairer Handel schon für Kinder

Obwohl einem der Wind vor den Supermärkten eisig um die Nase weht, ist der Anblick frischer Früchte auch zu dieser Jahreszeit eine Alltäglichkeit geworden. Die Globalisierung macht es wieder einmal möglich, dass unsere Welt immer kleiner wird. Zumindest was die Reisezeiten betrifft.
Stephan Sigg mit Janic Halioua alias Nico.
Bild: terrafair.org Das liebevoll gestaltete Cover des Kinderhörspiels.

Denn in vielen Dingen sind die Unterschiede zwischen der westeuropäischen Welt und Drittweltländern immer noch riesig. Ecuador liegt eben doch nicht um die nächste Strassenecke, weswegen die Ausbeutung der Menschen und der Natur besser mit dem Gewissen vereinbar sind als die Ausbeutung in nächster Nähe.

Sprechende Banane

Im letzten November ist zum Thema „Fairer Handel“ das Hörspiel „Nico und d’Früchtekönigin“ für Kinder zwischen fünf und elf Jahren erschienen. Als zukünftige Konsumentinnen und Konsumenten ist es richtig, sie für die Thematik zu sensibilisieren. Man lernt nicht nur etwas über diese Welt, auch ein wenig Fantasie schenkt die sprechende Banane der Geschichte. In der Regel sind die darin vorkommenden Früchte ja schweigsam, obwohl sie sprechen könnten. Nico aber hat Glück, eine kennenzulernen, die gerne und viel erzählt. Am meisten über glückliche und unglückliche Bananen.

Konservative Rollen

Die Realität wird auf keine Weise beschönigt. Die Arbeitsbedingungen der Bauern oder auch die Verwendung von hochgiftigen Pestiziden auf den Plantagen sind Teil des Hörspiels. Ein grosses Lob gebührt an dieser Stelle dem Hauptsprecher Janic Halioua. Wirklich einfühlsam leiht er Nico auf dem Weg zu einem nachhaltigen Konsumenten seine Stimme. Auch die anderen Sprecher erfüllen ihre Aufgabe gut. Einzig die Rolle des Vaters hätte einem älteren Sprecher verliehen werden sollen, merkt man doch nur schlecht, dass es sich bei der sehr knabenhaften Stimme um einen Erwachsenen handeln soll. Die Einbettung des an sich sehr düsteren Themas in den Alltag eines durchschnittlichen Jungen in der Schweiz gelingt dem Autor Stephan Sigg sehr gut. Obwohl die Rollenverteilung noch sehr konservativ anmutet und zeitweise an Geschichten aus dem Religionsunterricht erinnnert. Der Schreiber ist mit seinen 25 Jahren noch sehr jung und hat mit diesem Projekt so einige Dinge geschafft. Ein Hauch mehr Kreativität hätte dem Werk trotzdem nicht geschadet. Doch man merkt, dass sehr viel Liebe und Zeit in die CD investiert worden sind. Sowohl das Layout als auch die Texte des beiliegenden Heftchens sind sehr ansprechend.

Fehlende Verbindung

Zu Beginn und Schluss ertönt die Musik eines ebenfalls noch sehr jungen Kreativschaffenden. Der Musiker Dan aus Abtwil SG hat mit seinem poppig, flockigen Lied „Schritt um Schritt“ zwar ein schönes Stück Musik geschaffen, aber der Zusammenhang zum vorliegenden Werk ist nicht wirklich offensichtlich. Alles in allem ist das Hörspiel als gelungen zu betrachten. Die Organisaiton „Terrafair“, die hinter der Produktion steckt, hat sich alle Mühe gegeben, dass unsere Gesellschaft einen weiteren Schritt in die richtige Richtung macht. Hier wäre vermutlich der Sinn und Zweck der musikalischen Untermalung zu suchen. Hoffen wir, dass die momentanen Engpässe in den Portemonnaies die Leute nicht bei den falschen Dingen sparen lassen.

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