Politik | 12.01.2009

Ein neuer Krieg

Text von Joël Meier | Bilder von Nathalie Kornoski
Der Konflikt zwischen Israel und der Hamas ist erneut entfacht. Doch was waren Israels Motive für den Angriff am 27. Dezember? Und was könnten die nächsten Schritte sein?Ein Kommentar.
Bild: Nathalie Kornoski

Seit fast drei Wochen wütet im Gazastreifen ein Krieg, von dem palästinensische Zivilisten sagen, er sei der heftigste seit Langem. Am 27. Dezember warf die israelische Luftwaffe 100 Tonnen Sprengmaterial auf unzählige palästinensische Ziele und markierte so den Startschuss zu bitteren Gefechten. Die Offensive erreichte eine neue Dimension, als am dritten Januar Bodentruppen in den Gazastreifen einmarschierten. Über 850 Palaestinenster – fast zwei Drittel davon Zivilisten – kamen bisher ums Leben, rund ein Dutzend israelische Soldaten starben.

 

Das Recht auf Verteidigung

So erschreckend die Brutalität und Unnachgiebigkeit Israels ist, die Motive für einen Angriff auf Hamas-Kämpfer sind nachvollziehbar. Seit 2003 feuert die islamistische Hamas praktisch pausenlos Kassam-Raketen auf Südisrael, hauptsächlich die Städte Sderot und Aschkelon. Auch offizielle Waffenstillstände hatten keinen Einfluss auf die kontinuierliche Bombardierung der israelischen Städte. So auch nicht die letzte Waffenruhe, die im vergangenen Sommer in Kraft trat.

 

Israel hat das Recht, seine Zivilisten vor Raketenbeschüssen zu bewahren. In welchem Ausmass und mit welchen Mitteln Israel dieses Recht einfordern sollte, ist jedoch immer wieder Thema heftiger (internationaler) Disskusionen. Ist ein Abschreckungskrieg, wie die israelische Armee die jetztigen Gefechte nennt, legitim? Kann Israel die Offensive mit dem Argument rechtfertigen, ein besonders harter und flächendeckender Schlag schwäche die Hamas nachhaltig – und gleichzeitig dermassen hohe zivile Opfer in Kauf nehmen?

Keine Perspektive

Israel muss gegen terroristische Anschläge militärisch vorgehen. Der Vergeltungsschlag, den Israel im Moment durchführt, ist jedoch unproportional. Die moderne und äusserst schlagkräftige Armee Israels hat in den letzten Tagen nicht nur Quartiere der Hamas angegriffen. Der Beschuss von Schulen, Wohnblöcken, Turnhallen und sogar Kindergärten scheint – auch wenn diese Gebäude bisher oft leer waren – unfassbar.  Eine bessere Lösung wäre, die nördlichen Gebiete des Gazastreifens systematisch zu durchkämmen, um die Abschussstandorte der Raketen gezielt zu besetzen. Weiter muss der florierende Waffenschmuggel eingedämmt werden – besonders in Rafah, der Grenzstadt zu Ägypten. Eben da müssen zu Kriegszeiten die humanitären Hilfsgüter und zivile palästinensische Fluechtlinge durchgelassen werden. Allerdings sieht es so aus, als seien in Zukunft weder militärische noch diplomatische Erfolge zu erzielen. Die Perspektivenlosigkeit des Nahostkonflikts ist besorgniserregend und traurig.