Gesellschaft | 05.01.2009

Das beste Stück der Frauen

Text von Edith Truninger | Bilder von Stefan Wallimann.
Handtaschen müssen ganz schön viel beherbergen. Im Fall der Amazone zum Beispiel ein halbes Bücherregal, eine Vorratskammer und ein Spiegelschrank.
Bild: Stefan Wallimann.

Sie sind entweder zu gross oder zu klein, zu hängend oder zu flach, so richtig zufrieden sind wir jedenfalls selten mit dem, was wir haben. Die Rede ist vom besten Stück der Frau: Ihrer Handtasche. Eine Frau und ihre Handtasche bilden eine unzertrennliche Einheit, sie sind miteinander verwachsen, einander Treu ergeben, bis dass der Tod sie scheidet. Mir ist schleierhaft, wie Männer ohne eine Handtasche durchs Leben kommen, ganz ehrlich. 

Erste und wichtigste Faustregel: Eine Handtasche sollte – das Wort verrät es eigentlich bereits – handlich sein. Frauen wie wir haben allerdings selten handliche Täschchen. Schliesslich muss man für alle Eventualitäten des Lebens vorbereitet sein! Meine Handtasche ist Pult, Bücherregal, Vorratskammer und Spiegelschrank in einem. Oder jedenfalls eine konzentrierte Form davon. So kommt es vor, dass ich ziemlich viel Gewicht durch die Gegend schleppe. Und es kann auch vorkommen, dass ich nicht auf Anhieb ins richtige Abteil greife. Dann suche ich den Leuchtstift in der Küche oder die Lippenpomade im Büro. Sprich: Ich suche mich dumm und dämlich. Meistens ist es in der Handtasche auch noch so dunkel wie in einem Kuhmagen, was die Suche auch nicht unbedingt erleichtert. Wie viele Stunden ich schon damit zugebracht habe, in meiner Tasche herumzuwühlen! In dieser Zeit hätte ich bestimmt einen Roman schreiben oder die Welt retten können. Eines steht jedenfalls fest: Ich hätte etwas Sinnvolleres tun können.

Mitunter kann sich auch ziemlich Privates in diesem Beutel aus Leder verbergen. Das ist auch der Grund, weshalb der Anstand es Männern verbietet, in der Handtasche einer Frau herumzuwühlen. Auch wenn darin ein Handy piepst! Und dazu gibt es eine sehr lustige Geschichte. Vor Jahren, als Lockenkopf soeben mit ihrem jetzigen Freund zusammen kam und sie ihn uns – eine delikate Angelegenheit – vorstellen wollte, sitzen vier Amazonen am Boden des Wohnzimmers und breiten in einem Anflug von Rührseligkeit den Inhalt ihrer Handtaschen voreinander aus. Ich kann mich nicht mehr daran erinnern, was uns dazu bewog, aber wir waren sehr angetan von unserem kleinen Spielchen. Dem neuen Freund der fünften im Bunde war es einfach nur furchtbar peinlich. Er hätte uns wohl gerne erst einmal so kennen gelernt, ohne dass wir gleich unser Innerstes vor ihm ausgebreitet hätten.

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