Gesellschaft | 20.01.2009

„Dann doch lieber YouTube“

Text von Patti On Tour | Bilder von Patti On Tour
"Wir entwickeln uns zu einem Volk von Masturbierenden", sagte einst ein Aufklärungspionier. Patti On Tour scheint - zumindest diesbezüglich - ziemlich aufgeklärt zu sein.
Bild: Patti On Tour

Es ist unerhört unglaublich, was man heute so alles im Netz bewerkstelligen kann. Meine sozialen Kontakte laufen über Facebook, meine Aufträge generiere ich über unterhalter.ch oder meine Homepage, meine Anerkennung hole ich mir mit Blog-Schreiben, Unterhaltung gibt’s auf Youtube und wenn ich mal Sex brauche… nunja, mehr Varietäten und Perversionen dieser schönsten Nebensache gibt’s wahrscheinlich nirgendwo sonst. Und alles gratis.

„Wir entwickeln uns zu einem Volk von Masturbierenden“, sagte Oswalt Kolle, der niederländisch-deutsche Aufklärungspionier.

Wie wahr. Wenn Masturbieren als Synonym für das Ersetzen von Interaktionen durch autonomes Handeln verstanden wird, dann stimmt das bei mir völlig.
Insofern masturbiere ich mich durchs Studium, indem ich mir Vorlesungsskripte von der Institus-Homepage und Quellen von Gutenberg herunterlade. Sich einen runterholen gewinnt eine ganz neue Dimension. Soll ja auch gut sein gegen Langeweile, diese Selbstbefriedigung. Oder als Ausweichmanöver, wenn man eigentlich Wichtigeres zu tun hätte. Hier finde ich ebenfalls eine vollkommene Analogie. Ich Onanier mir ein bisschen universitäres Wissen rein, und das freiwillig. Obwohl ich eigentlich eine Aufgabe in meiner Kernkompetenz zu erledigen hätte: Dumm schnurre und damit Geld verdienen. Mein Comedy-Programm, das in wenigen Tagen stehen und eine kleine Vorpremiere in geschlossener Gesellschaft feiern sollte, klebt harzig zwischen den Ganglien und den Tasten. Möglicherweise eignen sich Inhalte, welche für ein Publikum bestimmt sind, einfach nicht für Masturbation und sind deshalb äusserst unbefriedigend. Vielleicht sollte ich mal vor dem Spiegel üben. Das soll ungemein erregend sein. Im Falle eines Comedy-Programms ist es allerdings eher peinlich. Vor allem für mich als Fremdschämerin (geht auch beim eigenen Spiegelbild). Dann doch lieber Youtube.

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