Sport | 31.01.2009

„Als ich das erste Mal boardete, holte ich mir einen Muskelriss“

Text von Karin Reinhardt
Ursina Haller ist Profisnowboarderin und studiert gleichzeitig an der Universität Zürich Politikwissenschaften sowie Staats- und Völkerrecht im 9. Semester. Im Interview erzählt die 23-Jährige mehr über ihr Doppelleben.
Ursina Haller: "Snowboarden ist für mich ein Lebensabschnitt, auf den ein anderer Folgen wird." Fotos: www.k2snowboarding.com Anfangs gings noch nicht so hoch hinaus: Beim ersten Mal Snowboarden holte sich Ursina Haller einen Muskelriss.

Tink.ch: Ursina, was bedeutet Dir das Snowboarden? Ist es für Dich noch Leidenschaft oder mittlerweile halt nur ein Job?

Ursina Haller: Snowboarden bedeutet mir unglaublich viel. Ich verbinde damit viel Freude an der Sache selbst, unvergessliche Erlebnisse, unzählige Freundschaften und ein Lebensgefühl. Wenn mit einem Job vergleichbar, dann nur mit einem sehr tollen!

Du studierst an der Uni Zürich. Wie bringst Du das Snowboarden und das Studieren unter einen Hut?

Gleichzeitig Snowboard zu fahren und zu studieren ist eine Herausforderung. Wichtig ist eine gute Zeiteinteilung – ich plane das Jahr immer sehr genau und teile mir ein, wann ich Snowboarde und wann Zeit zum Lernen ist.

Warum studierst Du? Ist es Dir einfach wichtig, eine „richtige“ Ausbildung zu haben oder ist es in der Schweiz nicht möglich, als Snowboarderin zu überleben?

Ich studiere in erster Linie aus Interesse, obwohl es mir natürlich auch sehr wichtig ist, eine gute Ausbildung zu haben. Snowboarden stellt für mich einen wichtigen Lebensabschnitt dar, auf welchen aber irgendwann wohl auch ein anderer folgen wird. Und da wird eine entsprechende Ausbildung sicher gelegen kommen.

Wie bist Du zum Snowboarden gekommen? Kannst Du Dich noch an Dein „erstes Mal“ auf dem Brett erinnern?

An meinen ersten Tag auf dem Snowboard kann ich mich sogar sehr gut erinnern. Ich habe es tatsächlich fertig gebracht, mir damals gleich einen Muskelriss im Oberarm zu holen. Ich habe aber durchgehalten, es nach einer kurzen Verletzungspause erneut versucht und seither ist das Snowboard ein treuer Begleiter in meinem Leben.

Was war Dein grösster Erfolg bisher? Wie gut bis Du?

Schwierig zu sagen. Ich war Juniorenweltmeisterin, Vize-Schweizermeisterin und habe die letzte Saison mit dem 10. Rang im Gesamtweltcup beendet.

Was sind Deine nächsten Ziele beim Snowboarden und an der Uni?

Im Moment stecken wir mitten in der Saison und ich konzentriere mich hauptsächlich auf das Snowboarden. Ich habe an der Weltmeisterschaft teilgenommen, werde noch einige Weltcups fahren und hoffentlich möglichst viele Fortschritte im Snowboarden machen. Im Studium habe ich mir vorgenommen, bis im Sommer die letzten Lehrveranstaltungen abzuschliessen, um dann bald mit der Lizenziatsarbeit beginnen zu können.  

Viele Sportler lassen sich „fit spritzen“, wie stehst Du dazu?

Ich habe mir vor drei Jahren das Kreuzband gerissen – eine ziemlich mühsame Angelegenheit, welche mir aber ermöglichte, viel im Studium nachzuholen. Damit ich fit bleibe bin ich oft im Fitnesstudio anzutreffen und versuche auf gesunde Ernährung zu achten. Mit „Fit spritzen“ lassen habe ich aber gar nichts am Hut!

Snowboarden hat sich als ernstzunehmende Sportart etabliert. Dennoch haftet euch das Klischee der verhängten Kiffer und ewigen Partymacher noch an. Wie siehts wirklich aus?

In der Profiszene bestätigt sich dieses Klischee  nicht – das Niveau ist enorm hoch und wenn man vorne mithalten will, muss man sich auf das Snowboarden selbst konzentrieren. Natürlich wird dann auch ab und zu gefeiert, aber immer erst nach den Events und wohl nicht ganz so wild wie es immer heisst.

Du bist ständig auf Achse. Kommen Familie und Freunde dabei nicht zu kurz?

Ich bin sehr oft unterwegs. Wir reisen meistens mit dem Schweizer Nationalteam, welches für mich mittlerweile wie eine kleine Familie ist. Ein Alltag zu beschreiben ist sehr schwierig, denn wir sind jeweils nur für sehr kurze Zeit am selben Ort und jeder Tag verläuft etwas anders. Ich versuche aber, stets via Internet mit Familie und Freunden in Kontakt zu bleiben, egal wo ich gerade bin.

Manuela Pesko gab ihren Rücktritt bekannt. Was bedeutet das für Dich?

In erster Linie bedeutet Manuelas Rücktritt, dass mir eine gute Freundin unterwegs fehlen wird.

Und auf der sportlichen Ebene?

Manuela war das Zugpferd in unserem Frauenteam. Mit Ihrem Rücktritt treten wir anderen Mädels nun wohl etwas aus Ihrem Schatten. Damit wächst aber auch  unsere Verantwortung, was den sportlichen Erfolg angeht.

Ist sie für Dich auch ein Vorbild? Hast Du andere Vorbilder?  

Gerade sportlich kann man Manuela sicher einiges abgucken. Sie hat diesen Sport mit einer unglaublichen Professionalität betrieben und hat eine enorme Erfahrung. So bin ich immer froh um ihre Ratschläge. Ein sportliches Vorbild in dem Sinn habe ich nicht. Aber genauso wie es in anderen Lebensbereichen Menschen gibt, die mich inspirieren, gibt es im Snowboarden verschiedene Fahrer, deren Leistung ich bewundere und mir gerne als Vorbild nehme.

Dein Bruder boardet auch erfolgreich. Wie ist euer Verhältnis als Sportler? Gibt es einen Konkurrenzkampf?

Wir haben auf allen Ebenen ein sehr gutes Verhältnis und sehen es als Vorteil, dass wir beide den selben Sport betreiben. Wir kennen uns in der Welt des anderen aus und können uns entsprechend gegenseitig unterstützen. So gibt es denn auch kaum ein Konkurrenzkampf – was aber sicherlich auch daran liegt, dass Frauen- und Männersnowboarden zwei sehr unterschiedliche Angelegenheiten sind.

Ohne die gehts nicht


Ursina Haller wird gesponsert von den Marken Vans, Oakley, K2, Eleven und Grenade sowie von Engadin St.Moritz Mountains.

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