“Als ich das erste Mal boardete, holte ich mir einen Muskelriss”

Tink.ch: Ursina, was bedeutet Dir das Snowboarden? Ist es für Dich noch Leidenschaft oder mittlerweile halt nur ein Job?

Ursina Haller: Snowboarden bedeutet mir unglaublich viel. Ich verbinde damit viel Freude an der Sache selbst, unvergessliche Erlebnisse, unzählige Freundschaften und ein Lebensgefühl. Wenn mit einem Job vergleichbar, dann nur mit einem sehr tollen!

Du studierst an der Uni Zürich. Wie bringst Du das Snowboarden und das Studieren unter einen Hut?

Gleichzeitig Snowboard zu fahren und zu studieren ist eine Herausforderung. Wichtig ist eine gute Zeiteinteilung – ich plane das Jahr immer sehr genau und teile mir ein, wann ich Snowboarde und wann Zeit zum Lernen ist.

Warum studierst Du? Ist es Dir einfach wichtig, eine “richtige” Ausbildung zu haben oder ist es in der Schweiz nicht möglich, als Snowboarderin zu überleben?

Ich studiere in erster Linie aus Interesse, obwohl es mir natürlich auch sehr wichtig ist, eine gute Ausbildung zu haben. Snowboarden stellt für mich einen wichtigen Lebensabschnitt dar, auf welchen aber irgendwann wohl auch ein anderer folgen wird. Und da wird eine entsprechende Ausbildung sicher gelegen kommen.

Wie bist Du zum Snowboarden gekommen? Kannst Du Dich noch an Dein “erstes Mal” auf dem Brett erinnern?

An meinen ersten Tag auf dem Snowboard kann ich mich sogar sehr gut erinnern. Ich habe es tatsächlich fertig gebracht, mir damals gleich einen Muskelriss im Oberarm zu holen. Ich habe aber durchgehalten, es nach einer kurzen Verletzungspause erneut versucht und seither ist das Snowboard ein treuer Begleiter in meinem Leben.

Was war Dein grösster Erfolg bisher? Wie gut bis Du?

Schwierig zu sagen. Ich war Juniorenweltmeisterin, Vize-Schweizermeisterin und habe die letzte Saison mit dem 10. Rang im Gesamtweltcup beendet.

Was sind Deine nächsten Ziele beim Snowboarden und an der Uni?

Im Moment stecken wir mitten in der Saison und ich konzentriere mich hauptsächlich auf das Snowboarden. Ich habe an der Weltmeisterschaft teilgenommen, werde noch einige Weltcups fahren und hoffentlich möglichst viele Fortschritte im Snowboarden machen. Im Studium habe ich mir vorgenommen, bis im Sommer die letzten Lehrveranstaltungen abzuschliessen, um dann bald mit der Lizenziatsarbeit beginnen zu können.  

Viele Sportler lassen sich “fit spritzen”, wie stehst Du dazu?

Ich habe mir vor drei Jahren das Kreuzband gerissen – eine ziemlich mühsame Angelegenheit, welche mir aber ermöglichte, viel im Studium nachzuholen. Damit ich fit bleibe bin ich oft im Fitnesstudio anzutreffen und versuche auf gesunde Ernährung zu achten. Mit “Fit spritzen” lassen habe ich aber gar nichts am Hut!

Snowboarden hat sich als ernstzunehmende Sportart etabliert. Dennoch haftet euch das Klischee der verhängten Kiffer und ewigen Partymacher noch an. Wie siehts wirklich aus?

In der Profiszene bestätigt sich dieses Klischee  nicht – das Niveau ist enorm hoch und wenn man vorne mithalten will, muss man sich auf das Snowboarden selbst konzentrieren. Natürlich wird dann auch ab und zu gefeiert, aber immer erst nach den Events und wohl nicht ganz so wild wie es immer heisst.

Du bist ständig auf Achse. Kommen Familie und Freunde dabei nicht zu kurz?

Ich bin sehr oft unterwegs. Wir reisen meistens mit dem Schweizer Nationalteam, welches für mich mittlerweile wie eine kleine Familie ist. Ein Alltag zu beschreiben ist sehr schwierig, denn wir sind jeweils nur für sehr kurze Zeit am selben Ort und jeder Tag verläuft etwas anders. Ich versuche aber, stets via Internet mit Familie und Freunden in Kontakt zu bleiben, egal wo ich gerade bin.

Manuela Pesko gab ihren Rücktritt bekannt. Was bedeutet das für Dich?

In erster Linie bedeutet Manuelas Rücktritt, dass mir eine gute Freundin unterwegs fehlen wird.

Und auf der sportlichen Ebene?

Manuela war das Zugpferd in unserem Frauenteam. Mit Ihrem Rücktritt treten wir anderen Mädels nun wohl etwas aus Ihrem Schatten. Damit wächst aber auch  unsere Verantwortung, was den sportlichen Erfolg angeht.

Ist sie für Dich auch ein Vorbild? Hast Du andere Vorbilder?  

Gerade sportlich kann man Manuela sicher einiges abgucken. Sie hat diesen Sport mit einer unglaublichen Professionalität betrieben und hat eine enorme Erfahrung. So bin ich immer froh um ihre Ratschläge. Ein sportliches Vorbild in dem Sinn habe ich nicht. Aber genauso wie es in anderen Lebensbereichen Menschen gibt, die mich inspirieren, gibt es im Snowboarden verschiedene Fahrer, deren Leistung ich bewundere und mir gerne als Vorbild nehme.

Dein Bruder boardet auch erfolgreich. Wie ist euer Verhältnis als Sportler? Gibt es einen Konkurrenzkampf?

Wir haben auf allen Ebenen ein sehr gutes Verhältnis und sehen es als Vorteil, dass wir beide den selben Sport betreiben. Wir kennen uns in der Welt des anderen aus und können uns entsprechend gegenseitig unterstützen. So gibt es denn auch kaum ein Konkurrenzkampf – was aber sicherlich auch daran liegt, dass Frauen- und Männersnowboarden zwei sehr unterschiedliche Angelegenheiten sind.

Ohne die gehts nicht


Ursina Haller wird gesponsert von den Marken Vans, Oakley, K2, Eleven und Grenade sowie von Engadin St.Moritz Mountains.

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Zwischen Björk und Kylie Minogue

Im vergangen September ist Emiliana Torrinis fünftes Album mit dem Titel “Me and Armini” erschienen. Nach knapp vier Jahren Abwesenheit wird sie am 16. Februar wieder in Zürich zu sehen und zu hören sein. Das  schummrig/intime Mascotte verspricht ein spannendes Konzert. Spannend – und einzigartig. Emiliana Torrini wird immer wieder mit Björk, ihrer exzentrischen Kompatriotin, verglichen, zumal diese ebenfalls bei One Little Indian unter Vertrag ist. Torrini klingt jedoch nicht wie ihre berühmte Kollegin und schätzt den Vergleich auch nicht. Dafür lässt sich eine Reihe anderer berühmter Namen mit der Sängerin in Verbindung bringen:

Emiliana hat ihre Stimme der ebenfalls von der Nordinsel stammenden Band Gus Gus entliehen, den Titelsong zum Film “Herr der Ringe” beigesteuert, übernahm bei Kylie Minogues Hit “Slow” Komposition und Produktion und wurde dafür gleich für den Grammy nominiert. Bei einem Konzert der sympathischen Dame darf man sich also nicht nur auf viel Musik, sondern auch auf zahlreiche Geschichten und Anekdoten freuen.

In Zeiten, da vielleicht bereits hier und dort ein Überdruss an “Frau mit Gitarre” herrscht, beweist Torrini, dass diese Kombination auch nach mehreren Alben nicht ausgeschöpft ist.

Emiliana Torrini in der Schweiz:

10.02. Bern, Bierhübeli

16.02. Zürich, Mascotte

17.02 Lausanne, Les Docks

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Unabhängigkeit auch im Alter

Es ist ein nasskalter Januarabend. Der Regen tropft unablässig auf die Menschen. Ich stehe beim Gleis 18, am äussersten Rand des Zürcher Hauptbahnhofs. Meine Augen eilen suchend von Gesicht zu Gesicht. Es dauert eine Weile bis ich Beat Egli, den Surpriseverkäufer, finde. Er steht in der hintersten Ecke des Perrons. Oberhalb einer Treppe, über die sich die Pendlerströme vom Gewerbeschulequartier in die Tiefe des Hauptbahnhofes flüchten, hat er sich eingerichtet. Der Wind peitscht Regenschwaden unters Vordach. Beat Eglis Standort ist nur bedingt geschützt. Weiter hinuntersteigen darf er aber nicht, denn er muss stets auf öffentlichem  Grund bleiben. Es ist ein ungemütlicher Arbeitsplatz. Doch die Regenspritzer und die Kälte stören Beat nicht: “Ich bin warm eingepackt”, lächelt er, “die Kälte kann mir nichts anhaben”. Trotzdem wünscht er sich manchmal einen Platz, der etwas besser geschützt ist. Neben ihm steht sein Wägelchen, darauf liegt die aktuelle Ausgabe des Strassenmagazins. “Heute ist kein guter Tag”, gibt er mir gleich zu Beginn zu Wissen. Das nasse Wetter treibt die Leute eilends hinunter in den Untergrund und minimiert so Beats Verkaufschancen.

Wetterfest

Beat Egli ist 60 Jahre alt. Aufgewachsen ist er im Luzernischen, wo er die Primarschule besuchte. Danach hat er keine Ausbildung absolviert, arbeitete zeitlebens als Magaziner und nahm Gelegenheitsjobs an. “Ich habe mich immer durchschlagen können”, verrät er mir nicht ohne Stolz. Zuletzt verteilte er Zeitschriften und Werbungen, als ihn sein Arbeitskollege Ruedi Kälin überredete, auch als Strassenmagazin-Verkäufer anzufangen. Seit vier Jahren verkauft er nun Surprise. Diese Arbeit mochte er von Beginn weg. Er geniesst den Kontakt mit Menschen, die Selbständigkeit und die Arbeit im Freien. Doch nach einem Jahr kam der Schicksalsschlag: Eine Tumorerkrankung wurde bei ihm diagnostiziert. Operationen im Unispital und eine langwierige Genesung folgten. Es war eine schwierige Zeit für Beat Egli, der keine Familie hat. Doch ganz seinem Naturell entsprechend, liess er sich nicht unterkriegen und verkauft seit nunmehr zwei Jahren wieder an seinen Plätzen das Strassenmagazin. Neben dem Sihlquai ist er bei besserem Wetter auch am Rennweg und in anderen Schweizer Städten anzutreffen.

Unabhängig dank Surprise

Beat Egli bezieht Sozialhilfe. Die spärlichen Zuwendungen kann er mit seiner Arbeit aufbessern. Stolz erzählt er mir: “Ich bin jetzt in der Lage, alle meine Rechnungen selbst zu bezahlen.” Seine Arbeit verleiht ihm Unabhängigkeit und Würde. Die Schattenseiten seiner Tätigkeit erlebe ich direkt vor Ort: Während wir uns unterhalten, ziehen vier Jugendliche mit Gelfrisuren und glänzenden Daunenjacken vorbei. Respektlos machen sie sich über den Surprise-Verkäufer lustig. Ich koche innerlich, während er ruhig bleibt: “Sowas kommt schon mal vor, doch ich ignoriere die Sprüche”. Er erzählt mir ein Erlebnis aus seinem Alltag: Letzhin sei eine Frau nahe an ihm vorbeigegangen und habe ihrem Kind zugeflüstert: “Schau, ein Bettler”. Diese unbedarft gewählten Worte perlen an Beat Egli ab. Er selbst weiss, was er tagtäglich leistet. Jeden Morgen steht er in aller Frühe an seinem Posten und verkauft bei Wind und Wetter das Strassenmagazin. Sechs Tage die Woche, nur am Samstag gönnt er sich eine Pause. “Das ist harte Arbeit, keine Bettlerei”. Solange es noch geht, will er den Job ausüben. “Die Arbeit gefällt mir. Zudem weiss ich nicht, ob ich in meinem Alter noch eine andere Beschäftigung finden würde”.

Freundschaft statt Konkurrenzdruck

Kurz nach halb Sieben finden nur noch vereinzelt Leute den Weg an uns vorbei. Beat packt die Magazine feinsäuberlich in seinen Rollkoffer. Es war kein guter Tag. Dennoch freut er sich jetzt auf das Feierabendbier im Restaurant. Dort trifft er seine Arbeitskollegen, die er an der Ausgabestelle der Magazine kennengelernt hat. “Das Verhältnis untereinander ist super”, erzählt er mir, als wir nebeneinander durch die Bahnhofshalle gehen. Konkurrenzdruck und Platzneid gäbe es nicht. Seine Kollegen seien stets mit einer helfenden Hand zur Stelle, wenn er mal ein Problem habe. Er ist glücklich, dazuzugehören und Freunde gefunden zu haben. Den Feierabend haben sich die Zürcher Surprise-Verkäufer nach diesem regnerischen Tag redlich verdient. Morgen früh stehen Beat Egli und seine Kollegen wieder auf ihren Posten – wie immer. Und wir eilen an ihnen vorbei in den Tag – wie immer.

Surprise


"Surprise" versteht sich als Integrationsprojekt für sozial benachteiligte Menschen. Ungefähr 70 Prozent der rund regelmässigen 300 Verkäufer beziehen Sozialhilfe. Die Hälfte des Verkaufspreises geht an die Verkäufer. Das Heft erscheint in der Deutschschweiz mit einer Auflage von 30’000 Exemplaren und erreicht 123’000 Leser. Tink.ch portraitiert von nun an regelmässig Surprise-Verkäufer/innen.

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Taumelnde Grossbank

Rekapitulieren wir: Die UBS machte schwerwiegende Fehler und verlor sehr viel Geld auf dem amerikanischen Hypothekenmarkt. Um einen Konkurs der Grossbank zu verhindern, kaufte die Schweizerische Notenbank (SNB) der UBS faule Hypotheken in der Höhe von 62 Mia. Franken ab. Zusätzlich erhielt die Grossbank vom Staat einen Kredit über sechs Milliarden. Ein Drittel dieses Geldes geht nun direkt als Bonus an die Mitarbeiter der Grossbank.

Ein solcher Umgang mit Staatsgeld ist heikel. Das Finanz- und Wirtschaftsjahr 2009 sieht alles andere als rosig aus und auch der Abwärtstrend der UBS-Aktie ist – trotz Hilfspaket – ungebrochen. Wenig deutet auf eine baldige Besserung der finanziellen Situation der Bank hin. Die UBS versucht indes, mit tiefgreifenden Schritten ihren Finanzhaushalt wieder ins Lot zu bringen: In zwei Wochen stellt sie Pläne für eine Restrukturierung vor, die unter anderem eine Zusammenlegung der drei Sektoren Wealth Management, Asset Management und Investment Banking beinhalten soll. Laut “Sonntagszeitung” gibt es auch Gerüchte um einen Doppelrücktritt von VR-Präsident Peter Kurer und CEO Marcel Rohner. Ob diese Massnahmen die heikle Lage der UBS verbessern, wird sich zeigen. Sicher ist: Die zwei Bonusmilliarden für die UBS-Banker helfen nicht. Das Vertrauen der Bevölkerung in die Prestigebank ist hart angeschlagen – frühestens seit den horrenden Abschreibern in der Subprime-Krise und spätestens jetzt. Um eine PR-Katastrophe zu verhindern, verzichten prominente Vertreter des Top-Kaders (Kurer, Rohner und andere) offenbar auf ihren jährlichen Zustupf. Das ist zwar richtig, doch ändert es nichts am lädierten Image der Bank. Es ist schwer nachvollziehbar, wenn eine Bank Staatsgelder als Bonuszahlungen missbraucht.

Fairerweise muss gesagt werden, dass die Steuerzahler bis jetzt noch nicht belastet wurden. Daran ändern auch die grosszügigen Boni vorläufig nichts. Doch der Steuerzahler könnte in naher Zukunft doch noch zur Kasse gebeten werden. Dann nämlich, wenn die UBS und die SNB die “vergifteten”, 62-Milliarden-schweren Hypothekenpapiere verkaufen müssten – für weniger als 62 Mia. Franken. Dieses Szenario ist durchaus möglich. Und dann hätte die jetzige Spendierfreudigkeit der UBS einen direkten Einfluss auf die Portemonnaies der Schweizerinnen und Schweizer.

“E Dütschland-Fahne!”

Neulich in der Tramlinie 6, Strecke Toblerplatz-Voltastrasse. Schon wieder (zum zweiten Mal innert vier Kolumnen) machen zwei ältere Damen auf sich aufmerksam.  Diesmal ist es aber weder der Wetterbericht noch der unerwünschte Schwiegersohn der die Gemüter erhitzt. Schwarz-Rot-Gold ist der Stoff  aus dem folgende Diskussion geschrieben ist.

Margrit: Du jetzt händ eusi Nachbere tatsächlich e Dütschland-Fahne uf ire Balkon ghänkt…

Eva: Was händs?

Margrit: E Dütschland-Fahne!

Eva: Ich han au e Schwiizer-Fahne.

Margrit: Ja aber doch nöd ufem Balkon!

Eva: Nei das also scho nöd. Aber i eusem Schrebergarte hämmer es Fähnli ufghänkt. Häschs ja au scho gse.

Margrit: Jaja…aber das isch doch nöds Gliich. Mir sind da schliesslich ide Schwiiz. Wänn d Schwabe jetz scho i Schare is euses Land chömed, sölleds sich’s doch bitte apasse. Findsch nöd, Eva?

Eva: Dochdoch. Aber weisch, mir sind au uf die Dütsche agwisse. Mer chönnted d Spitäler grad schlüsse ohni die dütsche Arbetschräft.

Margrit: Ja wänd meinsch.

Es folgt eine lange Pause. Die Diskussion scheint zu Ende.

Margrit: Aber ich hans jetz am Husabwart gseit.

Eva: Was häschem gseit?

Margrit: Ja ebe weg de Fahne.

Eva: Aha.


Wieder eine lange Pause.

Eva: Du weisch Margrit. Ich find mer müend eifach chli ufpasse. Weisch früener hämmer doch de Italiener au immer Tschinggeli gseit. Die händ schön müese unedure. Und hüt sinds also guet integriert.

Margrit; Jaja guet. D Italiener sind eus ja scho irgendwie nöch. Weisch mit em Tessin undeso…

Eva: Ja aber die Dütsche doch au. Sind au sehr pünktlich und zueverlässig. Halt mängisch chli zackzack…

Margrit: Ja also besser als die usem Balkan sinds sicher. Bisch ja hüt fängs nienets me sicher.

Eva: Es git au vill schwiizer Kriminelli, Margrit.

Margrit: Mhm.


Wieder eine lange Pause.

Margrit: Zum guete Glück woned mir inere Siitestrass. Stell der vor die Dütschlandfahne wär bi eus ade Hauptstrass vorne. Dänn würded si ja alli gseh!

“Wir wollen sie zurück!”

Wer kennt sie nicht, die leckeren farbigen Froot Loops von Kellogs? Leider gibt es sie seit einigen Jahren nicht mehr in der Schweiz zu kaufen. Raphael Stebler hatte die Idee, auf Facebook für den Wiederverkauf der farbigen Getreideringe zu kämpfen. Tink.ch hat den Gründer der Gruppe “Wir wollen Kellogs Froot Loops zurück in die Schweiz” getroffen und mit ihm über die Ziele dieser Aktion gesprochen.


Warum willst du die Froot Loops zurück?

Raffael Stebler: Zur Zeit ist eine Retro-Welle in allen Medien zu beobachten. Und durch das fühle ich mich in letzter Zeit immer wieder in die gute, alte Kindheit zurück versetzt. Und wenn man dann so seinen Gedanken nachhängt, trifft man auf alte Bekannte wie eben die Froot Loops. Ich erinnerte mich, dass ich diese immer sehr mochte (nebst den Frosties). Und als ich mich mal umgeschaut habe, fand ich nirgends mehr Froot Loops in den schweizer Geschäften. Und das hat mich sehr gestört.


Was ist das Besondere an diesen Frühstücksflocken?

Ganz klar die Art. Sie sind klein, rund, haben ein Loch in der Mitte und kommen in vielen verschiedenen Farben daher. Normale Frühstücksflocken sehen im grossen und ganzen immer gleich aus und schmecken auch ähnlich. Aber die Froot Loops unterscheiden sich da stark von den anderen. Und deshalb will ich diese leckeren Ringe zurück.


Warum probierst du ausgerechnet mit einer Gruppe bei Facebook die Froot Loops zurück in die Schweiz zu bekommen?

Facebook ist zur Zeit eine der wichtigsten Websites weltweit. Fast täglich wird in den Medien von Facebook berichtet; über Gruppen die gegründet wurden und grosse Erfolge feiern, über die Auswirkungen und dergleichen. Mit einer Facebook-Gruppe kann man auf einfache Art gleichgesinnte Leute finden und sieht auch wie gross das Interesse ist. Und wie man sieht, ist das ganze schon eine beliebte Angelegenheit. Wir haben nun innert kürze schon fast 500 Mitglieder gefunden. Und ich bin zuversichtlich, dass wir bald die 1000er-Grenze knacken.
Durch Medien-Berichte werden diese Gruppen sogar noch gestärkt, wie man zum Beispiel bei der Gruppe gegen die hohen Billag-Gebühren feststellen durfte.

Was wirst du machen wenn genügend Mitglieder dabei sind?
Sobald wir eine wirklich stattliche Anzahl Mitglieder haben (wie viele weiss ich selber noch nicht), werde ich mein Anliegen den Grossverteilern Migros und Coop, sowie die Discounter Aldi, Lidl, und Denner mitteilen und sie auf den Misstand und das Interesse hinweisen.

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Mittelschulen auf Trab halten

Die ETH hat in einer kürzlich veröffentlichten Studie unter anderem untersucht, Absolventen welcher Mittelschule die grösste Chance haben, die ETH-Basisprüfungen zu bestehen. Dargestellt wie ein Ranking haben die Ergebnisse für einigen Sprengstoff gesorgt und werfen die Frage auf, ob man Maturitätsschulen einem solchen Wettbewerbsdruck aussetzten soll oder nicht.

Gründe für ein seriöses Qualitätsmanagement an den Mittelschulen gibt es auch ohne Ranking: Die Schulen stehen sowohl unter der “kritischen Beobachtung der Hochschulen” (Regine Aeppli im Interview mit dem Tages Anzeiger), als auch unter derjenigen der Eltern und der Kantonsbevölkerung. Die gesetzten Anreize sind jedoch schwach: Weder die Eltern noch die Hochschulen haben schlagkräftige Mittel, die Verhältnisse in den Mittelschulen effektiv zu beeinflussen. Auch die Kantonsbevölkerung kann ihre Meinung nur über ein gelegentliches Finanzreferendum zum Ausdruck bringen. Und das, obwohl sich Schwächen in der Mittelschulführung wie häufige Lehrerwechsel, pädagogisch fragwürdige Unterrichtsmethoden oder mangelhafte Infrastruktur oft stark und ziemlich direkt auf die berufliche Laufbahn der Schüler auswirken können.


“You get what you measure”
Regelmässige Rankings würden die Situation stark verändern. Die Mittelschulen würden systematisch auf ihre Stärken und Schwächen geprüft und verglichen. Alleine die Publizität der Ergebnisse würde die Mittelschulen “auf Trab halten”, den Umfang und die Qualität ihres Angebots weiter zu verbessern. In Kantonen mit freier Schulwahl (wie im Kanton Zürich) besteht zudem das Potential, dass sich das Abschneiden in den Rankings direkt auf die Schülerzahlen niederschlägt. Die kritische Beobachtung der Hochschulen bekäme im Vergleich zur bisherigen Situation ein Vielfaches an Schlagkraft.

Zum Teil werden Bedenken geäussert, ein solcher Qualitätswettbewerb würde sich zu Ungunsten der Schüler auswirken. Soft Skills wie Teamarbeit und emotionale Kompetenz sowie musische Fächer wie Zeichnen und Gestaltung, könnten unter den Tisch fallen, weil ihr Nutzen nicht so evident ist wie bei fachlichen Ausbildungszielen. Die Auswirkungen des Wettbewerbs unter den Mittelschulen hängen massgeblich von der Ausgestaltung der Rankings ab. Nach dem Motto “you get what you measure” muss eine seriöse Qualitätsbewertung der Maturitätsschulen alle Faktoren einbeziehen, die aufgrund der Bildungsziele für die Qualität der Mittelschulen relevant sind. Insofern ist Regine Aeppli zuzustimmen, dass Maturitätsschulen nicht nur an der Wahrscheinlichkeit, dass ihre Absolventen das ETH-Basisjahr bestehen, gemessen werden sollen, sondern unter anderem an ihrer Infrastruktur, an der pädagogischen Kompetenz ihrer Lehrer und an der Breite und Tiefe ihres Ausbildungsangebots.

Nächste Woche wird sich Tink.ch-Redakteurin Luzia Tschirky in einer Contra-Kolumne darüber äussern, was gegen einen Qualitätswettbewerb spricht.

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Lösung oder Sackgasse?

Rund 100 Jugendliche im Alter zwischen 14 und 20 Jahren trafen sich am 7. Jugend-Grosrats-Tag im Berner Rathaus. Sie wollten der Frage auf den Grund gehen, ob sich Probleme mit Verboten lösen können. Die Jugendlichen hatten an diesem Anlass die Möglichkeit über dieses aktuelle Thema untereinander zu diskutieren und ihre Anliegen und Ideen den GrossrätInnen zu unterbreiten. Die verschiedenen Gesprächsgruppen waren nach Regionen aufgeteilt. Die Gesprächsgruppe Bern Oberland stellte sich zunächst diverse Fragen: “Was sind Verbote?, Halten wir sie ein?, Brauchen wir Verbote?, Gibt es Top- und Flop-Verbote?” Die Jugendlichen folgerten, dass es Verbote braucht, dass es jedoch auch Verbote gibt, die ihrer Meinung nach nicht sinnvoll sind.

 

Idealzustand Einsicht

Als die Grossräte Hans Rösti und Walter Messerli und die Grossrätin Elisabeth Bregulla eintrafen, konnten die Jugendlichen ihre Folgerungen, die sie aus der vorigen Diskussion schlossen, darlegen. Walter Messerli betonte zunächst, dass Verbote nötig sind, um Freiheiten zu schützen. “Um das gemeinsame Leben zu organisieren, sind Regeln nötig. Obwohl das Verbot eine Einschränkung der Freiheit bedeutet, dient es zugleich dem Schutz der Freiheit des Mitmenschen.” Alle Jugendlichen dieser Gruppe konnten dieser Meinung zustimmen: Verbote sind nötig und sinnvoll. Doch sie betonten, dass es auch einige Verbote gibt, die widersprüchlich sind oder nicht kontrolliert werden können. Aus diesem Grund forderte ein Jugendlicher: “Ich bin für ein einheitliches Rauchverbot, denn es ist widersprüchlich, dass man zwar ab 16 Jahren Zigaretten kaufen kann, dass es jedoch erst ab dem 18. Altersjahr erlaubt ist, zu rauchen.”

 

Eine weitere Forderung war: “Es soll mehr in alkoholfreie Bars investiert werden und das Personal in Pubs soll vermehrt kontrolliert werden bezüglich dem Ausschank von Alkohol an Jugendliche.” Die Grossräte betonten, dass es sehr wichtig sei, dass Verbote sanktioniert werden, doch dass dies nicht bei allen Verboten gleich möglich ist. Zudem versuchten sie den Jugendlichen zu erklären, dass vermehrte Kontrollen auch ein finanzielles Problem seien. Hans Rösti beteuerte, dass von den Jugendlichen auch eine gewisse Selbstdisziplin verlangt wird. Walter Messerli fügte noch hinzu: “Der Idealzustand ist die Einsicht, somit wären gar keine Verbote nötig.”

 

Verantwortung der Eltern

Ein Verbot hat nur einen Wert, wenn es durchsetzbar ist. Eine weitere Forderung der Jugendlichen war: “Menschliche Vergehen, wie z.B. Alkholmissbrauch, sollen vor allem mit Geldbussen bestraft werden, da diese stärker von einem weiteren Vergehen abhalten können.” Doch Jugendliche mit viel Taschengeld werden eher von Sozialstunden abgeschreckt als von Geldbeträgen. Es zeigte sich eine klar restriktive Haltung in der Gruppe Bern Oberland. Auch im Plenum wurde weiterhin betont, dass es gewisse Reglementierungen braucht. Auch hervorgehoben wurde: “Die Verantwortung der Eltern den Kindern und Jugendlichen gegenüber spielt eine wichtige Rolle.” Weitere Forderungen des Plenums waren: “Jugendliche sollen die Möglichkeit haben, das gesellschaftliche Leben mitzugestalten, deswegen fordern wir ein Stimmrecht ab 16 Jahren.” “Die Jugendlichen sollten bezüglich den Gefahren von Drogen und Alkohol besser aufgeklärt werden. Zudem sollen mehr Möglichkeiten offeriert werden, keinen Alkohol zu konsumieren wie z. B. mit alkoholfreien Cocktails.”

 

Bezüglich der Ausgangssperre betonte eine Gruppe Jugendlicher: “Vor allem die Eltern sollten sich in diesem Bereich mehr durchsetzen.” Das Schlusswort des Justiz-, Gemeinde- und Kirchendirektors Christoph Neuhaus begann mit dem Versprechen: “Verbot langer Reden”. Er betonte, dass das Thema Verbote den Nerv der Zeit trifft. Er schloss mit folgenden Worten ab: “Verbote haben immer zwei Seiten; z. B. ist ein Nachtleben erwünscht, jedoch auch eine angenehme Nachtruhe. Mit Verboten können nicht alle Probleme gelöst werden. Der Reiz, Verbote zu übertreten, wird immer bestehen bleiben”.

 

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Wer kontrolliert meine Daten?

Facebook ist für Jugendliche nicht nur eine sorglose Freizeitbeschäftigung. Besonders wenn es um Sicherheit geht, wünschen sich viele eine bessere Privatsphäre auf solchen Onlineplattformen. Sie schlagen vor, dass solche Seiten besser vom Staat überwacht werden sollten. Doch könnte nicht gerade der Staat auch seinen Nutzen aus Benutzerdaten ziehen?  

Daten bleiben über zehn Jahre im Netz

Bei unserem heutigen Surfverhalten muss sich niemand mehr wundern, warum eine solche Menge an Daten über die eigene Person im Internet vorhanden ist. Die meisten Jugendlichen machen sich über das Thema Sicherheit im Netz im Alltag trotzdem kaum Gedanken. Schon die Tatsache, dass jeder Webseitenaufruf Spuren hinterlässt, erstaunt so manchen. Wie viele Daten man bei sozialen Netzwerken zusätzlich angeben will, steht grundsätzlich dem Benutzer offen. Doch muss man sich wundern, wenn fremde Personen an die privaten Daten kommen? Nein. Die wenigsten lesen eine über zehn Seiten lange Geschäftsbedingung vollständig durch.  

Was im Internet einmal veröffentlicht wird, existiert für die nächsten Jahrzehnte und länger. Wir werden sehen wie lange – das Internet ist für die grosse Masse erst seit etwa 20 Jahren zugänglich.

Schutz vor sich selbst

Entgegen der Annahme von uninformierten Benutzern können Daten meist nicht wieder gelöscht werden. Zum einen bietet gerade Facebook eine solche Möglichkeit gar nicht an. Auf der anderen Seite werden dauernd Daten auf weitere Server kopiert. Interessierte sollten sich zum Beispiel die Seite www.archive.org ansehen. Der Verlauf jeder Webseite über die letzten 14 Jahre kann dort betrachtet werden. Eine der Jugendlichen sagt: “Ich weiss, dass Facebook überwacht wird, aber bei Netlog (Anm. d Red.: ein weiteres soziales Netzwerk) weiss ich, dass keine privaten Daten gespeichert werden.” Die Aussage stösst in der Diskussionsrunde auf Schmunzeln.  

Es sollte eigentlich klar sein, dass das hauptsächliche Problem bei der eigenen Person zu suchen ist. Manchmal geben wir zu viel über uns Preis und wundern uns dann über die Folgen. Viele Jugendliche wünschten sich darum einen “Schutz vor sich selbst”, welcher durch den Staat umgesetzt wird. Aber kann ein solcher Eingriff überhaupt geduldet werden? Der Staat sollte seine Aufgabe eher in der Schulung, Information und Weiterbildung der Eltern und Kinder zum Thema Medien sehen.  

Informationsflut bewältigen

Ein weiterer Konflikt entsteht beim Nachrichtenwesen. Vor allem Jugendliche stossen täglich auf Gratiszeitungen. Oft enthalten diese verfälschte Informationen. Das Problem ist dabei weniger, dass Fakten absichtlichen manipuiert würden, sondern viel mehr die heutige Überflutung mit Informationen. Die professionellen Medienschaffenden haben die Aufgabe, die wirklich wichtigen Informationen aus dieser Informationsflut herauszufischen und allgemein verständlich zu präsentieren. Gratiszeitungen haben es aufgrund ihrer beschränkten finanziellen Mittel schwerer.

Ein Eingriff des Staates zum “Aufbessern der Information” sollte nicht ohne Bedenken eingeführt werden. Wenn der Staat die Möglichkeit hat, die Artikel vor der Publikation abzuändern, könnte dies unfreiwillig zu einer Zensur des Nachrichtenwesens führen. Eine gut informierte Leserschaft kann eine einseitige, schlechte Zeitung durchschauen und das Problem auf diese Art lösen.

Endlich hält ein intelligenter Erwachsener die Zügel

Barack Hussein Obama wurde am 20. Januar in Washington als 44. Präsident der Vereinigten Staaten von Amerika vereidigt. In seiner Rede erinnerte er das Volk an die derzeitige miese Lage des Landes, aber schöpfte zugleich auch Hoffnung. Während den ersten Tagen im Amt hat er einige symbolische Entscheide gefällt.

 

Was war das für ein befriedigender Moment, als George W. Bush nach der Amtseinführung von Barack Obama in einem Armee-Helikopter davonflog. Viel Schaden hat der ehemalige Präsident dem neuen Amtsinhaber hinterlassen. Nicht nur befindet sich die USA in der grössten Wirtschaftskrise seit der Grossen Depression, auch die zwei Kriege in Afghanistan und im Irak sind noch in vollem Gange. Zudem hat das internationale Ansehen der USA in den letzten acht Jahren durch die Bush-Politik sehr gelitten. Da tut es unheimlich gut, wenn man sieht, dass wieder ein intelligenter Erwachsener die Zügel des mächtigsten Landes der Welt in der Hand hält. Barack Obama ist jemand, der zuerst überlegt, bevor er handelt. Er ist in der Lage, verschiedene Meinungen anzuhören und erst dann Entscheidungen zu treffen. Das ist schon mal ein grosser Fortschritt zu seinem Vorgänger, der wohl nicht gerne sein Hirn benutzte und dafür lieber Rat bei seinem unsichtbaren Freund namens Gott suchte.

 

Weniger Macht für die Lobbys

Auch während Obamas Rede am 20. Januar wurde seine Nüchternheit wieder einmal sichtbar. Er bekannte ganz klar, dass die USA in einer schwierigen Krise steckt. Doch er ermahnte die Amerikaner auch, jetzt nicht den Kopf hängen zu lassen. Zusammen sei diese Krise überwindbar. Er sagte zudem ganz klar, er werde in Zukunft die Sicherheit nicht über die Ideale der Nation stellen. Der neue Präsident war in seinen ersten Tagen im Amt auch schon ziemlich fleissig. Eine seiner ersten Amtshandlungen war die Anordnung zur Schliessung des umstrittenen Gefangenenlagers Guantanamo auf Kuba bis spätestens in einem Jahr. Die laufenden Verfahren sollen eingestellt werden. Zudem hat er die Macht der Lobbys eingeschränkt und die Löhne seiner bestverdienenden Mitarbeiter eingefroren. Er möchte ganz klare Zeichen setzten. Auch möchte er die Regierungsgeschäfte transparenter machen. Dazu wurde die Internetseite des Weissen Hauses neu gestaltet und es gibt jetzt auch einen Blog. Man kann also hoffen, das in Zukunft nicht mehr so oft gelogen wird wie während der Amtszeit von Bush und man der amerikanischen Regierung wieder vertrauen kann.

 

Nun kann man dem neuen Präsidenten nur viel Glück und Erfolg wünschen und hoffen, dass er einen grossen Teil seiner Wahlversprechen einlösen kann. Das Ansehen der USA hat er jetzt schon ein kleines bisschen verbessert.