Kultur | 08.12.2008

Stimmungsschwankungen

Text von Laura Folkers
Die tiefe Stimme des Frontmannes Wolfgang Niedecken der deutschen Rock-Band BAP verbreitete am 26. November im Zürcher Volkshaus Stimmung in alter Frische.
Melancholische Gitarrentöne, Fotos: Laura Folkers Rockige Schlagzeugrhythmen "Alter" Frontmann in neuer Frische

Es wurde dunkel, und aus den Lautsprechern dröhnte die tiefe Stimme des Frontmannes Wolfgang Niedecken der deutschen Rock-Band BAP. Das Konzert begann mit einem philosophischen Monolog über Gott und die Welt. Unter erfreutem Gejohle der Fans erschienen die Musiker auf der Bühne. Das erste Lied „Wat für e‘ Booch“ ertönte. Beim zweiten Song „Musik, die net stührt“ waren sich bereits alle Fans einig, dass BAP trotz der langjährigen Bühnenpräsenz die Glaubwürdigkeit und Ernsthaftigkeit nicht verloren hatten. Die gesamte Show war durchgeplant. Im Hintergrund wurden Bilder, passend zum jeweiligen Song, an eine Leinwand projiziert. Beim Lied „Morje fröh doheim“ waren zum Beispiel Postkartenmotive aus Deutschland zu sehen. Eine davon hätte vom Fernfahrer dieses Liedes stammen können: „Grüsse aus dem schönen Bonn“. Eine aufwändige Lightshow ausgelöst durch bunte Scheinwerfer und zuckende Lichter wirkte bei diesen bodenständigen Rock`n`Rollern etwas befremdend.

Generationenübergreifendes Repertoire
Nach dem Lied „Kron oder Turban“ begrüsste Wolfgang Niedecken seine treuen Schweizer Fans, von denen einige bereits acht oder neun Mal BAP live gesehen hatten und einen „Fanaltar“ mitbrachten: Ein Holzkästchen mit Schnapsfläschchen, Buttons, Aufklebern, einer Plüschkuh und weiterem Krimskrams. Doch nicht nur ewig treu gebliebene Fans waren in der Menge zu sehen, auch eine neue Generation BAP- Fans ist herangewachsen. Auch ganze Familien waren gemeinsam an dieses Konzert gekommen. Eines der Highlights war eine junge Geigerin, die momentan mit Rosenstolz auf Tour ist. Sie trat beim Lied „Duude Bloome“ nicht nur als Geigerin sondern auch als Sängerin auf.

Melancholie und Hoffnung
Mit dem Song „Frau, ich freu mich“ startete die Reagga-Songs Reihe. Das gesamte Publikum sang mit und tanzte. Doch die traurigen und realistischen Texte weiterer Lieder holten die ausgelassenen Konzertbesucher wieder auf den Boden zurück und trieben einigen sogar Tränen in die Augen. Andere Texte wie „Aff un zo“ und „Et ess wie’t ess“ liessen wieder Hoffnung aufkommen. Die Gesellschaftskritik wurde im Lied „Noh Gulu“ besonders deutlich. Das Lied „Kristallnaach“ war so eindrücklich, dass das Publikum sich kaum traute mitzusingen. Wenn Wolfgang Niedecken im Refrain „Kristallnaach“ rief, hallte es wie in einem dunklen, unterirdischen Gang und die Konzerthalle strahlte in einem atomaren grün: ein bleibender Eindruck. Nach diesem Song blieb die Stimmung düster; es ging melancholisch weiter mit „Helfe kann dir keiner“. Doch mit „Ens em vertraue“ wurden wieder positivere Gedanken verbreitet. Nach zwei Zugaben verabschiedeten sich BAP mit dem bekanntesten Song „Verdamp lang her“ und verliess unter tosendem Applaus die Bühne.

BAP sind noch immer so frisch wie damals, man könnte sogar behaupten, dass dies die beste Formation um Wolfgang Nidecken ist, die es bisher gab.