Kultur | 08.12.2008

„Naahajaa“

Text von Lailo Sadeghi | Bilder von www.dietotenhosen.de
Anfang November veröffentlichten die Toten Hosen ihr neues Album "In aller Stille". Tink.ch traf sich mit Andreas Meurer, dem Bassisten der Band.
Er ist seit Anfang an dabei: Bassist Andreas Meurer.
Bild: www.dietotenhosen.de

Sehr richtig: weder Familienglück, Glamour des Schauspiels (Leadsänger Campino drehte mit Wim Wenders), noch die Freuden einer Weltreise oder der Spass des Nichtstuns konnten die fünf Helden und Diebe davon abhalten, wieder zusammen Musik zu machen. Die Toten Hosen sind wieder da und veröffentlichten Anfang November mit „In aller Stille“ erneut ein Album, das unter Strom steht. Tink.ch interviewte zu diesem freudigen Anlass Andi, den Bassisten der ersten Stunde.

Andi, erzähl mir etwas über das neue Album
.
Es ist härter, als einige Platten davor. Ich selbst bin zufrieden damit, obwohl das schwierig zu beurteilen ist, wenn man die Lieder so oft gehört hat. Aber ich hör es mir immer noch gerne an, was ein gutes Zeichen ist und auch nicht immer so war. Bei „Zurück zum Glück“ zum Beispiel war ich im Nachhinein nicht so zufrieden.
Sie klingt halt ein bisschen anders, ein anderer Produzent hat daran gearbeitet, das hört man vielleicht. Und jetzt bin ich gespannt wie das live funktioniert. Aber ja, ich selbst bin zufrieden.

Was war dir oder euch besonders wichtig an diesem Album?
Wenn man eine neue Platte angeht, dann sammelt man ja erstmal, was man hat. Man weiss ja nicht, wo man landet. Zwar haben wir uns schon gesagt, dass wir eine härtere Platte machen wollen, aber ob das dann funktioniert, ist ja eine ganz andere Frage. Dieses Mal haben wir die Stücke in Düsseldorf geschrieben und nicht wie bei den letzten beiden Alben davor in Spanien. Aufgenommen haben wir sie nicht wie sonst am Stück, sondern eher Blockweise. Ich denke, das hat der Platte ganz gut getan. Glaube ich. Hoffe ich.

Worauf bist du bei Die Toten Hosen besonders stolz?

Dass es uns immer noch gibt, dass wir immer noch Spass haben und es immer noch hinbekommen, da Lust drauf zu haben, auf Tour zu gehen. Das ist glaube ich nicht der Normalfall. Wir fahren immer noch in einem Bus, haben eine Garderobe. Und dass man es so lange macht und da immer noch reichlich Leute sind die das hören wollen, macht dich irgendwo glücklich. Und natürlich, dass wir es hinkriegen, dass bei einem Konzert auch die neuen Dinge genauso gut ankommen wie die Klassiker. Das finde ich wichtig. Würden jetzt nur noch Klassiker ankommen – die ich  natürlich auch gut finde und immer wieder gerne spiele – wäre das seltsam.

Wie viele Kompromisse bist du für deine Karriere eingegangen, was ist der Preis für all das?
Der Preis? Das ist doch einfach eine glückliche Situation. Ich möchte mich über nichts beschweren. Denn im Grunde genommen geht’s uns gut. Ich mache das, was ich gerne tue. Natürlich ist nicht alles immer Friede, Freude, Eierkuchen, es gab auch schon Momente wo wir uns auflösen wollten, wo wir reichlich Probleme hatten, aber das ist schon lange her. Und natürlich gibt’s auch ganz alltägliche Schwierigkeiten. Etwa wenn man wie Kuddel (Andreas von Holst, E-Gitarrist der Band, Anm. d. Red.) Familie hat und dann nicht so oft zuhause sein kann. Es ist mir aber völlig bewusst, dass ich in einer glücklichen Position bin und dass ich Möglichkeiten habe, die einer mit einem anderen Job vielleicht nicht hätte.

Was hast du in der Band-Pause gemacht?
Jeder durfte das machen was er wollte und ich bin halt durch die Gegend gefahren. Kambodscha, Australien, Amerika, hab Freunde besucht, und so war ich ein paar Monate unterwegs. Das ist gut, weil du auch Leute triffst, die mal gar nichts mit Musik zu tun haben und du nicht immer dieselben Sachen erzählst.

Kannst du in einem Satz beschreiben, wie sich die Band in den letzten beiden Jahrzehnten verändert hat?
In einem Satz ist schwierig. Es ist halt so, dass du an den Texten und an der Musik eine Entwicklung siehst. Hoff ich zumindest. Ich glaub schon dass man es uns abnimmt, dass die Musik widerspiegelt, was uns widerfährt im Leben, und das hat sich nun mal verändert. Bei unserem ersten Album „Opel Gang“ waren wir ja teilweise noch in der Schule und seither hat sich unser Leben und alles drumherum verändert und da bleibst du nicht mehr Derselbe. Ich zumindest nicht.

Wie wichtig ist dir denn eine Identifizierung, mit den Texten, wie wichtig ist dir ob über Politik oder Liebe oder andere Themen gesungen wird?
Es ist so, dass ich einen Text das erste Mal von Campino im Proberaum höre. Und wenn da jetzt ein Scheisstext kommen würde, dann sagen wir schon naahajaa und dann weiss er schon, wenn wir naahajaa sagen, dann fliegt er meistens in die Tonne. Das kommt auch vor. Bei der letzten Platte muss ich aber sagen, fand ich Campino echt in Form. Er hat super Texte geschrieben. Aber wenn jemand mit dem Text ein Problem hat, dann wird das diskutiert, genau wie wenn jemand mit der Musik ein Problem hat.

Kannst du mir zum Schluss noch etwas erzählen, ohne dass ich eine Frage stelle?
Hm, ich kann dir etwas über die Schweiz erzählen, dass ich hier immer wieder ganz gerne hinfahre. Ich hatte hier schon echt gute Erlebnisse, auch merkwürdige Erlebnisse, harte Erlebnisse, aber immer interessant. Die EM war auch wunderbar und wir hatten hier immer jede Menge Spass. Bestimmt eines unserer schlechtesten Konzerte haben wir in der Schweiz gespielt: Einmal in den späten Achzigern im Volkshaus, da konnten wir die Stücke nicht mehr spielen, weil wir zu viel gefeiert hatten. Dafür hatten wir auch einige unserer grössten Konzerte hier. Hallenstadion, Abart oder Festivals. Ja, uns wars hier nie langweilig.

Links