Gesellschaft | 08.12.2008

Immer Sonntag auf den Malediven

Text von Edith Truninger | Bilder von Stefan Wallimann.
Die Amazone erklärt, warum die meisten Singles den Sonntag hassen und was das mit den Malediven zu tun hat.
Bild: Stefan Wallimann.

Ich erinnere mich, wie Kaktusblüte einmal zu mir gesagt hat: „Der Sonntag ist für Singles schon der verschissenste Tag von allen!“ Das kam so ehrlich und aufrichtig rüber, dass mich sogleich das Bedürfnis packte, mich demütig vor ihr niederzuknien und sie gleichzeitig stürmisch zu umarmen. Mit diesem Satz spricht sie mir und Millionen von anderen Singles rund um den Erdball aus tiefstem Herzen. Am Sonntag hat man sich als Single gefälligst selbst zu genügen, auf Kommando und Knopfdruck, denn der Sonntag ist der Tag, den alle anderen mit dem Partner und – falls vorhanden – den Kindern verbringen. DAS IST EINFACH SO. Das ist verbürgt. Punkt, Aus und Schluss. Der Sonntag ist der Familienpicknick-Tag, der Connylandausflugtag oder der Im-Bett-bleiben-lesen-und-vögeln-Tag. Es gibt nur wenig, was sich in der globalisierten Welt an traditionellen Werten halten konnte, der Sonntagsbraten und Konsorte haben es leider geschafft. So eine Gemeinheit. Ich möchte nicht wissen, wie viele Singles sich am Sonntag im Fitnesszentrum auf den Geräten abstrampeln, nur um gegen die Leere anzukämpfen, die sich in ihrem Innern breit gemacht hat, ihnen den Hals zuschnürt und das Herz schwer werden lässt. So ein Sonntagnachmittag kann bleischwer auf einem liegen, so viel kann ich rübermorsen von meinem männerlosen Planeten. Am Tag der Gemeinschaft auf sich gestellt zu sein, steigert die gefühlte Einsamkeit – und, je nach vorüberziehendem Tiefdruckgebiet – auch die Verzweiflung.

Gemeinerweise ist ja der Sonntag auch der Tag, an dem die Läden geschlossen sind, als Single wird man also auch noch jeglicher Chance beraubt, sich zu zerstreuen. Und sowieso, so weit das Auge reicht, sind da immer nur diese Pärchen! Die Welt ist ein Pärchen-Nest. Genau wie wenn ein Passagierflugzeug aus den Malediven am Flughafen ankommt: Jeder einzelne, der aus dem Flugzeug steigt, ist zwischen zwanzig und vierzig und hat den Partner im Schlepptau. Auf den Malediven, dem Mikrokosmos der Liebespaare, ist es immer Sonntag.

Und was ist das erste, was wir gutmütigen Single-Freundinnen intuitiv tun, wenn unsere Freundin von ihrem Liebsten verlassen wird? Natürlich: Wir sorgen für die Sonntagsunterhaltung. Wir laden zum Kaffee, ins Kino oder ins Museum. Weil Liebeskummer und das Sonntagsgefühl sich schlecht vertragen. Schonen, schonen, schonen, das ist jetzt oberstes Gebot, die Freundin soll keinesfalls diesem klammen Gefühl ausgesetzt sein, das für uns zum Alltag gehört. Wenn wir ehrlich sind, geniessen wir die unerwartete sonntägliche Gemeinschaft. Obschon der Nachgeschmack etwas schal ist im Abgang. Denn wir wissen genau, dass wir nur die Lückenbüsser sind ¬- und immer bleiben werden. Sollte sich das ganze Trennungsdesaster bei Lichte besehen doch nicht als ganz so tragisch erweisen, hockst du bereits nächsten Sonntag wieder allein im Café.
Fest steht, und da würde mir Kaktusblüte sicher Recht geben: Der Sonntag und die Malediven gehören abgeschafft. Zumindest für Letzteres stehen die Chancen ja gar nicht mal so schlecht. Endlich mal eine gute Nachricht. 

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