Gesellschaft | 22.12.2008

Im Tram belauscht

Anstatt sich mit Musik zu berieseln, hört unser Tink.ch-Reporter in Öffentlichen Verkehrsmitteln lieber den anderen Fahrgästen beim Reden zu. Diesmal belauschte er zwei ältere Damen.
Jedes Mal, wenn er ein öffentliches Verkehrsmittel betritt, spitzt der Tink.ch-Reporter die Ohren.
Bild: Lara Schlegel/youthphotos.eu

Neulich sass ich also im Bus 747 von Klusplatz nach Witikon. In meinen Ohren zwei Stöpsel in der Hand eine Gratiszeitung, vor meiner Gratiszeitung zwei Damen so um die siebzig. Links die Dame mit den grau gelockten Haaren, in der Hand einen Schirm. Liebeswert, zurückhaltend. Ich nenne Sie mal Frau Meier. Rechts: Kurzhaarschnitt, dunkel gefärbt, tiefe, verrauchte Stimme, in der Hand eine Tragtasche. Typ: Familienoberhaupt. Sagen wir einfach das Familienoberhaupt von den Hubers. Frau Meier und Frau Huber sitzen also bei der Haltestelle „Klusplatz“ und warten bis der Bus abfährt.

Frau Huber: Häsch de Schirm debi, hä.

Frau Meier: Ja hanen hüttemorge mitgno. Du villicht chunts ja no. Er hät Räge agseit.

Huber: (leicht verwundert) Ah hätter?

Meier: Ja momol.

Huber: Du wänn fahrt jetzt de Bus ab?

Meier: Am 12 ab. Das isch ebe jetzt de wo nöd überall haltet. Isch e chli schnäller.

Huber: Aja. Aber mir händ ja nöd pressant. Früener hämmer pressiert. Immer pressiert hämmer. Aber jetzt nüme. Neinei

Meier: Mhm…Du! Hüt hättmer d Andrea aglüte.

Huber: Die lüted der no vill a gäll?

Meier: Ja fasch jede Tag.

Huber: Also mini Tochter hät mer früener au immer aglüte. Aber jetzt nüme. Sit si da mit irem Dirigänt zäme isch. En Unmögliche säg ich dir! Nei also…

Meier: (lächelt) Aja?

Huber: (aufgebracht) En arrogante Cheib isch das säg ich dir! Also soo arrogant! Wüsst jetzt niemert wo de mag.

Meier: Wohneds dänn zäme?

Huber: (noch aufgebrachter) Nei zum Glück nöd! Das wärs ja no! Aber er wont im gliiche Huusblock. Go Zmittagässe chunt er zu ire. Si chocht em jede Tag.

Meier: (ungläubig) Nääi?

Huber: Doch. Weisch de isch ja jetzt no ide Scheidig mit sinere Alte, das choschted. Isch grad guet channer bi de Nina go ässe. Isch en cheibe Schmarozer. Aber si lat sich’s halt au gfalle.

Während Frau Meier noch den Kopf schüttelt kommt der Bus an der Carl-Spittelerstrasse in Witikon an. Ich steige mit den beiden Damen aus. Draussen regnet es.

Meier: Gsesch jetzt isch doch no guet hani de Schirm mitgno.