Gesellschaft | 01.12.2008

„Ich bin kein Partymädchen“

Text von Andrea Immler | Bilder von Recha-Maria Daengeli
Als eine ehrliche Soulsängerin beschreibt sich die junge Musikerin. Die Berner Oberländerin Recha-Maria Daengeli begegnete Tink.ch auf dem beschaulichen Mühliplatz im Thuner Städtchen bei einem warmen Tee und sprach mit ihr unter anderem über die verschiedenen Farben der Jazzklänge.
Die junge Sängerin bringt in der Jazzmusik ihre Persönlichkeit ins Spiel.
Bild: Recha-Maria Daengeli

Wie hast du deine Begeisterung für die Musik entdeckt?
Recha-Maria: Hui (lacht). Bereits im Bauch meiner Mutter. Wir waren schon immer eine sehr musikalische Familie. Wir hatten die Rhythmen bereits im Blut und zu Hause haben wir viel gesungen. Als erstes habe ich  Geige spielen gelernt, das war mit fünf Jahren. Da war ich noch eine kleine Künstlerin und dann entdeckte ich den Gesang.

Nun spielst du mit einer Band zusammen?
Jein. Kürzlich hatten wir ein Bandprojekt doch dies ging leider vor Kurzem in die Brüche. Wir haben ein Jahr zusammen gespielt. Nun bin wieder auf der Suche, um einen eigenen Stil zu finden.

Was fasziniert dich an der Jazzmusik?
In der Jazzmusik bringst du deine Persönlichkeit ins Spiel. Du kannst sein, wer du bist. Du bist an kein Ideal gebunden. Vieles kannst du improvisieren. Du schaffst es, ein Leid immer wieder zu singen und es klingt dennoch, als würdest du es das erste Mal singen.

Welche Themen inspirieren deine Lieder?
Es sind meist Mutmachertexte und handeln davon, wer man ist.  Meine Lieder würde ich als  philosophisch bezeichnen. Das Lied ,,Simple“, das ich in der Vergangenheit geschrieben habe, erzählt von mir, davon, dass ich mich auch an den kleinen Dingen des Lebens erfreuen kann. Als eine Schwäche von mir bezeichne ich meine Mutmachertexte, da sie manchmal etwas zu schwermütig  klingen.

Welche deiner Auftritte magst du am meisten?
Am liebsten singe ich an Hochzeiten, da kannst du auch etwas Besonderes wachrufen. Ich stehe aber auch sehr gerne auf der Bühne. Ich mag die Nervosität vor den Auftritten und wenn du auf der Bühne bist, besitzt du eine unsichtbare Macht. Das Ganze hat einen gewissen Zauber. Es bannt mich, die Leute zu verzaubern. Mein Konzerthighlight war, als ich mit der Jazzband und zwei Gospelchören auftreten durfte. Vor der Bühne stand ein unglaubliches Publikum.

Wie merkst du, dass deine Musik gemocht wird?
Die Zuhörer bleiben dir an den Lippen kleben und  sind auch schon bereits vor dem Soundcheck dabei.

Du arbeitest nebenbei noch als Gesangslehrerin, erzähle doch etwas darüber?
Ja, das ist mein Job, von dem lebe ich. Entstanden ist dieser Chor durch meinen
Bekanntenkreis. Eines Tages kam einer meiner Bandkollegen zu mir und fragte mich: „Würdest du nicht einmal jemandem zeigen, wie man singt?“ So nahm alles seinen Lauf und ich bekam immer mehr Anfragen. Nun bin ich seit acht Jahren selbständig.

Was gefällt dir besser, die Rolle als Gesangslehrerin oder als Sängerin?
Unterricht zu geben, ist für mich sehr bereichernd, aber es ist auch spannend
mit den jungen Künstlerinnen unterwegs zu sein als Sängerin. Aber selber auf der Bühne zu stehen, ist schon dies, was mir am meisten bedeutet, ich könnte mich aber nicht für eines der beiden entscheiden. Es kommt vor, dass ich ab und zu auch eifersüchtig bin auf meine Schüler, weil sie singen dürfen und ich nicht.

Was bedeutet dir Musik?
Musik ist mein Leben. Ich bin ein sehr emotionaler Mensch und ich kann vieles in der Musik verarbeiten. Ich kann mich in der Musik gut ausdrücken. Musik ist für mich eine Art Kommunikation.

Was hast du für Pläne in der Zukunft?
Ich lasse mich überraschen. Wenn ich wünschen könnte, würde ich gerne noch die Gruppe finden, mit der ich mich wohl fühle, um dann Musik zu machen. Ich bin auf der Suche nach etwas Persönlichem. Es soll vor allem ehrlich sein. Ich lasse mich aber auch immer wieder gerne überraschen, was die Zukunft bringen mag.

Zurzeit machst du noch ein Popmusikstudium?
Genau, da lerne ich viel über Performance, Songwriting und vieles mehr. Du lernst in diesem Studium viele Instrumente kennen und auch spielen. Du bekommst Einblicke in die Bereiche der Popmusik. Die grosse Frage, die du dir dabei aber immer wieder stellen musst, ist: Wie bringst du das Ganze auf die Bühne?

Was sind die Unterschiede zwischen  Jazz und Pop?
Du kannst Jazz und Pop sehr gut zum Schmelzen bringen. Jazz ist komplexer und spannende für das Ohr. Im Pop hast du einfachere Klänge.

Was ist für dich ein guter Song?
Wenn du einen Song nur auf Gesang und Klavier reduzieren kannst. Ohne grossen Firlefanz.

Bist du hart, bis dir ein Song gefällt?
Ja, ich bin sehr perfektionistisch veranlagt, das ist schrecklich. Ich gehe hart mit mir ins Gericht.

Wie gehst du mit Feedbacks und Kritiken um?
Ich erhalte sehr viele positive Feedbacks. Aber die Feedbacks, die dich weiter bringen, sind meist die negativen. Dies ist auch etwas, das du lernen musst. Kritik ist für mich, wenn die Menschen um mich Vergleiche herstellen zwischen meiner Jazzband und der Band, in der ich früher gespielt habe. Kritik kann man auch als Wegweisen ansehen.

Was wäre dein grösster Wunsch?
Auf einer grossen Bühne zu singen. Zum Beispiel in Montreux am Jazzfestival. Doch mein allergrösster Wunsch ist es, einfach zu singen.

Der nächste Auftritt von Recha-Maria Daengeli:

12. Dezember, Dorfkirche Steffisburg, Christchindlimärit

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