Gesellschaft | 15.12.2008

„Früher hat man mehr verdienen können.“

Text von Matthias Kempf
Nach dem Abstimmungs-Nein vom 30. November ist klar: Das Kiffen bleibt weiterhin illegal. B.*, ein Basler-Dealer nimmt dazu Stellung.
Ein 200 Gramm Sack, bereits fast leer. Fotos: Matthias Kempf Eine Restmenge von zirka 30 Gramm Cannabis.

400’000 Personen gibt es in der Schweiz, die mehr oder weniger regelmässig zum Joint greifen. Nach den Abstimmungen vom 30. November ist klar; Das Kiffen bleibt auch weiterhin illegal. Viele Raucher fühlen sich missverstanden, oder sind entrüstet über das Wahlergebnis. Doch es gibt auch innerhalb der Kifferszene einige Gewinner. Denn mit Cannabis lässt sich immer noch leicht und gut Geld verdienen. Durch die Razzien der Polizei hat sich der Marktpreis in den letzten zehn Jahren fast verdoppelt. Tink.ch-Reporter Matthias Kempf sprach mit B. (Name der Redaktion bekannt), einem Basler Gras-Dealer, über die Abstimmung und sein Geschäft. Obwohl er mit dem Verkauf von Cannabis nicht schlecht verdient, geht er noch immer einer geregelten Arbeit nach und dealt nebenbei.

Warum haben deiner Meinung nach die erhöhten Preise den Konsum von Cannabis nicht verringert?
Das Kiffen ist ein Luxusgut, das man sich leisten kann, indem man gleichzeitig auf etwas anderes verzichtet. Anstatt in Bars Alkohol zu trinken, kifft man einen Joint mit Freunden. Aber es ist oftmals, vorallem am Wochenende, eine Entscheidung, die man zu treffen hat: Ausgang oder Kiffen. Doch Konsumenten, die einer regelmässigen Arbeit nachgehen, müssen kaum auf etwas verzichten, um kiffen zu können.

Glaubst du, dass es ist möglich ist, das Kiffen konsequent zu bekämpfen?
(lacht) Nein, niemals! Es ist dasselbe, wie der Versuch die Mafia auszurotten: Ein Ding der Unmöglichkeit .

Was spornt dich persönlich an zu dealen, obwohl du dir den Konsequenzen bewusst bist?
Es ist hauptsächlich die Deckung des Eigenbedarfs. Früher hat man mehr damit verdienen können. Da ich eigentlich nur an Bekannte verkaufe, minimiere ich das Risiko. Ich fahre auch nicht mit dem Auto durch die Stadt und beliefere meine Kunden.

Hast du moralische Bedenken Gras an Minderjährige zu verkaufen?

(lacht und überlegt) Nein! Wenn sie es nicht bei mir kaufen, kaufen sie es woanders. Aber meine Kundschaft besteht ausschliesslich aus Volljährigen, deshalb betrifft mich dieses Thema nicht direkt.

Hast du dir ein finanzielles oder zeitliches Limit gesetzt, ab wann du mit dem Dealen aufhörst?
Ja, ich hatte mal eines: Ich wollte aufhören, wenn ich 20’000 Franken verdient habe. Aber nun habe ich insgesamt schon fast 20’000 Franken verdient und trotzdem nicht aufgehört. Es geht mir heute jedoch nicht mehr ums Geld. Da der Umsatz gesunken ist und ich wegen einem Wohnsitzwechsel einen Polizisten in der Nachbarschaft habe, beschloss ich, ich nur noch zur Deckung meines Eigenbedarfes zu dealen. Ich müsste also aufhören zu kiffen, um unter das Dealen einen Schlussstrich ziehen zu können

Hast du nie darüber nachgedacht selbst Gras anzubauen?
Doch, aber der Aufwand und das Risiko sind zu gross. Cannabis in Mehrfamilienhäusern anzupflanzen ist sehr ungünstig wegen des starken Geruchs. Da in meiner Wohngegend noch ein Polizist wohnt, hat sich diese Frage erübrigt.

Wird das Kiffen in der Schweiz jemals legal sein?
Ich hoffe es! Aber ich glaube nicht. Holland will es mittlerweile auch wieder verbieten. Die Chancen für eine Legalisierung waren noch nie so hoch wie bei der letzten Abstimmung. Viele haben eine reelle Chance für die Legalisierung gesehen. Aber vom Tisch wird die Sache auch nach dem Abstimmungs-Nein nicht sein, es wird weiterhin Diskussionen geben. Nur vors Volk kommt das Legalisierungsanliegen in den nächsten sechs Jahren ziemlich sicher nicht.