Kultur | 15.12.2008

Ein Flugzeug vergraben für die Kunst

Captain Otmar möchte einen Jumbo-Jet beerdigen. Hinter dem Kunstprojekt steckt nicht etwa purer Hedonismus oder billige Effekthascherei, sondern eine gute und ehrgeizige Absicht.
Aufbruchstimmung im Dada Haus: Der Spatenstich fürs Kunstprojekt. Fotos: www.burythejumbo.com Otmar Trost mit seiner Crew. Trost gemeinsam mit dem Geiger David Greenlees zum Geldsammeln im HB.

Zürcher Niederdorf am Abend des 9. Dezembers 2008: Ein Pilot tritt umringt von sechs Flight Attendants auf das Parkett des Cabaret Voltaire. Wo früher Hugo Ball und Tristan Tzara das Publikum mit den radikalen Ansätzen des Dada verstörten, ging es an diesem Abend etwas glimpflicher und charmanter zu und her: Der Captain (31) (Name der Redkation bekannt), der Schnurrbart tragende Pilot, verkündete, er wolle einen Jumbojet begraben – innerhalb der nächsten drei Jahre. Begleitet wurde diese bemerkenswerte Botschaft durch die entrückte Musik des Zürcher Pianisten Christian Thalmann und im Hintergrund prangte es in gesprayten Lettern „Bury the Jumbo“.

 

Bury the Jumbo – begrab den Jumbo. Dem Captain ist es durchaus ernst mit dieser Ansage. Auf der offiziellen Webseite legt er die laufenden Verhandlungen über einen ausrangierten Jumbo Jet transparent dar. „Es gibt Modelle, die bereits ab 50`000 – 80`000 Dollar zu kaufen sind“, sagt Captain Otmar. Aktuell prüft er das Angebot von alten Frachtflugzeugen in verschiedenen Regionen. Arizona, Australien oder Kenia sind mögliche Destinationen, wo es solche Flugzeugfriedhöfe gibt. „Die Betreiber sind an einem Verkauf interessiert.“ Doch was geschieht wenn das Flugzeug gekauft ist? Wie verläuft der Transport und die wichtigste aller Fragen: Weshalb einen Jumbo-Jet vergraben?

 

Weltweite Kulturbewegung soll lanciert werden

Als der Captain vor zwei Jahren mit dieser Idee ein erstes Mal liebäugelte, war für ihn klar,  dass „Jeder und Jede mitbestimmen darf, wie das Projekt schlussendlich ausgelegt wird.“ Die Webseite „Burythejumbo.com“ dient nicht nur als Informationsportal über das Projekt, sondern ist auch Dreh- und Angelpunkt einer Community, die sich in den nächsten Wochen, Monaten und Jahren für eine gemeinsame Sache stark machen soll. Die Leute sollen ihre eigenen Ideen einbringen und Beiträge leisten, die schlussendlich darüber entscheiden was mit und um den Jumbo-Jet geschieht. Das können musikalische Ideen, Partys oder spinnerte Werbe- und Guerillaaktionen sein. Grundsätzlich ist alles erlaubt. „Was schlussendlich durchgeführt wird, entscheidet die Coummunity«, so der Captain. Der 31-jährige möchte mit „Bury The Jumbo“ wenn möglich eine weltweite und demokratische Kulturbewegung lancieren: «Gemeinsam wollen wir etwas scheinbar Unmögliches möglich machen. Der Jumbo ist die Botschaft an alle, die sich nicht scheuen ihre Phantasien auszuleben und zu probieren. Hier können sie den Support erwarten, den ihr Projekt erfordert. Entweder innerhalb des Jumbo Projektes oder mit neuen Projekten.« Ab einem Spendenbeitrag von  2.5 Dollar ist man Teil der Gemeinschaft und somit auch stimmberechtigt.

 

Seit gut einem Monat treffen sich Community-Mitglieder und Interessierte jeden Donnerstag zu einem öffentlichen Stammtisch im Zürcher Volkshaus. Es sollen Gespräche entstehen, Beziehungen geknüpft und neue Ideen entwickelt werden. Der Pilot probiert wenn möglich, auch  immer selbst vor Ort zu sein. „Der Spass steht im Vordergrund, doch mit dem Ziel den Jumbo zu vergraben ist es uns ernst“, sagt der Captain. Dass sich der ehemalige Bankangestellte als öffentliche Figur dieses Projektes auch Kritik anhören muss, ist er sich bewusst: „Es gibt Leute, die hören nicht einmal zu, wenn man es ihnen erklären will. Vielleicht haben sie Angst vor dieser Idee oder sie sind neidisch.“ Dennoch ist der Captain optimistisch, dass sich das Projekt genügend Gehör verschaffen wird. Zumal die Idee auch International ausgerichtet ist: „Wenn ein Ölscheich daher kommt, der den Jumbo nach Dubai bringen will, um darin eine Bar zu eröffnen, dann sind wir bereit zu verhandeln“, fügt der Captain exemplarisch an. „Wir sind sehr gespannt, wohin die Reise des Flugzeuges führen wird.“

 

Stammtisch Bury The Jumbo: jeden Donnerstagabend 21:00 im Restaurant Volkshaus.

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