Gesellschaft | 02.12.2008

Am Ende hiess es „Death Match“

Das schweizweit erste City Assassin ist zu Ende. Die beiden Tink.ch-Wasserpistolen-Killer hielten sich bis zuletzt im Rennen. Hat einer von ihnen die 400 Franken Siegesprämie gewonnen?
Fotos: Roger Tschallener Hier noch am Leben und mit dem tödlichen Blick in den Augen: Nepomuk alias Roger Tschallener

Roger Tschallener: Alle gegen Alle

Nach den geplanten drei City-Assassin-Wochen waren noch 12 Stadtkiller am Leben, also etwa die Hälfte aller Spieler. Deshalb wurden die Regeln geändert: Jeder gegen jeden und tägliche Aufgaben. Als erstes musste man ein Codewort, welches in einem toten Briefkasten an der Tramhaltestelle beim Letzigrund bereitlag, an den Organisator schicken. Die ersten 8 kamen weiter. Da ich am Montagmorgen frei hatte, änderte ich meine Taktik in die klare Offensive, begab mich zum Stadion, fand und verschickte das Codewort und legte mich auf die Lauer. Logischerweise werden die anderen ja auch vorbeikommen müssen, so mein Gedanke. Und tatsächlich: Nach einer Stunde erschien ein junger Mann, der hektisch nach dem Codewort suchte. Ich zögerte kurz und schritt dann langsam auf ihn zu. Meine Wartesekunden waren ein Fehler, wie sich gleich heraus stellte. Er hatte mich bemerkt und rannte in athletischer Geschwindigkeit in Richtung Albisriederplatz.

Der erste Treffer

Ziemlich verblüfft stand ich nun da und schaute ihm nach. Einholen werde ich den nicht mehr. In diesem Moment erscheint ein Tram neben mir und ich steige ein. Eine Verfolgung per Tram? Mit viel Glück wird das klappen. Und tatsächlich, wenige Meter vor mir steigt er ein, bemerkt mich nicht und fummelt an seinem Handy rum. Leider sind öffentliche Verkehrsmittel eine Tabuzone und ich warte bis er aussteigt. Beim Stauffacher ist es endlich so weit, er geht zur Tür und steigt aus, ich hektisch hinter ihm her. Mist! Er hat mich schon wieder bemerkt, versucht zu flüchten, schafft es aber nicht. Ein gezielter Genickschuss mit meiner improvisierten Pistole (Putzmittel-Sprühkopf mit Tablettenröllchen-Tank) und ich habe mein erstes Opfer erledigt. Endlich! Wie sich herausstellt, war er von Anfang an mein Ziel. Das nenne ich Schicksal. Kurze Zeit später erhalte ich die Abschussbestätigung vom Organisator: „Ok cool.“

Tot! Ich bin Tot?!

Mit der gleichen Taktik versuchte ich mich um etwa 18:00 Uhr erneut beim Letzigrund. Schon bald erschien der erste Mitspieler, der jedoch so schnell wieder verschwunden war, dass ich nicht ein Mal sein Gesicht erkennen konnte. Nur noch die Rücklichter seines Fluchtfahrzeugs waren zu erkennen. Etwas enttäuscht wartete ich weiter. Erneut machte sich jemand am toten Briefkasten zu schaffen und stand kurz danach etwas irritiert daneben. Ich stellte mich mit meiner Pistole direkt vor ihn, grinste und drückte ab. Sein entgegenkommendes Grinsen flaute sogleich ab und ich hatte meinen zweiten Kill erfolgreich erledigt. Wie sich herausstellte, war das Codewort verschwunden – na gut, das hätte mich wohl auch aus der Fassung gebracht. Die nächste Aufgabe, das Herausfinden eines Denkmalschutzdatums eines mir unbekannten Gebäudes, erledigte ich am Mittwoch aus der Ferne – hier geht mein Dank an die Denkmalpflege Zürich, die mir schnell und kompetent Auskunft geben konnte. Weniger Erfolg hatte ich dann am Donnerstag. Ich erschien wohl einige Minuten zu spät am Checkpoint. Andere City Assassin kamen mir zuvor. Ich bin raus, tot, unspektakulär zu Grunde gegangen.

Martin Sturzenegger: Die schockierende Meldung gleich vorweg: Auch ich bin tot. Wir sind alle tot. Ausser „Roter Oktober“, der Sieger des schweizweit ersten, und vermutlich nicht letzten, City Assassins. Im finalen „Deathmatch“ bodigte er den „Master Commander“ mit einem gezielten Wasserballon-Wurf und einer Haifischknarre. Der „Rote Oktober“ scheint nicht nur schnell zu ziehen sondern ist auch noch sehr erfinderisch, was seine Waffenwahl angeht. Er gewann somit das definitive Kopfgeld von 400 Franken. Unsereins hantierte vier Wochen lang mit einer blauen Kompaktpistole der Gattung „klein aber handlich“. Vielleicht wäre ja ein Feuerwehrschlauch effizienter gewesen, doch fehlte mir dazu die nötige Infrastruktur.

Letztendlich bin ich aber nicht an einer verfehlten Waffenwahl oder an mangelnder Treffsicherheit gescheitert sondern der innere Schweinehund hat mich niedergeringt. Donnerstagnacht, um halb eins in der Früh, bekam ich die Anweisungen fürs versteckte Codewort per Email. Sicher ist sicher – dachte ich – und wollte mich sogleich zu diesem Checkpoint hinbewegen. Mit dem Fahrrad. Denn das Ziel befand sich am anderen Ende der Stadt. Doch ausgerechnet in diesem Moment streikte mein grünes Bike – platter Reifen. Ein echter Wasserpistolen-Krieger würde den beschwerlichen Weg durch den Stadtdschungel wohl auch zu Fuss absolvieren, doch meine unterkühlten Hände und Füsse verlangten nach einer warmen Decke. So kam es, dass ich friedlich vor mich hinschlummerte, während sich ein paar verwegene City Assassins auf die nächtliche Suche nach dem Passwort machten und mir damit den Garaus machten. Immerhin: Geschlafen habe ich wunderbar. Und ab Freitag konnte ich endlich wieder aus dem Haus, ohne zuvor von meinem Zimmerfenster aus, die Umgebung nach verdächtigen Personen zu durchforsten. Mit meinem Tod bin ich gleichzeitig auch wieder ein freier Mensch. Und das klingt doch einfach wunderbar pathetisch!

Shadow Gouvernmet: Ich bin euch mit meinen tödlichen Diensten immer gerne zur Verfügung gestanden. Doch jetzt muss ich schauen, dass ich mich wieder in einen geregelten Alltag integrieren kann.

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