Kultur | 01.12.2008

5000 Pfund aus dem Fenster geschmissen

Text von Martin Sigrist
Infadels haben mit "Reverse in Universe" ihr zweites Album veröffentlicht. Die Britten spielten das erste Mal in Zürich. Tink.ch traf Matt und Richie von den Infadels vor ihrem Konzert und sprach mit ihnen über ihren Gratistag, Gastmusiker und gute Studios.
Nur ein Bild kann die lockere Stimmung beim Interview einfangen. Fotos: Martin Sigrist Martin Sigrist (Mitte) fühlte sich sichtlich wohl mit den beiden Musikern.

Seid ihr gut angekommen? Ihr habt ja ab und zu Probleme, pünktlich bei den Konzerten zu sein.
Matt: Es ist ziemlich unfair, das zu sagen (lacht), aber ich weiss schon, was du meinst. Wir spielen so viele Konzerte und diese an vielen komischen Orten. Da ist die Anreise ab und zu ein Problem, aber nicht mehr als bei anderen Bands. Ich sehe deine Melt-Tasche, da hats eben nicht geklappt, weil wir unterwegs ein paar Vans verschrottet haben. Aber wir versuchen alles, um die Konzerte zu machen, jedes Mal.

Gibts dabei Grenzen?
Richie: Nein, wir haben tatsächlich schon vieles unternommen. Unser Sänger war neulich mal krank, da musste ich einfach einspringen und seinen Part übernehmen.

Matt: Für eine französische TV-Show konnten unser Drummer und der Bassist nicht spielen, da mussten wir einfach zwei Freunde einspannen. Oder wir haben in Barcelona mal unseren Techniker Keyboard spielen lassen. Wir haben damals nicht gewusst, dass wir vor 25’000 Personen spielen würden. Ich habe vor ihm noch nie jemanden so schnell so viel kiffen gesehen.

Es klingt ja nach viel Spass, wenn ihr eure Mitglieder immer mal auswechseln könnt.
Matt: Die Band profitiert nicht nur davon, aber die Zuschauer bekommen jeweils eine einzigartige Show. Gerade weil wir eine Art Stammpublikum haben, das auch mal was Neues sehen möchte.


Ihr habt eine neue Platte. Auf Myspace beschreibt ihr sie einfach als „besser als die alte“. Ist das alles?

Matt: Also, das stimmt schon mal. Wir haben zehn neue Songs. Damit haben wir nach zwei Jahren mal wieder neues Material für die Konzerte und damit ausreichend Songs für ein ganzes Konzert. Wir müssen nicht mehr Songs wie „Can’t Get Enough“ wiederholen, um lange genug auf der Bühne was bieten zu können.

Auf diesen Song warten die Leute ja sowieso.
Matt: Ja, es gibt ein paar solche Songs. Es gibt aber auch Leute, die kennen kaum Songs von uns, wollen uns aber unbedingt mal live erleben. Mit dem neuen Album gibts noch mehr Menschen, die uns so ein bisschen kennen aber nicht wirklich die einzelnen Songs. Es ist ein tolles Konzept, wenn die Leute uns damit eigentlich ganz ohne Erwartungen mal sehen möchten, denn es ist sehr schwierig, Leute an Konzerte zu locken, die unsere Songs nicht wirklich kennen. Auftritte an Festivals helfen da übrigens auch ganz gut.

Für die Lancierung des Songs „Free Things For Poor People“ hattet ihr in London etwas ganz spezielles geplant.
Matt: Ja, wir entschieden offiziell, dass es einen Gratistag geben sollte, gerade passend zur globalen Finanzkrise. Wir schmissen dazu in London aus einem Bürogebäude tausende von Einpfund-Scheinen aus dem Fenster, im wahrsten Sinne des Wortes. Das war eine tolle Ansicht. Unser Label wollte die Geschenkaktion mit Münzen tun, aber das ging natürlich nicht. Also mussten wir die ganze Aktion selbst finanzieren, mit dem Gewinn unserer Tour. Gerade auf unserer Steuererklärung bekam die Aktion lustige Züge. Wir hatten da Ausgaben für Auto, Backline, Studio und eben 5000 Pfund „aus dem Fenster geschmissen“. Wir hätten das mit einem Video auf Yotube auch beweisen können.

War die Aktion ein Erfolg?
Matt: Die Leute schnappten sich das Geld geschnappt und  hoffen, dass noch mehr kommen würde. Wir verursachten damit einen Stau und einen Polizeieinsatz, denn die Aktion war natürlich illegal. Man nennt das „Störung der öffentlichen Ordnung“.

Zur Musik auf eurem neuen Album. Das neue Album konntet ihr mit einem richtigen Drumset einspielen.
Matt: Ja, beim ersten war das Studio zu klein dafür. Wir mussten alles mit dem Computer machen. Unser jetziges Studio ist etwas grösser, zumindest gross genug für ein richtiges Drumset. Darum klingen die Rhythmen nun ganz anders. Bei der Aufnahme zum ersten Album hat uns dieser Mangel noch genervt, nun ist es interessant, wie wir das Problem damals gelöst haben. Es ist rückblickend eine tolle Arbeit, in solchen nicht einfachen Situationen einen Weg zu finden für die bestmögliche Lösung für die Musik.

Ihr habt auch einen Wettbewerb „Circus For The Mad“ ausgeschrieben.
Richie: Dabei gibts aber keinen Gewinn. Dabei sein ist der ganze Kick. Wir wollten einen Roadmovie zu unserer Tour machen. Wir haben so viele abgefahrene Fans, dass wir ihre Aufnahmen von sich selbst dazu benutzen wollten. Diese Leute durften dann bei den Konzerten auf der Bühne ihre Performance machen. Wir hatten schon eine Gruppe in Achtziger-Spandexanzügen oder Mexikanische Wrestler auf der Bühne.

Ihr habt ab morgen eine Woche frei, was werdet ihr machen?
Matt: Wir gehen nach Hause und arbeiten an unserem Studio. Und vielleicht an ein paar neuen Songs, aber zuerst müssen wir mal einfach das Studio fertig bekommen, das ist zumindest der Plan für den Moment (lacht laut). Unser Studio ist ja nun gross genug für alle Instrumente, zwar mit krummen Wänden, gewelltem Boden und undichter Decke, aber dafür mit Charakter.

Wettbewerb


Tink.ch verlost drei signierte Exemplare des aktuellen Albums "Universe in Reverse". Für die Teilnahme genügt eine Mail bis zum 09. Dezember 2008 an martin.sigrist(at)tink.ch, Absender nicht vergessen.

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