Kultur | 04.11.2008

Wolfie und seine Band

Text von Laura Folkers
BAP sind nach Peter Maffay die zweiterfolgreichste Band Deutschlands. Dabei verstehen längst nicht alle Leute ihre Texte. Wolfgang Niedecken singt seine Lieder in "kölsch".
Fotos: www.bap.de Leadsänger und Texter Wolfgang Niedecken ist bei BAP die einzige Konstante.

Vor dreissig Jahren fing alles mit einem Kasten Bier an. Damals war Wolfgang Niedecken, Leadsänger von BAP, noch Student der Fachhochschule für Bildende Künste. Wie die meisten Künstler war er arm. Angeblich war er so pleite, dass er sich nicht mal Musikplatten leisten konnte. So versuchte er die Lieder selbst zu spielen – stets mit einer inspirierenden Priese von Liebeskummer. Daraus entstand ihr erster Song : „Helfe kann dir keiner“. Eine wunderbare Ballade über Einsamkeit und „em ärme Dier“ (übersetzt: „Dem armen Tier“, was so viel bedeutet wie „melancholisch sein“, „einen Durchhänger haben“.) Herzerweichend traurige Lieder wie zum Beispiel „Jraaduss“ oder auch „Verdamp lang her“ haben BAP unter anderem berühmt gemacht. Aber wer jetzt denkt, dass BAP nur total verschnulzte und verkitschte Rockballaden zustande bringen, sollte sich Songs wie „Waschsalong“ „Müsli-Män“ oder „Frau, ich freu mich“ anhören. In diesen Stücken zeigt die Band ein Händchen für tanzbare Musik.


Nur Wolfie ist noch dabei

Doch die fünf Kölner sind nicht nur dumpfe Rock’n’Roller, sondern gleichzeitig auch politisch engagiert. Mit Liedern wie „Kristallnaach“, haben sie sich einigen Ärger eingehandelt. In den Zeiten des zweigeteilten Deutschlands wurde sogar eine ihrer Touren durch die DDR abgesagt und verboten. Auch die neue Scheibe enthält wieder einen Song der von BAPs politischem Engagement zeugt : „Noh Gulu“. Dieses Lied erzählt von zwei Kindern, die von ihrer Heimat zu Fuss nach Gulu gehen müssen – immer in der Angst, von umherziehenden „Killerbanden“ ermordet zu werden. Aus den Anfangszeiten existieren sogar noch Coverversionen von „Knockin‘ on heavens door“ oder „Hungry heart“ oder das im Rheinland wohl meist gespielte Spiel „Mau – Mau“ wird gespielt. BAP werden nie langweilig, erfinden sich immer wieder neu und sie zu schubladisieren ist beinahe unmöglich. Die Bandbesetzung von BAP ist durch regelmässige Veränderungen geprägt. Wolfgang Niedecken ist das letzte verbliebene Gründungsmitglied. „Oos Wolfie“, wie die Kölner ihn liebevoll nennen, ist seit 1976 dabei.

Nun kommt die Band am 26. November ins Volkshaus. Wer einen Abend voller Kultur, gutem Sound  und guter Laune verbringen will, dem sei dieses Konzert wärmstens empfohlen. Und wer die Texte nicht versteht, aber trotzdem gerne wüsste, was Wolfgang Niedecken da zusammen kauderwelscht sollte einen Blick auf die Webseite der Band werfen. Dort sind alle Songs mit Übersetzung ins Hochdeutsche aufgelistet.

In diesem Sinne: Maat et Joot! (Macht’s gut)