Gesellschaft | 24.11.2008

Warmer Zufluchtsort mit Tücken

Text von Ruzica Lazic
Im Bett ist alles schön, warm und weich. Kurz: Es ist einer der wenigen Orte wo die Welt noch in Ordnung ist. Vorausgesetzt die Decke spielt mit.
Alle Körperteile unter der wärmenden Decke zu verstecken ist nicht immer einfach.

An einem verschneiten Wintermorgen ist das eigene heimelige Bett mehr denn je die Zuflucht vor Kälte, Leuten, die einen auf Zack halten, Kälte, zu erledigenden Aufgaben, die einen auf Zack halten, Kälte, sonstiger, von mir bisher noch nicht kategorisierter Stress, der einen ebefalls auf Zack hält, erzwungenes auf-Zack-sein, und Kälte. Eigentlich nicht nur an verschneiten Wintermorgen. Man liegt relativ wach im Bett. Allerdings wird man sich das Wachsein nicht eingestehen, man will es von sich stossen und verdrängen, so lange es geht, bis der Handywecker zum dutzendsten Mal vibriert und klingelt und macht und tut und durch meine Hand wieder abstirbt, um dann fünf Minuten später dasselbe Theater aufzuführen. Draussen ist es natürlich dunkel, von leichtem Orange durchbrochen. Das Bett ist immer noch die beste Option. Ich drehe und winde mich, um mich auf ideale Weise in die Decke einzupuppen. Doch die harte Realität dämmert bedrohlich über mir; eine Realität, die in meinem nun schon fortgeschrittenen Wachstadium unerbittlich auf mich einhämmert und der ich im Schlaf gegenüber relativ gleichgültig war.

Meine Füsse schauen aus der Decke raus.

Und sie werden kälter, und kälter und kälter. Ich ziehe sie ein. Aber nun stellt sich die essentielle Frage: Wie bringe ich mich in eine gemütliche dösige Position inklusive eingezogener Füsse? Seitlich zu liegen ist momentan einfach zu mühsam, da ich mich schon eingewickelt habe, die Füsse sind zwar nun drin, aber seitlich ist momentan einfach keine Option. Ich will nicht und bleibe auf dem Rücken liegen. Es wird mir zu blöd. Der tapsige Gang zum Badezimmer ist derselbe wie immer, nur sind die Kacheln um einiges kälter und irgendwie muss ich auch viel länger blinzeln bis sich mein originaler Sehbereich wieder ausbildet. Die Haare muss man ignorieren – den Blick in den Spiegel muss man ignorieren – eigentlich schaffe ich es gut, ziemlich vieles zu ignorieren. Die Morgenmaschine in mir ist an und tut ihr Ding, sie weiss genau wohin und was tun, und das dösige Ich schlurft etwas unbeholfen hinterher. Zurück zum Zimmer. Das Bett muss noch gemacht werden. Decke falten, übers Bett, Überdecke suchen, Überdecke nicht finden, im Dunkeln über etwas stolpern, es muss die Überdecke sein, dieses Etwas nehmen, falten, über die Decke drüber. Hm. Das Licht müsste ich auch noch einschalten. Eigentlich. Aber das strahlende Mobiltelefon tuts auch. Ich schaue mal kurz drauf und registriere die Uhrzeit. Halb vier. Ich liege auf die Überdecke, die über der Decke liegt, welche auf dem Bett höchstpersönlich hingefaltet wurde, und döse weiter.