03.11.2008

Walzer mit dem Tod

Der israelische Regisseur Ari Folman hat seine Erfahrungen, die er als Soldat im Libanonkrieg 1982 machte, im spektakulären Animationsfilm "Waltz With Bashir" verarbeitet.
Ari Folman, die von Kriegserinnerungen geplagte Hauptperson des Films.
Bild: Pandora Film Szene von Leuchtfeuern im Libanonkrieg als Digitalzeichnung. Animierter Alptraum des Veteran Boaz Rein Buskila.

„Der Film erzählt eine Geschichte, die auch von einem Ex-Vietnamsoldaten stammen könnte“, betont Regisseur Ari Folman. Es werden traumatisierende Kriegserfahrungen geschildert, die auch aus amerikanischen Vietnam-Blockbustern bekannt sind. Der Veteran Boaz Rein Buskila erzählt der Hauptperson des Films, Ari Folman, von einer traumatischen Erinnerung, die ihn seit mehr als zwei Jahrzehnten beschäftigt: 26 wilde Hunde verfolgen ihn am Rande des Schlachtfeldes, bis er sie, einen nach dem anderen, aus Notwehr erschiesst. Diese Rückblende in den Libanonkrieg erweckt auch in Folman ein längst verdrängtes Kriegstrauma. Einzelne surreal verfremdete Szenen von Leuchtfeuern und Leichenbergen lassen ihn nicht mehr los. Mit der Hilfe von ehemaligen Kameraden geht er auf die Suche nach weiteren Kriegserinnerungen, die hinter seinen bedrückenden Albträumen verborgen sind. Schreckliche Bilder kommen in ihm hoch: Er sieht sich inmitten des Stellungskrieges. Unter dem Banner von Libanons Präsidenten Bachir Gemayel führt er einen Walzer auf, während er mit dem automatischen Gewehr ziellos Schüsse verteilt. Je mehr er sich erinnert, desto mehr wächst seine Verabscheuung angesichts seiner Taten und des grausamen Unrechts, dass den Unschuldigen in der Auseinandersetzung zwischen Israelis und Palästinensern widerfahren war.

 

Animationsfilm mit pazifistischer Intention

In jahrelanger Studioarbeit wurde aus sehr real wirkenden Digitalzeichnungen ein 90-minütiger Film geschaffen, der sich jeder Kategorisierung zu entziehen scheint. In diesem Film wird inhaltlich ein Spannungsfeld zwischen Traum und Realität erzeugt, eine Symbiose aus Animation und Dokumentation ist zu erkennen. Als Zuschauer ist man fasziniert von den grafisch-ästhetischen Sequenzen, erschrickt jedoch vor ihrem menschenverachtenden Inhalt. Um die Glaubwürdigkeit des Films zu verstärken, wurden Originalbilder aus den Schlachten im Libanon als Vorlage herangezogen. Wo es an Aufnahmen aus den 80er Jahren fehlte, bediente man sich – so erzählt Folman mit einem bitteren Lächeln – Material aus dem aktuellen zweiten Libanonkrieg. Trotz seiner ungewohnten Machart verfehlt der Film nicht seine pazifistische Intention. „Waltz With Bashir“ schafft den Spagat zwischen Avantgardismus und Dokumentation. Dieser Film wurde in den Kategorien „Bester Nichtamerikanischer Film“ und „Bester Animationsfilm“ für den Oscar nominiert, nicht aber in der Kategorie „Dokumentationsfilm“.

 

 

Info


„Waltz with Bashir“ startet in der Deutschschweiz am 4. Dezember.

 

 

Links

Ähnliche Artikel