Gesellschaft | 03.11.2008

„Spannung und Abwechslung für den Alltag“

Die Teilnehmer sind Auftragskiller und Opfer zugleich. Ihr Jagdgebiet ist Zürich und ihre Munition besteht aus Wasser. Ein neues Spiel verunsichert die Schweiz.
So könnten die City Assassins unterwegs sein. Tink.ch stellte die Szene nach. Fotos: Melanie Pfändler

Man nennt es „StreetWars“, „SoakOps“ oder, wie auch hier in der Schweiz, „City Assassin“. Die Rede ist dabei nicht von einem Brett- oder Videospiel, sondern von einer, in die reale Welt integrierten, Auftragskiller-Simulation. StreetWars stammt wohl aus den USA, wo bereits 2005 die erste offizielle Runde gestartet wurde.

Seitdem werden weltweit solche Wettbewerbe veranstaltet, die Regeln sind dabei immer ähnlich. Über einen Zeitraum von drei Wochen hat die oder der Angemeldete die Aufgabe, möglichst viele ihm von den Organisatoren mitgeteilte Opfer mit einer Wasserpistole niederzustrecken. Gleichzeitig muss die Person darauf achten, dass sie selbst nicht erledigt wird. Dabei gibt es keine Pausen, das Spiel findet 24 Stunden und überall in Zürich statt. Um das zugeteilte Opfer auch finden zu können, erhält man sowohl dessen Wohn- als auch Büro-Adresse und ein Foto der Person.

„Psychologisch bedenklich“, „makaber und krank“ oder „einfach nur dumm“ – das sind wohl die häufigsten Aussagen, die man erhält, wenn man Freunde und Bekannte auf dieses Thema anspricht. Tink.ch hat sich deshalb genauer erkundigt und den Organisator zur Rede gestellt. Unsere Ansprechperson des Shadow Governments, so nennen sich die Drahtzieher des Spiels, möchte gerne anonym bleiben (richtiger Name der Redaktion bekannt). Zusammen mit zwei Partnern organisiert der 25-Jährige seit zwei Monaten „City Assassin Zürich“. Unter dem Motto „Make Wet, not War“ startet das Spiel anfangs November mit etwa zwei Dutzend Teilnehmern. „Ich habe die Idee aus den USA, dort läuft jetzt gerade auch ein Spiel mitten in New York“ so der Zürcher. Die Altersspanne der Teilnehmer reicht von 18 bis 40 Jahren und geht somit weiter über die bezüglich Ballerspielen klischeebehafteten Jugendlichen hinaus.

„Das ist lediglich ein Spiel“

Man habe sich gut vorbereitet und abgesichert. „Psychos“ oder andere Personen, die negativ auffallen, werden unverzüglich vom Spiel ausgeschlossen und gemeldet. Dazu muss bei einer Anmeldung auch eine Pass-Kopie abgegeben werden. Trotz allem hat Shadow Government keine Bedenken: „Das ist lediglich ein Spiel, das Thema wird viel zu ernst genommen.
Unser Ziel ist es, Spannung und Abwechslung in den trüben Alltag der 25
Teilnehmer zu bringen und nicht, wie die Medien das befürchten,
Gewaltpotenziale zu fördern“. Der Medienhype sei auch völlig überraschend gekommen. Ausser den sehr einseitigen Berichten der Zeitungen habe man aber kein einziges negatives Feedback erhalten. „Wenn alles so klappt, wie geplant, würden wir das sicher wieder organisieren!“. Auf der ganzen Welt wird diese Art von sozialen Spielen nur ungern gesehen, vor allem Psychologen und Gesetzeshüter laufen gegen die Organisatoren Sturm. Michael Bloomberg, seines Zeichens Bürgermeister von New York, meinte in einem Interview mit der NY Sun, dass die Organisatoren „psychiatrische Hilfe“ benötigen – eine sehr klare Aussage. In der Schweiz hält man sich mit den Urteilen noch zurück und wartet ab – die Polizei beobachtet die Entwicklungen aber genau.

Die Tink.ch Reporter Martin Sturzenegger und Roger Tschallener wollen es genauer wissen und haben sich deshalb für das erste City Assassin in Zürich angemeldet. In den nächsten Wochen berichten sie exklusiv und direkt aus dem Spiel: Werden sie gestalked? Packt sie der Verfolgungswahn? Oder haben sie sogar ihre Berufung als Wasserpistolen-Killer gefunden?

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